No Homo, Yes Homo? Bedeutung des Internetslangbegriffs

Thomas Kolkmann

Die englische Phrase „no homo“ gehört mittlerweile zum gängigen Internetslang und teilweise auch zur gesprochenen Jugendsprache. Was die Formlierung genau bedeutet, woher sie stammt und warum einige ihr kritisch gegenüberstehen, klären wir im Folgenden.

No Homo: Bedeutung und Herkunft

Die Phrase stammt ursprünglich aus der US-Hip-Hop-Szene und entstand bereits in den 90er Jahren. Zur gleichen Zeit gewann auch der Slangbegriff „Down-low“ an Bekanntheit. Dieser beschreibt einen Mann, der ein heterosexuelles Leben führt, häufig verheiratet ist und Kinder hat, aber heimlich seine Homosexualität auslebt. Die Aussage „no homo“ in Lyrics zu verwenden, war also auch eine klare Distanzierung zu dem Phänomen der versteckten Homosexualität. (Quelle: Slate)

Heutzutage wird die Phrase dazu genutzt, um klarzustellen, dass hinter einem vermeintlich als „schwule Aussage“ missverstandenen Satz, keine homosexuellen Absichten stecken. Man sagt also versehentlich (oder absichtlich) etwas, was sexuell wirkt, meint es aber nicht so.

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Kritischer Blickwinkel zu „no homo“

Da Homosexualität in der Hip-Hop-Szene lange Zeit ein Tabuthema war und teilweise heute noch ist, stehen viele dem Ausdruck „no homo“ kritisch gegenüber. In der Jugendsprache, beispielsweise bei Teenagern, deren sexuelle Orientierung noch nicht gefestigt ist oder eben einigen Musik- und religiösen Szenen wird die Phrase auch ganz klar als Distanzierung zu Homosexualität genutzt. Häufig, weil Homosexuelle als „unmännlich“ oder schlichtweg „falsch-gepolt“ angesehen werden.

Aber wie schon der Rapper Jadakiss in einem Freestyle von 2008 sagt: „A real man shouldn’t have to say No Homo“. Auf Deutsch: „Ein echter Kerl sollte no homo gar nicht sagen müssen.“

Was viele Kritiker jedoch bei der heutigen Verwendung der Phrase im Internet nicht beachten, ist die offensichtlich satirische Nutzung des Begriffs. So wird die Formulierung zum Beispiel ebenfalls genutzt, um überhaupt erst auf die Doppeldeutigkeit der vorher getroffenen Aussage aufmerksam zu machen. So parodiert die US-amerikanische Comedy-Gruppe „The Lonely Island“ im Song „No Homo“ die Phrase, indem sie sich von der gewöhnlichen Verwendung zu immer klareren Andeutungen steigern.

Yes Homo: Gegenbewegung in Meme-Form

Mit der Phrase „yes homo“ hat sich in der Netzkultur auch bereits eine Gegenbewegung mit Memes und als Hashtag gebildet. Im Gegensatz zu „no homo“ kann man somit mit „yes homo“ ganz klar definieren, dass der vorher gesagte Satz durchaus eine homosexuelle Absicht hatte. Natürlich wird „yes homo“ genauso wie „no homo“ häufig satirisch genutzt.

(Maybe Homo)

Typische Anwendungsbeispiele für „no homo“

Typ A: „Christian hat die ganze Nacht die WG sauber gemacht. Echter Mois!“
Typ B: „Der Typ ist mein bae, no homo!“

Typ A: „Ich komm gleich und bringe dope Nüsse mit! No homo.“
Typ B: „Bruh, wenn du nicht ‚no homo‘ schreiben würdest, hätte keiner die Doppeldeutigkeit angemerkt.“
Typ A: „Ich weiß… ich hätte auch noch ’ne große Bockwurst, die wir uns heißmachen könnten. No homo.“
Typ B: „Yes Homo! Und dazu cringe pur, Junge! Hör jetzt auf, und komm einfach vorbei.“

Typ A: „Kann es sein, das der Typ dir jetzt auch noch zu viel abgeknüpft hat?“
Typ B: „Der Arsch gehört mir! … äh … no homo“

Zweitsprache Netzjargon: Was bedeuten diese Chat-Abkürzungen?

Foren, soziale Netzwerke und selbst die privaten Chats im Messenger sind gefüllt mit Abkürzungen und Akronymen. Die Hashtag-Kultur von heute trägt ebenfalls dazu bei, dass bei der Verständigung im Internet weiterhin gerne eine Abkürzung genommen wird. In diesem Quiz stellen wir euch auf die Probe: Seid ihr fit für Forenbeiträge, Bildbeschreibungen und Memes, die nur so vor OMGWTFBBQ strotzen?

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