Alle hassen Call of Duty, trotzdem ist es ein Topseller – aber warum?

Johannes Repp 1

Kontrovers und dennoch auf dem Weg zum erfolgreichsten Spiel des Jahres 2019. Was ist das Geheimnis von Call of Duty?

Alle hassen Call of Duty, trotzdem ist es ein Topseller – aber warum?
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Meinungsartikel, der den Standpunkt unseres Redakteurs widerspiegelt und nicht zwingend der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen muss. Er erhebt keinen Anspruch auf eine universell gültige Wahrheit und deckt sich vielleicht nicht mit Deinen eigenen Vorstellungen.

Zugegebenermaßen ist die Überschrift vielleicht ein wenig überspitzt, aber – wir ich finde – trotzdem gerechtfertigt. Wenige Spielreihen standen über die Jahre so oft in der Kritik wie Call of Duty. Gerade mit dem neuesten Titel Call of Duty: Modern Warfare flammten viele Debatten wieder auf. Übergangene Fan-Wünsche, das Vorbestell-System, Pay-To-Win. Das Studio Activision musste sich einiges gefallen lassen. Trotzdem ist Call of Duty: Modern Warfare laut einer Prognose auf dem besten Weg zum Titel „erfolgreichstes Spiel 2019“. Aber warum?

Der gemeine CoD-Spieler

Ja, schon wieder eine provokante Überschrift. Was wie eine gemeinhin verschriene Karikatur des fetten, ungewaschenen Cholerikers und Muttersöhnchens klingt, möchte ich anders aufziehen. Ich will mich nicht in feinster Boulevard-Presse-Manier mit diesem Thema auseinandersetzen, sondern mit Statistiken. Wer spielt Call of Duty?

„Hier, ich!“, wird sich der ein oder andere denken. Aber welcher Personengruppe gehörst du an? Das meine ich ganz unabhängig von Alter, Ethnie oder Kulturkreis. Sondern so:

Welcher Spieler-Typ bist du?

Im Rahmen einer Studie fand die Analysten-Gruppe „Newzoo“ heraus, welche Spieler-Typen es gibt und welche davon am ehesten Call of Duty spielen. Dabei fanden sie heraus: Die größte Käufergruppe sind die sogenannten „Ultimate Gamers“ mit 33 Prozent Anteil.

Was zeichnet diese Gruppe aus? „Ultimate Gamers“ sind Fans, die sich für jedes kleine Detail eines Spieletitels interessieren. Sie investieren gerne viel Zeit und Aufwand in ihr liebstes Spiel und decken sich am liebsten mit der neusten Hardware ein. Kurz gesagt: Ihre Fan-Liebe für einen bestimmten Titel ist sehr groß.

Macht das den Hass nachvollziehbar?

Wer jahrelang für die Call-of-Duty-Serie brennt, hat auch bestimmte Vorstellungen, wie ein weiterer Serienteil aussehen soll. Erwartungen reichen von einer bombastischen Handlung mit vielen „Call-of-Duty-Momenten“ über ein frisches Setting für jeden neuen Teil bis hin zu einer einzigen, fortlaufenden Geschichte. Wie ihr seht, die Hoffnungen und Wünsche sind teilweise sehr widersprüchlich. Allerdings akzeptiert eine alteingesessene Fan-Gemeinde nur einen bestimmten Grad an Kompromissen. Schließlich sind weit nicht alle Forderungen abwegig oder zueinander konträr. Dazu später mehr.

Allerdings verzettelt sich Call of Duty: Modern Warfare gerade damit, es allen recht machen zu wollen. Kündigte einer der ersten Trailer noch eine viel ernstere Handlung mit vielen kontroversen Momenten wie No Russian an, zeigt der neue Trailer nur plumpe Baller-Action zu den Klängen von Metallica:

Beide Trailer haben ihre Befürworter

Die beiden Trailer haben jeder für sich ihre Anhänger gefunden. Einige von diesen Befürwortern waren allerdings wieder enttäuscht, sobald das neue Call of Duty anscheinend doch einen anderen Kurs einschlug. Und weil CoD eine solche Hardcore-Fan-Gemeinde hat, fielen die daraus resultierenden Diskussionen recht hitzig aus. Das erweckt durchaus den Anschein, dass das neue Call of Duty eigentlich keiner haben will.

