Das Remake von Resident Evil 3 lässt mit einem Release im April nicht mehr allzu lange auf sich warten. Wir durften bereits in London ins Spiel reinschnuppern und uns eine blutige Nase holen. Das sind unsere Eindrücke.

 

Resident Evil 3: Remake

Facts 
Resident Evil 3: Remake

Vor 20 Jahren erschien der dritte Teil der „Resident Evil“-Saga, damals noch für die erste PlayStation. Deutlich bombastischer und actionreicher gegenüber den beiden Vorgängern gestaltete sich das Abenteuer von Jill Valentine, die schon im ersten Teil als spielbare Figur vorhanden war. Kurz vor den Geschehnissen von Resident Evil 2 setzt ihr nächster Erzählstrang an, der schon bald in Resident Evil 3 Remake in neuem Glanz erstrahlt. Werft ein blutiges Auge auf den Trailer:

Resident Evil 3 - Nemesis Trailer | PS4

Mitten in den Wirren der Zombie-Apokalypse in Raccoon City muss Jill Horden von Untoten und viele andere schreckliche Mutationen überleben, um aus der Stadt zu entkommen. Dabei rückt ihr ein ganz besonders hartnäckiger Gegner immer wieder auf die Pelle. Die Rede ist von Nemesis: ein monströser Gigant, dessen einziges Ziel es ist, alle Mitglieder von S.T.A.R.S. auszulöschen. 

Zwar ist Jill genau genommen nur noch ein Ex-Mitglied von S.T.A.R.S., jedoch scheint Nemesis das Memo nicht bekommen zu haben. Über das ganze Abenteuer hinweg entspinnt sich ein tödliches „Katz und Maus“-Spiel, das inmitten all der anderen Gefahren die Spannung aufrechterhält.

Wie viel RE2 steckt in RE3?

Die ersten Teile der Reihe sind dafür bekannt, atmosphärisch dichte Abenteuer in einer stets bedrohlichen und beklemmenden Atmosphäre zu liefern. Resident Evil 3 hebt sich davon ein klein wenig ab, indem es ein actionlastigeres Szenario propagiert, das aber noch weit entfernt vom „Hollywood-Michael-Bay“-Explosionsinferno ist, wie ihr es vielleicht aus den Teilen 5 und 6 kennt.

Stattdessen knüpft Resident Evil 3 Remake an den Stil und die Inszenierung seines direkten Vorgängers an, ohne dabei seine eigene Identität aus den Augen zu verlieren. Das heißt, rein technisch gibt es kaum Unterschiede zu Resident Evil 2 Remake (mit ein paar kleinen Patzern, die bis zum Release hoffentlich noch ausgebügelt werden). Euch erwartet ein moderat detaillierter Schauplatz mit einer durchgehend hohen Framerate, die auch das aufwändige Beleuchtungs- und Partikelmodell nicht in die Knie zwingt.

Publisher Capcom hat mit RE2 Remake selbst die Messlatte schon sehr hoch angelegt. Aus der kurzen Anspiel-Session lässt sich erstmal ableiten, dass dieser Standard mindestens erreicht wurde. Die mittlerweile gut etablierte RE-Engine beweist, dass sie auch in einem etwas aufwändigerem Spielgeschehen die richtige Basis darstellt. Schneller bedeutet in diesem Fall: Mehr Laufarbeit, mehr Ausweichen.

So spielt sich das Resident Evil 3 Remake

Letzteres ist tatsächlich von großer Bedeutung, denn vor allem in Konfrontationen mit Nemesis (aber auch bei der Begegnung mit Standard-Zombies ratsam) werdet ihr nicht umhin kommen, per Knopfdruck ein Ausweichmanöver einzuleiten. Aber seid gewarnt: Das erfordert ein hohes Maß an Präzision und wird für so manchen einiges an Übung erfordern.

Der Hauptteil der Spielmechanik unterscheidet sich kaum von den klassischen „Resident Evil“-Teilen. Nicht umsonst ist die Reihe der Begründer des Sub-Genres „Survival Horror“. Das bedeutet, dass ihr stets mit knappen Ressourcen hantieren müsst. Heilmittel und Munition wollen erstmal gefunden und im Anschluss sparsam eingesetzt werden. An Speicherpunkten findet ihr Lagerkisten, in denen ihr überschüssige Items ablegen und aus jeder anderen Kiste im Spiel wieder mitnehmen dürft.

Ein Tipp: Nutzt dieses Feature ausgiebig! Denn nichts ist schlimmer, als in einem engen Korridor zu stehen, vor euch gurgeln Zombies, hinter euch stapft Nemesis heran und an der Decke hängt weiß Gott was für eine Abscheulichkeit, nur um das vernichtende „Klick“ einer Waffe ohne Munition hören zu müssen. Diese logistischen Engpässe sind ein wichtiger Teil der Atmosphäre in Resident Evil 3 und sorgen dafür, dass ihr es nicht wie einen herkömmlichen Shooter spielt.

