Wenn jemand „Kopfhörer wie die Apple AirPods“ sucht, dann ist häufig gemeint: Ein ähnlich geformtes Modell – also ohne Stöpsel/Einsätze aus Silikon, die ein unangenehmes Gefühl im Ohr verursachen können. Diese Bauart wird auch als „Open-Fit“ oder „Classic Earbuds“ bezeichnet. GIGA-Audioexperte Stefan stellt die besten „offenen“ In-Ear-Kopfhörer vor, die locker-leicht zu tragen sind.

 

Kaufberatung

Facts 

Eines vorweg: Für die im Folgenden beschrieben Kopfhörer-Bauweisen sind zahlreiche unterschiedliche Bezeichnungen zu finden, die nicht einheitlich genutzt werden. Der Grund dafür ist, dass sich die Hersteller nicht auf eine verbindliche und offizielle Nomenklatur geeinigt haben – vielmehr ergeben sich die Bezeichnungen aus dem alltäglichen Gebrauch. Wir ziehen an der Stelle die Definition des US-Magazins Lifewire zu Rate, bei der zwischen Earphones und Earbuds unterschieden wird.

Earphones (In-Ear-Headphones) oder Earbuds: Was ist der Unterschied?

1. Earphones (mit Gummi)

Als Earphones oder schlicht „In-Ears“ werden In-Ear-Kopfhörer bezeichnet, wie sie heutzutage weit verbreitet sind: Zwei recht kompakte Gehäuse werden in den Ohrkanal gesteckt. Sie dichten mittels eines zylinderförmigen Passtücks aus Silikon oder Schaumstoff das Ohr vollständig ab – also ähnlich wie ein Pfropfen oder ein Lärmschutz-Ohrstöpsel („Oropax“). Der Vorteil dieser Bauweise ist eine hohe passive Isolation, es dringt also wenig Umgebungslärm ein. Tendenziell ist auch die Basswiedergabe druckvoller, da hier praktisch keine Schallenergie nach außen verloren geht.

Nachteile: Die starke Abschirmung von der Umgebung ist beim Einsatz im Straßenverkehr eine Gefahr. Ohrenschmalz kann unter Umständen tiefer ins Ohr geschoben werden. Zudem ist das Tragegefühl für manche Menschen unangenehm, sie empfinden Earphones als penetrant und zuweilen sogar schmerzverursachend.

2. Earbuds (ohne Gummi)

Im Gegensatz dazu sind Earbuds nicht ohrabschließend – ihnen fehlt das Passstück. Für gewöhnlich handelt es sich um Hartplastikgehäuse, die so geformt sind, dass sie in die Ohrmuschel (genauer: Gehörgangseingangstrichter, Cavum conchae) eingehängt werden können. Sie schmiegen sich von der Form her an den Ohrkanal an, aber dichten diesen nicht komplett ab – sie sind gewissermaßen „luftdurchlässig“. Das Tragegefühl ist lockerer und freier als bei Earphones, zudem bekommt man als Träger viel mehr von den Umgebungsgeräuschen mit.

Zu den Nachteilen kann ein tendenziell „dünner“ klingender Sound mit weniger Basskraft gezählt werden, was aber häufig durch eine besondere Bassbetonung wieder ausgeglichen wird. In manchen Ohren wollen Earbuds aber einfach nicht halten und fallen sehr leicht heraus – dann hilft nur eine Lösung mit Ohrhaken (siehe unten).

Bluetooth-Kopfhörer ohne Silikonaufsätze und ohne Kabel (True Wireless Earbuds)

Schauen wir uns In-Ear-Kopfhörer ohne Gummi-Aufsätze an – die Auswahl ist größer, als man zunächst annehmen mag.

Mit Noise Cancelling: Samsung Galaxy Buds Live

Samsung Galaxy Buds Live

Samsung Galaxy Buds Live

Samsung setzt auf eine besondere Form: Die Galaxy Buds Live erinnern an Bohnen. Entsprechend flach fällt das Profil nach den Einsetzen aus – da steht kaum etwas aus den Ohren ab. Insgesamt ein gelungener Ansatz, da die Galaxy Buds Live mit sattem Bass und angenehmen Höhen auch klanglich überzeugen können. Problematisch ist aber, dass nicht jeder Mensch als Nutzer in Frage kommt. Ist das Ohrläppchen zu klein oder die Ohrmuschel ungewöhnlich geformt, dann klappt es nicht mit dem perfekten Sitz. Das Noise Cancelling (ANC) kann nur die tiefsten Frequenzen zum Teil ausblenden, eine echte Lärmreduzierung wird nicht geleistet – es ist eher ein subtiler Effekt, der da wirkt. An den Gehäusen sind kleine Silikonstücke angebracht, die aber nicht in den Ohrkanal eindringen, sondern an der Ohrmuschel anliegen und für sicheren Sitz sorgen.

