IP-Adresse verbergen: Drei Wege zum versteckten Surfen

Marco Kratzenberg
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Immer wieder mal kommen wir im Internet in Situationen, in denen wir unsere IP-Adresse verbergen wollen. Das muss bei weitem keine illegalen Gründe haben. Es reicht doch schon, dass wir mit einer deutschen IP bei Youtube bestimmte Musikvideos nicht angucken dürfen!

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Du möchtest wissen, wie du deine IP ändern oder Verbindungsprobleme lösen kannst? Alle Infos in diesem Video:

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Netzwerk Tipps

Aber auch in anderen Situationen möchten wir unsere IP vielleicht verstecken. Etwa in einem Gästebuch oder Diskussionsforum, wo sie offen angezeigt werden. Es geht niemanden etwas an, welche IP ich bei einem anonymen Kommentar habe, oder? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, seine eigene IP-Adresse zu verstecken und im Netz durch eine andere zu ersetzen. Die Spannweite geht vom einfachen Anonymizer, über freie Proxies, zum Tor Netzwerk und kommerziellen VPN-Diensten. Wir sehen also, es gibt jede Menge Optionen, mit denen wir die eigene IP verschleiern können.

Zum Thema: HideMyAss Alternativen im Überblick

Mal eben schnell die IP-Adresse verbergen

Braucht man nur gelegentlich eine andere IP, dann empfehlen sich die sogenannten Anonymizer. Das sind spezielle Dienste, die uns anbieten, unsere gewünschte Seite über ihre Server umzuleiten. Sie zeigen uns die Seite in der Regel in einem Browserfenster an, das oben eingeblendete Werbung enthält und uns darunter das Ergebnis präsentiert. Für die besuchte Webseite sind wir – zumindest hinsichtlich der IP – anonym.

Eine solcher Seiten ist Hide My Ass, die neben diesen Umleitungen für Zwischendurch auch verschiedene andere Dienste anbietet, im eine IP zu verbergen. Auf der Webseite befindet sich ein einfaches Eingabeformular für Webadressen. Darunter noch die Option, verschiedene Einstellungen vorzunehmen. Also einfach die Zieladresse eingeben, auf den Button klicken und los geht’s!

Wie das Bild zeigt, hat es geklappt. Eine Testseite zur IP-Prüfung ist der Ansicht, ich würde in den Niederlanden wohnen. Und das glaubt sicher auch jede andere Webseite. Wie man im Bild allerdings auch sieht, wird nur die IP verschleiert. Betriebssystem und Browser sind weiterhin identifizierbar.

Hide My Ass bietet im Übrigen auch Plugins für Browser, die den gleichen Service bieten, aber das Ansurfen der Seite ersparen. Der Hide My Ass! Web Proxy fügt sich nahtlos in den Firefox ein. Es gibt aber auch einen Hide My Ass! Web Proxy für Chrome. Einmal installiert, findet sich oben im Browser ein kleiner Button, der die aktuelle Seite im Rahmen mit neuer IP zeigt. Praktischer ist aber die Möglichkeit, entweder eine Adresse mit den vorangestellten Buchstaben “hma” aufzurufen, oder einen Link mit der rechten Maustaste anzuklicken und dann über Hide My Ass umzuleiten. Denn sonst hat man die Seite ja bereits besucht und seine IP-Adresse dort abgelegt.

Eine weitere Möglichkeit bietet Software wie LogMeIn Hamachi. Mit diesem Programm nutzt man ebenfalls die zentrale Umleitung über einen anderen Server und kann so mit seinen Freunden virtuelle Netzwerke aufbauen, um beispielsweise gemeinsam über das Internet zu spielen.

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Winload LogMeIn Hamachi Anleitung Video

Das Praktische daran ist, dass die Software viele Einstellungsaufgaben vollautomatisch übernimmt und es uns so einfach wie möglich macht, ein eigenes VPN aufzubauen. Allerdings dient das Programm weniger dazu, die eigene IP-Adresse vor jemandem zu verbergen, als vielmehr ein kleines, privates Netzwerk zu schaffen, das von außen nicht zugänglich ist. Also eine Lösung, wenn es um privaten, geheimen Daten- und Informationsaustauisch geht.

Mit Tor die IP verschleiern und anonym surfen

Ein Vorteil der oben vorgestellten Methode ist, dass sie zwischendurch mal schnell benutzt werden kann, im gewohnten Browser funktioniert und kostenlos ist. Nachteilig und nervig daran ist allerdings die eingeblendete Werbung. Wenn man häufiger das Bedürfnis hat, anonym, sicher und “unabhörbar” zu surfen, aber dafür kein Geld investieren kann, dann wird das Tor Netzwerk interessant.

