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Starfield im Test: Ihr werdet es hassen, aber noch viel mehr lieben

In Starfield geht es zu den Sternen. (© Bethesda Softworks)
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Starfield ist ein hervorragendes Sci‑Fi-Rollenspiel, das aber gerade in den ersten Spielstunden viele Mängel aufweist. Ob Bethesda dennoch ein Hit gelungen ist, klären wir im Test.

Bethesda bietet euch mit Starfield ein weniger Fantasy-basiertes als vielmehr bodenständiges Sci‑Fi-Szenario, das wieder mehr Gewicht auf das Genre Rollenspiel legt. Das beginnt bereits während der Charaktererstellung, bei der ihr eure menschliche Spielfigur bis ins Detail anpassen und sie anschließend mit optionalen Merkmalen ausstatten könnt.

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Dazu gesellen sich sogar solche Optionen wie „Traumhaus“, womit ihr beispielsweise direkt über ein beschauliches Anwesen verfügt, allerdings erst die Hypothek noch zurückzahlen müsst, während ihr bei „Kinderkram“ eure Eltern besuchen könnt, ihnen jedoch wöchentlich ein paar Credits abdrücken müsst. Derlei Entscheidungsmöglichkeiten sind klasse und steigern die Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer.

Mit Schnellreisen durch das All

Wenig später geht es auch schon los. Ihr werdet zum Captain eines Raumschiffs ernannt und könnt euch mit der Fortbewegung im All vertraut machen. Was euren Entdeckerdrang in interstellare Höhen katapultieren sollte, stellt sich schnell als ernüchternde Erfahrung heraus. Denn eine aktive Erforschung des Alls wird euch verwehrt.

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Begrenzte Areale, statt frei erkundbares All … also sozusagen ein „Areall“. (Bildquelle: Screenshot GIGA)

Stattdessen öffnet ihr die Karte und wählt einen Planeten aus, was eine kurze Ladepause nach sich zieht. Dann entscheidet ihr euch für einen Zielort auf dem Planeten, dürft den Ladebildschirm ein weiteres Mal in Augenschein nehmen, direkt gefolgt von einer nicht abbrechbaren Landesequenz. Im Anschluss verlasst ihr per Knopfdruck das Raumschiff. An diese Art zu reisen müsst ihr euch leider gewöhnen, denn Starfield bietet keine Open World im herkömmlichen Sinn, sondern räumlich begrenzte (wenngleich stets große) Areale. Diese ständig erzwungene Menübedienung fühlt sich unbefriedigend an, weil sie das native Spielgeschehen viel zu oft unterbricht.

Mit fortschreitender Spieldauer habt ihr viele wichtige Orte bereits besucht und könnt sie daher direkt per Schnellreise erreichen. Damit überspringt ihr die ganze Prozedur zwar, im Gegenzug ist euer Raumschiff aber oft stundenlang überflüssig – zumindest bis ihr neue Sternensysteme erkunden wollt oder Weltraumschlachten austragt, zu denen wir später noch kommen.

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Wenn Größe keine Rolle spielt

Starfield hält über 1.000 größtenteils prozedural generierte Planeten für euch bereit, von denen ihr alle (mit Ausnahme von Gasriesen) erforschen könnt. Allerdings schwächelt das RPG hier an ähnlichen Stellen wie damals No Man’s Sky zum Release: Ihr könnt vorhandene Rohstoffe scannen und abbauen und auf besiedelten Planeten auch das Tierreich begutachten oder bekämpfen.

Im Umkreis generierte Orte, bei denen es sich um Höhlen, Forschungslabore oder verlassene Stationen handeln kann, haben uns auf den ersten zehn Planeten noch dazu verlockt, ihnen einen Besuch abzustatten. Aber mit Ausnahme von klitzekleinen Aufgaben oder Kämpfen mit Piraten schaffen derlei Lokalitäten nur visuelle Anreize.

