Dating-Portale gibt es wie Sand am Meer. Wer sich auf einer der Seiten anmeldet, hofft vielleicht nicht immer darauf, direkt einen Partner fürs Leben zu finden – dass man in manchen Fällen aber nicht mal mit einer richtigen Personen schreibt, damit rechnen wahrscheinlich nur die wenigsten. Eine neue YouTube-Reportage deckt die fiese Masche der Anbieter auf, mit der sie ihren Kunden massig Geld aus der Tasche ziehen. 

 

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Undercover als Chatschreiber: YouTube-Kanal deckt Abzocke hinter Dating-Plattformen auf

Dating-Webseiten locken damit, dass ihre Nutzer binnen kürzester Zeit die Liebe ihre Lebens finden oder sich zumindest an heißen Flirts mit anderen Nutzern erfreuen können. Doch wer anderen Personen schreiben will, muss dafür in regelmäßigen Abständen Geld bezahlen. Auf diese Weise verdienen sich die Seiten ihr goldenes Näschen.

Um den Profit zu maximieren, setzen einige Anbieter Fake-Profile ein. Diese schreiben die zahlenden Nutzer an und versuchen, sie möglichst lang in ein Gespräch zu verwickeln. Hinter den Fake-Profilen steckt ein echtes Geschäft. Unzählige Chatschreiber verdienen sich ihr Geld damit, den Nutzern der Dating-Portale falsche Hoffnungen zu machen und sie zum Schreiben zu animieren. Im Auftrag des YouTube-Kanals STRG_F hat die Reporterin Nadia Kailouli als IKM-Schreiberin (Internet-Kontaktmarkt) undercover gearbeitet, um einen Blick hinter die Kulissen der Branche zu werfen:

Immer bei der Stange halten: So arbeiten die Fake-Chatter

Möglichst viele offene Fragen stellen, heiße Flirts faken, mit Kosenamen um sich werfen – vor dem Einstieg in die IKM-Branche bekommen die Arbeiter eine Anleitung, die ihnen beibringt, wie sie ihre Opfer möglichst lange bei der Stange halten. Zudem wird über jeden Gesprächspartner ein detailliertes Profil angelegt. So können die Fake-Chatter auf einen Blick erkennen, wer ihnen gerade digital gegenübersitzt, welche Rolle sie einnehmen und haben Zugriff auf den kompletten vergangenen Gesprächsverlauf. Denn ein Fake-Profil wird von vielen unterschiedlichen Chattern betreut. Nur so kann gewährleistet werden, dass die richtigen Nutzer binnen kürzester Zeit eine Antwort auf ihre Nachricht erhalten und somit wieder zum Schreiben animiert werden.

Die meisten Nutzer denken, dass sie mit einem echten Menschen schreiben, der ebenfalls auf der Suche nach Liebe ist und gewähren des Fake-Chattern deswegen einen tiefen Einblick in ihr Privatleben und ihre Gefühlswelt. Ständig versuchen sie, die Beziehung weiter zu vertiefen oder fragen die Fake-Chatter, ob man nicht auf eine andere kostenlose Variante umsteigen könne – schließlich kostet das Versenden einer einzigen Nachricht je nach Portal gerne mal bis zu einem Euro.

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Diese Praxis erwähnen viele Dating-Portale sogar in ihren AGBs und gehen somit davon aus, dass sie rechtlich abgesichert sind. Da es sich bei den Einträgen aber unter Umständen um „überraschende Klauseln“ handelt, ist diese Art von Geschäften mitunter nicht nur moralisch verwerflich, sondern zudem auch schlichtweg rechtswidrig und somit nicht Vertragsbestandteil. Die Verbraucherzentrale Bayern hat mehr als 187 Dating-Portale ausfindig machen können, in denen Fake-Profile zum Einsatz kommen.

Im Selbsttest als normaler Nutzer zeigt die Reportage auf, dass anscheinend hinter vielen Nutzerprofilen auf Dating-Plattformen in Wahrheit professionelle Chatschreiber stehen. Alle Dating-Plattformen sollte man deswegen zwar nicht verteufeln, man darf seinem digitalen Gegenüber aber durchaus mit einiger Skepsis gegenübertreten, wenn man weiß, dass es im Hintergrund oftmals nicht bloß um die große Liebe, sondern vor allem um das große Geld geht.