Das Tor Project ist eine internationale Gemeinschaft, die es sich auf die Fahne geschrieben hat die Anonymität im Internet zu garantieren. Erreichen will sie das mit einem weltumspannenden Netzwerk anonymer Server, die den Datenverkehr verschlüsselt vom User zur Webseite und zurück umleiten sollen. Aus dieser Beschreibung wird vermutlich auch schon die Schwachstelle der Sache klar. Denn einer ständig wechselnden Zahl der Tor-Benutzer steht eine begrenzte und nur langsam wachsende Menge an Tor-Servern zur Verfügung. Wer also von A nach B will muss ich hinten anstellen. Die große Zahl der gleichzeitigen Anfragen an diese Server verlangsamt den Datenstrom immens.

Das Tor Netzwerk wird die IP verbergen und gleichzeitig für eine nicht nachvollziehbare Umleitung meines Internetverkehrs über Server in der ganzen Welt sorgen

Doch wer mit dieser Geschwindigkeitseinbuße leben kann, der wird die Vorteile einer völlig anonymen Internetnutzung zu schätzen lernen. Dazu sind nicht mal komplizierte Aktionen oder die Neukonfiguration des PC notwendig. Es reicht, wenn man sich das Tor Browser Bundle downloaded, entpackt und startet. Dieses kostenlose Programmpaket, das auch portabel auf einem USB-Stick nutzbar ist, beinhaltet alle notwendigen Bestandteile zum anonymen Surfen. Neben allen notwendigen Programmen zur Verbindung mit dem Tor Netzwerk, ist das ein bereits fertig vorkonfigurierter Firefox Browser. Es heißt also hier nur noch “Starten und anonym surfen!”.

Dabei werden dann die Anfragen an das Tor-Netz bereits verschlüsselt und durchlaufen dann mehrere, ständig wechselnde Zwischenserver, bis sie am letzten Tor Node ankommen und an die Ziel-Webseite geleitet werden – nun allerdings natürlich unverschlüsselt. Zurück geht es dann wieder verschlüsselt. Und wer immer an einen der Server auf dem Weg herankommt, kann nicht sehen, welche Ursprungs-IP welche Seite sehen will. So kann man also auf perfekte Weise seine IP verstecken.Lest bei uns auch, wie ihr anonym SMS versenden könnt.

Kommerzielle VPN-Dienste bieten privates Internet

Keine der bis jetzt genannten Möglichkeiten, eine IP zu verbergen sowie anonym und sicher zu surfen, ist im Alltag praktikabel. Nicht umsonst werden Internetverbindungen immer schneller – die Seiten passen sich schließlich an und werden immer umfangreicher. Wenn man also Wert auf Internetanonymität legt, doch auf den bisherigen Komfort und das zügige Tempo nicht verzichten will, muss sich nach einer anderen Lösung umsehen. Der gleichzeitige Vor- und Nachteil solcher Angebote von Tor ist, dass sie kostenlos sind. Den Nutzer kostet es nichts. Also gibt's viele Nutzer. Das Projekt selbst braucht ständig Geld und ist auf Spenden angewiesen. Mit mehr Geld könnte man die Zahl der Server so aufstocken, dass man die Zahl der Nutzer adäquat bedienen könnte. Doch das ist utopisch.

Darauf setzen kommerzielle VPN-Anbieter, von denen es mittlerweile einige gibt. Die haben schon immer versprochen, Anonymität und Komfort gleichzeitig zu bieten. Da solche Dienste Geld kosten, ist die Zahl der Nutzer deutlich geringer, aber das Geld hilft dabei, den nötigen Hardwarepark zu finanzieren. Dadurch kann jeder seinen gesamten Internetverkehr absichern, ist anonym und nicht mehr abhörbar, ohne auf die Bequemlichkeit eines schnellen Zugangs verzichten zu müssen.

Doch auch hier sind die einfachsten Lösungen gefragt, die gleichzeitig nicht auf Sicherheit verzichten. VPN-Anbieter CyberGhost VPN (Sonderpreis: knapp 50 Euro für 2 Jahre!) setzt dabei auf eine eigene Windows-Software. Bei der Installation des VPN-Clients wird gleichzeitig ein virtueller Netzwerktreiber eingerichtet. Das sorgt dann für eine Verschlüsselung des Datenverkehrs, egal mit welcher Anwendung man ins Netz geht! Emailprogramm, Browser, FTP- und Chatprogramm nutzen fortan den Weg über die anonymen Server des Anbieters. Ab sofort gibt es keine Meldungen der Art “Dieses Video ist in Ihrem Land nicht zu sehen” mehr! Und das für den Preis eines großen Kaffees pro Monat...

Weitere Themen: CyberGhost VPN, Tor Project

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