Dunning-Kruger-Effekt: Was ist das? Leicht erklärt

Selim Baykara

Der Dunning-Kruger-Effekt ist ein begriff, der im Internet und der Netzkultur relativ häufig auftaucht – meist wird allerdings stillschweigend vorausgesetzt, dass man weiß, was das eigentlich bedeutet. Falls ihr nicht zu den Eingeweihten zählt, erklären wir euch an dieser Stelle, was der Dunning-Kruger-Effekt genau besagt.

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Die meisten von uns haben eine ungefähre Vorstellung über das eigene Wissen und die persönlichen Fähigkeiten und Qualifikationen. Daneben gibt es aber auch immer wieder Zeitgenossen mit einem extrem ausgeprägten Selbstbewusstsein, obwohl das gar nicht gerechtfertigt ist. Diese Menschen neigen dazu, andere Personen systematisch zu unterschätzen und die eigenen Fähigkeiten zu überhöhen. Genau das bezeichnet man mit dem sogenannten Dunning-Kruger-Effekt.

Dunning Kruger Effekt

Dunning-Kruger-Effekt: Was ist das genau? Leicht erklärt

Der Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet eine sogenannte kognitive Verzerrung: Personen, die eigentlich inkompetent bzw. objektiv schlechter für eine bestimmte Aufgabe qualifiziert sind, neigen dazu, die eigenen Fähigkeiten systematisch zu überschätzen. Etwas vereinfacht gesagt: Je dümmer jemand ist, desto selbstbewusster tritt er auf. Eigentlich ein Paradox,  das man aber immer wieder im Alltag und im Berufsleben beobachten kann: Obwohl der Kollege eigentlich in keiner Weise für die Aufgabe geeignet ist, hält er sich für die fähigste Person im Raum und gibt das auch seinen Mitmenschen zu verstehen.

Dunning-Kruger-Effekt: Die wichtigsten Facts im Überblick

  • Der Dunning Kruger Effekt bezeichnet die Tendenz von weniger kompetenten Personen, sich selbst als tendenziell qualifizierter einzuschätzen.
  • Benannt sind diese Syndrome nach den beiden Psychologen David Dunning und Justin Kruger.
  • Die Forscher publizierten ihre Befunde in der Studie Unskilled and unaware of it. How difficulties in recognizing one’s own incompetence lead to inflated self-assessments.
  • In der psychologischen Fachliteratur wird der Begriff bislang eher nicht verwendet – hauptsächlich findet man die Bezeichnung in populärwissenschaftlichen Publikationen, sowie auf Webseiten, Blogs und Internet-Foren.
  • Im Jahr 2000 erhielten Dunning und Kruger für die Studie den satirischen Ig-Nobelpreis im Bereich Psychologie.

Das sind die Syndrome des Dunning-Kruger-Effekts

Dass es dieses Verhalten gibt, ist natürlich schon lange bekannt – breitere Aufmerksamkeit bekam das Konzept durch die beiden Verhaltensforscher David Dunning und Justin Kruger. Die Amerikaner untersuchten Problemlösungsstrategien von verschiedenen Testpersonen, z.B. beim Verabeiten von Texten, beim Schachspiel oder beim Autofahrer. Dabei kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass imkompetente bzw. weniger kompetente Personen zu folgenden Verhaltensmustern neigen:

  • Überschätzung der eigenen Fähigkeiten
  • Unvermögen überlegene Fähigkeiten bei anderen zu erkennen
  • Unvermögen, das Ausmaß der eigenen Inkompetenz zu erkennen

Letztlich besagt der Dunning-Kruger-Effekt also, dass schwache Leistungen tendenziell mit einer stärkeren Selbsteinschätzung einhergehen als starke Leistungen. Das deckt sich mit der altbekannten Volksweisheit, dass Blöde weit öfter den Mund aufmachen, während Intelligente Leute sich in vielen Fällen zurückhalten. In ihrer Untersuchung betonen Dunning und Kruger aber, dass es keine negative Korrelation zwischen tatsächlicher Leistung und der Selbsteinschätzung gibt. Will heißen: Nur weil jemand schlauer ist, heißt das nicht, dass er sich automatisch schlechter einschätzt.

Video: Dumm ohne es zu merken – Der Dumming-Kruger-Effekt

Beispiele für den Dunning-Kruger-Effekt

Hier einige Beispiele für den Dunning-Kruger-Effekt im Alltag:

  • 90 Prozent aller Autofahrer halten sich selbst für überdurchschnittlich gut.
  • Menderes Bağcı – der Unterhaltungskünstler nahm wiederholt an der Casting-Show Deutschland sucht den Superstar teil, obwohl ihm die Jury jedesmal erneut beschied, dass er nicht zum professionellen Sänger tauge.
  • Leute, die ein neues Hobby entdecken (z.B. ein Instrument lernen) halten sich nach den ersten Erfolgen oft für extrem talentiert. Erst mit steigender Erfahrung wächst das Wissen um die eigenen Grenzen.
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Etwas Gutes hat die Entdeckung des Dunning-Kruger-Effekts aber doch gehabt: Sie zeigte nämlich auch, dass die typischen Syndrome der Selbstüberschätzung nicht naturgegeben sind, sondern sich durchaus „abtrainieren“ lassen können. Sprich: Auch wer zunächst weniger kompetent ist, kann seine Fähigkeuten durch Bildung oder Übung steigern. Damit lernt man dann auch automatisch, sich selbst und andere besser einzuschätzen. Schon Sokrates mit seinem berühmten Spruch „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ hatte schließlich schon erkannt, dass Selbsterkenntnis der erste Weg zur Besserung ist.

Bildquellen: maradon 333 , PathDoc

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