Mal schnell am Mars Platz genommen, um uns den roten Staub in die Visage wehen zu lassen. (Bildquelle: GIGA)

Atmosphärisch machen einige Planeten schon was her, selbst wenn ihr nur Gesteinsbrocken vor Augen habt. Aber der Umstand, dass ihr jeden Weg zu Fuß überbrücken müsst, weil es in Starfield keine Fahrzeuge gibt, zwingt vermutlich selbst den hartnäckigsten Forscher irgendwann in die Knie. Gut, dass die Erkundung stets eine Alternative bleibt, auf die ihr euch nur dann einlassen müsst, wenn ihr es auch wollt.

Ähnlich verhält es sich mit der Errichtung von Außenposten. Ihr könnt Extraktoren zur Gewinnung von Ressourcen bauen und eine Basis mit Möbeln und Dekorationen hochziehen. Das ist jetzt kein bahnbrechendes neues Feature (so ähnlich gab es das auch in Fallout 4), taugt aber doch als nette Dreingabe für all jene, die ihrer Kreativität freien Lauf lassen wollen.

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Abwechslungsreiche Quests und gelungene Vertonung

In Sachen Quests liefert Bethesda in den meisten Fällen genau das, was sich Skyrim-Fans wünschen. Für gewöhnlich füllt sich unser Missionsjournal schneller, als wir es leeren können. Das Beste daran: Viele Quests machen richtig Laune. Das liegt zum einen daran, dass zunächst banal wirkende Aufgaben in ihrem Verlauf oft komplexer werden, zum anderen an oftmals freien Vorgehens- und Entscheidungsmöglichkeiten.

In den Hauptmissionen dreht sich alles um rätselhafte Artefakte. (Bildquelle: GIGA)

Als vergleichsweise wenig aufregend erwiesen sich ausgerechnet die Hauptmissionen: Nachdem ihr in Berührung mit einem mysteriösen Artefakt gekommen seid und ihr dabei eine seltsame Vision erlebt habt, werdet ihr von der sogenannten Constellation rekrutiert und widmet eure Zeit infolgedessen der Suche nach weiteren Artefakten und deren Erforschung. Schon der Plot verrät, dass hier einige Längen entstehen können.

Dabei erweisen sich manche Designentscheidungen als fragwürdig: So mussten wir bei einer Hauptquest mehrmals zwischen einer Raumstation und dem Fraktionshauptsitz der Constellation hin- und herreisen – teilweise bloß für ein einziges Gespräch. Das hätte anders gelöst werden können und vermittelt obendrein den absurden Anschein, als hätte man im Starfield-Universum noch kein Funkgerät erfunden.

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Die Vertonung wiederum ist richtig gut geworden. So wird den in ihrem Gestus eher eingeschränkten Charakteren mehr Leben eingehaucht, wovon vor allem die Begleiter profitieren. Diese warten nicht nur mit teils einfallsreichen Hintergrundgeschichten und Quests auf, sondern beteiligen sich auch vergleichsweise aktiv am Spielgeschehen. Natürlich dürfen da auch Romanzen nicht fehlen. Wenn euch ein Begleiter ganz besonders anspricht, könnt ihr ihn sogar heiraten – in Sachen Tiefgründigkeit solltet ihr allerdings nicht zu viel erwarten.

Apropos Sprachausgabe: Wir raten euch trotz der gelungenen Vertonung auf Englisch mit deutschen Untertiteln zu spielen. Auf die Lippensynchronisation wurde in der deutschen Sprachausgabe offenbar kaum geachtet. Viel zu oft quatschen die NPCs mit geschlossenem Mund und vollziehen an anderer Stelle schweigende Lippengymnastik.

