Endlich Ruhe dank effektiver Geräuschdämmung: Den Noise-Cancelling-Effekt kann man bei handelsüblichen In-Ear-Kopfhörern nachrüsten – es ist nicht einmal besonders teuer.

„Echte Geräuschunterdrückung“ – also mittels aktivem Noise Cancelling (ANC) – erfordert Elektronik, die den Preis für Kopfhörer nach oben treiben kann. Ein In-Ear-Kopfhörer, der per Gegenschall den Umgebungslärm ausknipst, kostet meist einen dreistelligen Betrag (z.B. Sennheiser Momentum True Wireless 2). Es stellt sich also die Frage, ob es nicht einen Trick gibt, um die Geräuschdämmung konventioneller Modelle zu verbessern.

Noise-Cancelling-Effekt nachrüsten: Memory-Schaum ist die Lösung

Bei manchen In-Ear-Kopfhörern sind Ohrpasstücke aus anpassungsfähigem Memory-Schaum Teil des Lieferumfangs (z.B. Soundmagic E80C). Sie sorgen im Vergleich zu den normalen Silikonstöpseln für eine flexiblere Abdichtung des Ohrkanals, so wird Umgebungslärm besser abgeschirmt.

FOAMER F4.0,  Schaum-Ohrpolster für In-Ear-Kopfhörer

FOAMER F4.0, Schaum-Ohrpolster für In-Ear-Kopfhörer

Solche Schaumstoff-Ohrstücke lassen sich einzeln nachkaufen. Man findet sie im Handel unter Markenbezeichnungen wie FOAMER F4.0, INΛIRS AIR2 oder Comply Foam. Sie ersetzen die normalen Silikon-Passstücke und passen auf die allermeisten Treibereinheiten gängiger In-Ear-Kopfhörer – im Zweifel hilft ein Blick in die Produktbeschreibung (Kompatibilität) oder eine Nachfrage beim Anbieter. Um die Schaumstoffpolster korrekt einzusetzen, sollte man die Memory-Schaum-Pfropfen vorher etwas zusammendrücken, wie im Video von Comply Foam erklärt wird.

Anbringen der COMPLY Ohrpaßstücke (Herstellervideo)
Comply Tx-500 Isolation Plus Ohradapter

Comply Tx-500 Isolation Plus Ohradapter

Was bringt's? Nun, erstmal kann sich der Sitz verbessern, was bei True-Wireless-Modellen ein Herausfallen unwahrscheinlicher macht. Der Umgebungslärm wird geblockt: Vor allem hochfrequente Geräusche wie Zischen und Fiepen werden mit Memory-Schaum-Aufsätzen durch die starke Isolation besser ausgeblendet. Bei tiefen Frequenzen (Motorbrummen) können die Aufsätze allerdings nicht mit elektronischen ANC-Systemen mithalten. Trotzdem kann man das Preis-Leistungs-Verhältnis als gut bezeichnen, denn in unseren zahlreichen Tests konnten wir nebenbei auch stets eine Klangverbesserung feststellen: Meist profitiert die Bass-Wiedergabe bei besser sitzenden In-Ears, die mit Memory-Schaum-Ausätzen genutzt werden.

Das Tragegefühl ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, nicht jeder mag das weiche und teigartige Material. Außerdem verdrecken manche Modelle recht schnell, denn ihre Oberfläche ist porös und nicht so leicht zu reinigen wie glatte Silikon-Stöpsel. Mit Memory-Schaum sind die Ohrkanäle wirklich dicht – das ist nichts für Freunde luftiger In-Ears, die wollen am liebsten ein Modell ganz ohne Aufsatz. Fazit: In-Ear-Aufsätze aus Memory-Schaum können In-Ears zu besserem Klang und vor allem besserer Isolation verhelfen, zumindest was hochfrequenten Umgebungslärm angeht.

Stefan Bubeck
Stefan Bubeck, GIGA-Experte für Consumer Electronics, insbesondere Audio.

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