Mit Noise Cancelling: Huawei FreeBuds 3

Huawei FreeBuds 3

Huawei FreeBuds 3

Der chinesische Smartphone-Hersteller Huawei bietet auch Kopfhörer an. Die FreeBuds 3 orientieren sich vom Design her ganz offensichtlich an den Apple AirPods. Trotz der von Huawei als „Open Fit“ bezeichneten Bauweise ohne Gummistöpsel bietet das Modell aktives Noise Cancelling (ANC) – das allerdings nur ausgesprochen schwach wirkt. Die Akkus halten bis zu 4 Stunden durch, zusammen mit dem Zusatzakku im Transportcase kommt man auf bis zu 20 Stunden Laufzeit (vier mal unterwegs nachladen). Eine Airpods-Alternative im wahrsten Sinne des Wortes und mindestens für alle Android-Nutzer einen Blick wert. Gibt's übrigens auch in Schwarz.

Schick, schick: Urbanista Stockholm

Urbanista Stockholm True Wireless Kopfhörer

Urbanista Stockholm True Wireless Kopfhörer

Schwarz, Grün, Weiß und ein schickes Roségold: Bei der Farbauswahl beim True-Wireless-Modell Urbanista Stockholm ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Akkulaufzeit beträgt bis zu 3,5 Stunden, mit Ladebox kommt man auf bis zu 14 Stunden.

Bluetooth-Earbuds ohne Silikonaufsätze, aber mit Kabel (Nackenband)

Für Rocker: Marshall Minor 2

Marshall Minor II

Marshall Minor II

Der Marshall Minor 2 erhielt im GIGA-Test ein Wertung von 75 Prozent. Die Klangabstimmung ist bass- und höhenbetont, was zu einer packenden Wiedergabe führt – toll, wenn man gerne Rockkonzerte anhört. Aber: Je nach Beschaffenheit der Ohrmuschel kann der Kopfhörer bei manchen Trägern etwas „zwicken“.

Hauptsache günstig: JBL Tune205BT

JBL Tune205BT

JBL Tune205BT

Der JBL Tune205BT reisst kein Loch in den Geldbeutel und das ist gut so. Der In-Ear-Kopfhörer mit Nackenband bietet das Wesentliche, also eine ausreichend gute Klangqualität und eine Akkulaufzeit von immerhin 6 Stunden.

Bluetooth-Kopfhörer ohne Silikonaufsätze: Außergewöhnliche Lösungen

Mit Ohrhaken: Bang & Olufsen Earset

Bang & Olufsen Earset

Bang & Olufsen Earset

Achtung, das ist Extravaganz: Das Bang & Olufsen Earset zieht die Blicke auf sich. Das Design mit viel Metall und auffälligen Ohrhaken wirkt schon fast wie ein Kunstobjekt oder Ohrschmuck. Bis 5 Stunden Akku-Laufzeit sind drin, der Tragkomfort ist stark vom Träger und seinen Ohren abhängig.

Knochenschall: AfterShokz Trekz Air

Aftershokz TREKZ AIR Bone Conduction  Sport-Kopfhörer

Aftershokz TREKZ AIR Bone Conduction Sport-Kopfhörer

Schon mal was von Knochenleitungstransduktoren gehört? Damit überträgt der AfterShokz Trekz Air den Schall ins Gehör – über die Wangenknochen, ganz ohne den Gehörgang dabei zu „verstopfen“. So sieht das dann bei der Benutzung aus:

Ein recht ungewöhnliches Prinzip, das aber funktioniert und sogar ganz gut klingt. Vor allem Sportler sollten sich den Trekz Air mal anschauen.  Oder wie einer der Amazon-Kunden in seiner Bewertung schreibt: „Für den ambitionierten Läufer im urbanen Raum gibt es derzeit nichts Besseres.“ Eines ist sicher: Noch freier kann man bei einem Kopfhörer die Ohren wohl kaum haben.

Stefan Bubeck
Stefan Bubeck, GIGA-Experte für Consumer Electronics, insbesondere Audio.

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