Spaßige Kämpfe auf dem Boden und im All

Neben den Quests gehört auch das Kampfsystem zu Starfields Stärken. Das liegt nicht nur an den flüssigen Kämpfen und dem simplen Deckungssystem (ihr könnt durch Zielen aus einer Deckung hervorspähen), sondern vor allem am gelungenen Trefferfeedback. Kopftreffer lassen eure Gegner ins Taumeln geraten, bei Schüssen ins Bein verlieren sie das Gleichgewicht und Explosionen werfen sie zurück. Das wird auch nach zig Stunden nicht langweilig. Dafür sorgen im Übrigen auch die unterschiedlichen (Fernkampf-)Waffen, die ihr auf der Werkbank umfangreich anpassen könnt.

Gegner gehen auch mal in die Knie, wenn sie angeschlagen sind. (Bildquelle: GIGA)

Für Abwechslung ist nicht zuletzt die variierende Schwerkraft auf den Planeten oder das Jetpack verantwortlich. Deckungen spielen nur noch eine untergeordnete Rolle, wenn ihr eure Gegner aus allen Richtungen unter Beschuss nehmen könnt. Das Sahnehäubchen stellen übernatürliche Kräfte dar, auf die wir aus Spoiler-Gründen nicht weiter eingehen wollen. Der einzige Wermutstropfen: Herausragende Bosskämpfe oder andere atemberaubende Begegnungen hat Starfield nur selten auf Lager.

Kurzweilige Unterhaltung bieten durch den detaillierten Raumschiff-Editor auch die Weltraumkämpfe. Reaktoren, Waffensysteme, Schilde, Frachtlager, kosmetische Komponenten und andere wichtige Module verpassen eurem Schiff einen einzigartigen Look, sind aber in Sachen Platzierung an realistische Vorgaben gebunden. Gleichzeitig steigert jedes Bauteil das Gesamtgewicht und beeinflusst damit eure Beweglichkeit im All.

Im Kampf weicht ihr feindlichem Beschuss aus, verteilt die Reaktorenergie auf gebräuchlichere Systeme und könnt einzelne Komponenten feindlicher Flugkörper gezielt zerstören. Die Beschädigung der Antriebe lässt euch andere Raumschiffe sogar entern, woraufhin ihr deren Crew ausschalten und das Raumschiff übernehmen könnt. Man könnte den Weltraumscharmützeln den Mangel an Komplexität vorwerfen, uns hat allerdings vielmehr die fummelige Steuerung mit Maus und Tastatur gestört.

Starfield – Offizieller Gameplay-Trailer

Schwaches Inventar-Management, starkes Skill-System

Bei solchen Aktionen dürft ihr euch natürlich auch auf jede Menge Loot freuen. Wie für Bethesda-Rollenspiele üblich, könnt ihr fast alles in euer Inventar packen, was nicht niet- und nagelfest ist. Was sich später als große Stärke herausstellt, ist gerade in den ersten Spielstunden schlichtweg überfordernd: Welche Items könnt ihr gebrauchen und welche solltet ihr besser liegen lassen?

Das Problem wird durch eine fehlende Kategorisierung noch verstärkt. Erst im Inventar werden die Gegenstände einer Rubrik zugeordnet. Trotzdem entstehen oftmals lange Listen, die ihr bei gezielter Suche durchwühlen müsst. Obendrein ist das Inventar anfangs so schnell zugemüllt, dass wir immer wieder gezwungen waren, Gegenstände zu entsorgen.

Und dennoch: Ob es nun die Suche nach Ressourcen für Upgrades und wertvollen Objekten ist oder die Hoffnung auf legendäre Ausrüstungsgegenstände: Die Suche nach Loot entfaltet nach den ersten Spielstunden eine Sogwirkung, die uns nicht mehr losgelassen hat.

