Vom fetten Gamer-Schwein zum Box-Sportler mit Fitness Boxing auf der Switch

Daniel Kirschey

Ich bin fett dick. Nennen wir es dick. Nicht überall – nur in der Mitte. Stell dir einfach eine Bier-Tulpe vor: Unten der dünne Stil, in der Mitte bauchig und nach oben hin wird’s schmaler. So ähnlich ist das bei mir. Das soll sich jetzt ändern: nämlich mit Fitness Boxing für Nintendo Switch.

Meine Wölbung bezieht sich also ebenfalls auf meine Mitte – also meinen Bauch. In Ordnung, wenn ich ehrlich bin, habe ich auch einen richtigen Booty. Das geht aber niemanden etwas an – außer meinen spieletipps-Kollege Micky. Da sitze ich nun in der Redaktion und um mich herum versammeln sich athletische Menschen, die Tanzen, ins Fitness-Studio gehen, exzessiv Theater spielen, Yoga machen und Fahrradfahren. Als Mitglied dieser Gesellschaft aus Selbstoptimierern, die immer noch irgendwas finden, das man an sich selbst verbessern kann, bin ich natürlich voll dabei, geht es um Kalorien-Überwachungs-Apps, Schrittzähler, Achtsamkeitserinnerer und Wasserzu- und abfuhr-Berechnungen. Mit sich selbst ist man doch schließlich nie am Ende der Optimierungskette angelangt. Bislang bekomme ich beispielsweise nur acht Frankfurter Würstchen gleichzeitig in den Mund, irgendwann will ich aber die zehn knacken.

Boxen mit der Nintendo Switch.

Fitness Boxing – Veröffentlichungstrailer.

Da liegt dann plötzlich Fitness Boxing von Nintendo auf meinem Platz, wie der Zaunpfahl der mir saftig ins Gesichtsfleisch klatscht. Gut, denke ich mir, das kann ich mir ruhig mal anschauen. Etwas für meinen Körper tun, das ist doch bestimmt das Richtige. Etwas, was ich machen sollte, das mir gut tun würde, das mir hilft, mich besser zu fühlen, meine Bikini-Figur zu shapen, mich selbstbewusst und sexy zu fühlen. Ab auf’s Playgirl-Cover! Laufsteg, Modelkarriere, Germanys Next Topmodel – ich bin dabei, die Switch im Handgepäck. Wenn es sich dann auch noch um eine Sportart handelt, die ich in der einen oder anderen Situation gewinnbringend in den Alltag einbinden kann, bin ich schnell überredet. Nach dieser Logik habe ich mit 16 auch Speerwerfen trainiert – in mir hatte sich der kleine, aber obsessive Gedanke in den Kopf gepflanzt, dass ich irgendwann einschlafe und jäh im Peleponnesischen Krieg aufwache; schließlich hätte es ja jederzeit passieren können. Oder nicht?

Hinweis: Der folgende Artikel gehört zur GIGA-Fitness Woche, die in Kooperation mit GIGA GAMES und GIGA TECH entstanden ist. Eine Woche lang beschäftigen wir uns mit dem Thema Fitness in Bezug auf Technik und Videospiele. Weitere Artikel zur Themenwoche findest du in unserer Übersicht.

Boxen kann ich ganz gut im Alltag gebrauchen – hauptsächlich in den Berliner Öffentlichen Verkehrsmitteln. Nein, ich habe kein Aggressionsproblem, viel eher ein „9 Uhr morgens“-Menschenproblem. Ich brauche in der Bahn halt mehr Platz als andere. Lin, meine persönliche Trainerin in Fitness Boxing, wächst mir jedoch langsam aber sicher ans Herz. Egal wie scheiße ich bin, sie sagt mir immer, dass ich die Trainingseinheiten super absolviert habe. Sogar dann, wenn ich faul auf der Couch liege und die altbewährte „Aus dem Handgelenk schütteln“-Methode verwende, die schon bei der Wii funktioniert hat. Dich wundert’s, dass ich faul auf der Couch liege? Irgendwoher muss der Bauch ja hergekommen sein. Da muss man sich als fette Sau schon selbst an die Nase fassen, vor der eigenen Tür kehren und die eigenen Leichen im Keller ausbuddeln.

Für den gelegentlichen Heißhunger.

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Bevor es jedoch richtig mit der Selbstoptimierung losgeht, muss ich erst meine Körpergröße und-gewicht preisgeben. Der Body-Mass-Index wird berechnet, das ist dann mein eigener persönlicher negativer Highscore … also eher Lowscore. Denn natürlich muss der „Key Perfomance Indicator“ diesmal niedrig sein und nicht durch die Decke schießen. Wie es zum Training dazugehört, muss ich das täglich machen. Kontinuierlich statt in jähen Anfällen. Ob ich das durchhalten werde? Wie in einem Rhythmus-Spiel erscheinen am unteren Bildschirm Symbole, die eine Bewegung, einen Boxhieb auf rechter oder linker Seite anzeigen. Sobald sie in den eingeblendeten Kasten ankommen, muss ich zuhauen. Lange halte ich nicht durch. Ich bin viel zu kurzatmig.

Ich bin leider oft so willensschwach. Die Couch ist einfach zu verführerisch, wie auch Essen und Süßigkeiten und Energy Drinks. Mir fällt es da einfach schwer, „Nein“ zu sagen. Die Gamification kann mir da schon helfen. Zocken, das ist etwas, was ich kann. Wenn es mir dabei hilft, beim Bücken zum Schuhe zubinden, noch atmen zu können … Ja, ich träume von einem Körper, der zur Bahn rennen kann, ohne diese gleich mit seinem Schweiß unter Wasser zu setzen, von einem Körper, dessen Brüste nur dann wackeln, wenn sie zum Takt der Techno-Musik in einem Fitness-Studio an- und entspannt werden, von einem Körper, zwischen dessen Fettfalten ich nur ein und nicht gleich zwei Snickers verstecken kann. Die Gesellschaft würde mich dann auch unbedingt mehr wertschätzen.

Bester Controller fürs gleichzeitige Zocken und Pizza essen.

Fettabweisender Controller für die Xbox One.

Als fetter Mensch brauch ich trotz allem einen Antrieb. Von allein kommt ja nichts. Deshalb belohne ich mich für jede Trainingseinheit mit einem Duplo. Seitdem mache ich täglich mehrere Einheiten.Ich habe meinen Weg gefunden – Diät funktioniert ja auch nur, wenn man sich nicht alles verbietet. So halte ich zumindest länger durch. Ein Dicker, der keine Diät macht? Das kommt bei den Dünnen einfach nicht gut an. Inzwischen fühle ich mich wie ein echter Box-Sportler. Abgenommen habe ich mit Fitness Boxing zwar noch nicht, Spaß macht es trotzdem.

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