Nach und nach erweitert ihr eure Auswahl an Waffen, könnt glücklicherweise auch Platzerweiterungen für euer Inventar finden, nutzt ein simplifiziertes Crafting-System und sucht nach Objekten, die euch ein Weiterkommen im Spiel ermöglichen.

Viele dieser Objekte erhaltet ihr erst, nachdem ihr zumeist simple Rätsel geknackt habt. Oft handelt es sich dabei um Aufgaben nach dem Schema: „Finde X Objekte und setze sie an Tür Y ein.“ Nichts weltbewegendes, aber eine legitime Motivation dafür, hinter jeder Tür nachzusehen, ganz egal, welche Schrecken dort auf euch warten könnten.

Bei all dem Gerede über schnelleren Spielablauf, Ausweichmanöver und dergleichen stellt sich natürlich die Frage, ob und wie viel der typischen RE-Essenz noch im Remake von Teil 3 vorhanden ist. Die Antwort nach dem momentanen Stand der Dinge lautet: Genauso viel wie im Original. Und das ist – wie eingangs erwähnt – ein etwas anderes Gesamterlebnis, als noch in den ersten beiden Teilen. Jedoch kann ein endgültiges Urteil erst gefällt werden, wenn das fertige Spiel vorliegt. Denn für uns war nach einem großen Bosskampf erstmal Schluss mit der Anspiel-Session des Singleplayer-Modus.

Resistance: Die Multiplayer-Draufgabe

Es ist so: Nach einem zusätzlichen Multiplayer-Modus hat kaum jemand gefragt, es wird ihn aber trotzdem geben. Ist das was Schlechtes? Nein, mitnichten. Der auf den Namen „Resistance“ getaufte Modus ist – wie es scheint – vom Hauptspiel komplett losgelöst und stellt eine optionale Alternative dar. Auch wenn ein wenig der Verdacht besteht, dass er als Verkaufsplattform für Mikrotransaktionen dienen könnte. Es sei jedoch betont: Das ist eine reine Vermutung! Capcom hat dies weder angedeutet noch bestätigt.

Resistance präsentiert sich als asymmetrischer Multiplayer. Ein Spieler übernimmt die Rolle eines Mastermind, vier weitere Spieler sind seiner Gnade ausgeliefert. Ziel der Gruppe ist es, aus einer komplexen Anordnung von diversen Räumlichkeiten zu entkommen. Das Mastermind versucht, genau dies zu verhindern, indem es Fallen platziert, Gegner ins Gefecht schmeißt und die Umgebung manipuliert. Wer diese Mechaniken verinnerlicht, kann fiese Psycho-Spielchen inszenieren.

Es gibt mehr als ein Mastermind zur Auswahl. Die Unterschiede rekrutieren sich dabei vordergründig an der Auswahl an Gegnern und Fallen, auf die zurückgegriffen werden kann. Hinzu kommt die Manipulation von Türen, Lichtschaltern und die ständige Beobachtung über Kameras, die auch mal zu Schusswaffen umfunktioniert werden können.

Die Resistance-Gruppe ist aber auch nicht wehrlos. Jede Figur (es gibt auch hier eine Auswahl aus verschiedenen Charakteren) hat ganz spezielle Stärken, die für die Gruppe sinnvoll eingesetzt werden können. Sei es Körperkraft, Umgang mit Schuss- oder Hiebwaffen oder Hacker-Fähigkeiten, mit denen Kameras und ferngesteuerte Waffen außer Gefecht gesetzt werden können – eine Gruppe, die gut kommuniziert und ihre individuellen Stärke kombiniert, ist ein formidabler Gegner.

Beim Anspielen wollte nicht so recht Stimmung aufkommen, obwohl der Modus gut durchdacht ist. Aber mit dem Namen Resident Evil verbindet der geneigte Spieler nun mal eher einen Überlebenskampf, in dem er hauptsächlich auf sich allein gestellt ist sowie Hinweise und Informationen findet, die eine schlüssige Geschichte erzählen. Weniger gefragt ist da wohl eine Jagd nach immer wieder gleichen Puzzlestücken in einem recht hektischen Szenario. Trotzdem: Resident Evil Resistance kommt immerhin „kostenlos“ – heißt: ob ihr wollt oder nicht – zu Resident Evil 3 Remake auf den Markt gekrabbelt. Vorbestellen könnt ihr beides über Amazon.

Schaut mal her, werte Horror-Freunde:

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So unterhaltsam der Multiplayer für viele sein mag, so aufgesetzt wirkt er dennoch. Solange er jedoch nicht gespielt werden MUSS, ist er nicht abzulehnen. Denn nicht jeder wird sich dafür begeistern können. Resident Evil 3 Remake erscheint voraussichtlich am 3. April 2020 für PC, PS4 und Xbox One.