Zu einem guten Rollenspiel gehört natürlich auch ein sinnvolles Skill-System – und das liefert Starfield zweifelsohne. Mit jedem Levelaufstieg könnt ihr einen Punkt in einen von über 80 Skills stecken, die überdies allesamt mehrere Male verbessert werden können. Besonders spannend: Neben prinzipiell nützlichen Skills gibt es auch Talente, die euch neue Gameplay-Optionen eröffnen. Da ihr in Starfield über keine Levelgrenze verfügt, sind Fehlgriffe nicht so tragisch und der Skilltree bietet genügend Optionen für einen weiteren Anlauf im „New Game Plus“-Modus.

Grafik und Bugs

Optisch macht Starfield insgesamt einen guten Eindruck. Die klinischen und von Details nur so strotzenden Innenräume von Forschungsstationen, Laboren und Raumschiffen sind schlichtweg beeindruckend anzusehen und auf einigen Planeten haben wir manchmal an Vorsprüngen angehalten, nur um ein Auge auf die umliegenden Gesteinsformationen zu werfen. Allerdings wirkt die Flora recht plastisch und die Animationen der NPCs haben sich im Hinblick auf das im Jahr 2015 erschienene Fallout 4 auch nicht großartig weiterentwickelt.

Gewisse Räumlichkeiten, wie die Innenräume eures Schiffs, strotzen nur so vor Details. (Bildquelle: GIGA)

Was Bugs betrifft, ist Starfield das bislang sauberste Bethesda-Rollenspiel zum Release. In den vier Großstädten im Game brach manchmal die Framerate ein, was mit den darin vorhandenen Menschenmassen im Zusammenhang steht. Passanten nehmen zuweilen eine Abkürzung direkt durch Objekte, anstatt an ihnen vorbeizulaufen. Störender erwies sich ein Fehler, der sich im Anschluss eines Raumschiffkampfs zu erkennen gab. Trotz der Vernichtung aller Gegner wurden wir aus der Kampfsituation nicht befreit, weshalb wir keinen unmittelbaren Planeten mehr ansteuern geschweige denn die Schnellreise nutzen konnten. Das ist grundsätzlich zu verschmerzen, weil das Spiel relativ oft automatische Speicherpunkte anlegt.

Auf einen Punkt müssen wir abschließend noch zu sprechen kommen. Die Karten auf Planetenoberflächen sind zwar nicht verbuggt, lassen diesen Schluss aber durchaus zu. In kaum einem anderen Spiel haben wir derart detailarme und unnütze Maps gesehen. Egal wonach ihr in den Städten auf der Suche seid, ihr werdet es mithilfe der Karte nicht finden.

Starfield Standard Edition
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Test-Fazit

Starfield ist ein wenig wie Urlaub: Ihr müsst erst die Anreise hinter euch bringen, um ihn genießen zu können. Denn gerade in den ersten Spielstunden offenbart sich eine Schwäche nach der anderen.

Die freie Erkundung des Weltraums oder die Besichtigung eines Planeten aus der Troposphäre ist schlichtweg nicht möglich. Stattdessen fühlt sich das Reisen durch die ständige Kartennutzung derart zerstückelt an, dass sich der Gedanke einer zusammenhängenden Spielwelt schnell in Luft auflöst. Die eigenen Taschen sind anfangs schnell vollgestopft und die prozedural generierten Planeten verlieren mangels spielerischer Herausforderungen an Reiz.

Mit der Zeit jedoch verblassen viele Schwächen, während die Stärken von Starfield deutlicher in den Vordergrund treten. Das Waffenarsenal vergrößert sich zunehmend, die Kämpfe gewinnen an Schwung, das Skill-System entfaltet seine Stärken, die Quests fesseln und ehe ihr’s euch verseht, steht ihr vor einem Spielplatz voller Möglichkeiten. Willkommen in Starfield, ihr seid angekommen.

Wertung
8.5/10
“Wenn ihr keine Revolution erwartet und der altbekannten Bethesda-Formel grundsätzlich etwas abgewinnen könnt, dann hält Starfield einen Spielplatz voller Möglichkeiten für euch bereit.”
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