Pay-To-Win-Mechaniken wie die käuflichen Voratslieferungen waren dann nur noch Öl im Feuer einer bereits hitzigen Debatte. Kein cleveres Marketing, Activision!

Hört Activision auf seine Fans?

Wird den Forderungen jetzt Gehör geschenkt? Es gibt Mikrotransaktionen, beliebte Operationen fallen weg, Captain Price sieht auf einmal aus wie ein kuscheliger Teddy, der keinem ein Haar krümmen möchte …

Call of Duty: Modern Warfare hat so viele Kritikpunkte, die durchaus valide sind. Viele Shitstorms hätten sich die Entwickler sparen können, indem sie den Vorstellungen der Fans mehr Beachtung geschenken hätten. Denn Mikrotransaktionen in einem Vollpreisspiel mag eigentlich keiner. Bei Missionsdesign, Handlungsort oder Waffenauswahl ist das etwas anderes. Hier gibt es so viele verschiedene Wünsche, dass es schwer ist, das Richtige zu tun. Irgendjemand ist immer enttäuscht.

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Die coolsten Fakten und Geheimnisse aus Call of Duty.

Das erfolgreichste Spiel 2019 (?)

Viel Wirbel, viel Aufregung und einige gecancelte Vorbestellungen – Call of Duty: Modern Warfare hat es wirklich nicht leicht. Aber trotz der vielen Debatten scheint vielen Fans das Gesamtpaket weiterhin zu gefallen. Die Beta des Spiels kam bei vielen sehr gut an, hier und da hören wir immer wieder: „Endlich wieder ein gutes Call of Duty!“. Auch wenn Activision nicht alle Fan-Wünsche erfüllt hat, einige wurden doch umgesetzt. Weg mit dem Zukunfts-Setting. Captain Price ist wieder da. Kein (?) Battle-Royale-Modus. Die Absatzzahlen sehen selbst vor dem Release am 25. Oktober schon recht ordentlich aus.

Das Marktforschungsinstitut NPD (nicht verwechseln mit der Partei!) sagte in einer Prognose voraus, dass sich das neue Call of Duty bis zum Ende des Jahres 2019 auf Platz 1 der Spiele-Charts (gemessen an den Absatzzahlen) in den Vereinigten Staaten vorarbeiten wird. Das ist nicht zuletzt auf die vielen Vorbestellungen zurückzuführen.

Was haltet ihr von Vorbestellungen – Top oder Flop? Stimmt hier mit ab!

Für Deutschland gibt es zwar keine Prognose für den Absatz des neuen Call of Dutys, aber die vorherigen Verkaufszahlen zeigen es eindeutig: Call of Duty ist nach wie vor ein Kassenschlager. Der umstrittene 4. Teil der Black-Ops-Reihe wurde laut einer Erhebung der Games Wirtschaft über 500.000 mal verkauft. Somit etabliert sich Call of Duty: Black Ops 4 auf Platz drei der deutschen Verkaufscharts 2018. Dabei kam es erst im Oktober dieses Jahres auf den Markt.

Auf, zu neuen Zielgruppen!

Erinnert ihr euch noch an die Studie mit den „Ultimate Gamern“? Diese teilen sich das CoD-Podium mit den „Popcorn Gamern“, welche zehn Prozent der Spielerschaft ausmachen und den „Zeitfüllern“, welche sich mit drei Prozent einbringen.

„Popcorn Gamer“ spielen vorrangig allein. Für sie ist der Story-Modus ein schöner Zeitvertreib. Auch sehen sie anderen gerne beim Spielen zu. Hierfür bietet Call of Duty die vielen Multiplayer-Modi, welche Streaming-Potential bieten und den „Ultimate Gamern“ trotzdem Spaß am Wettkampf bieten.

Die „Zeitfüller“ sind lieber am Handy unterwegs, weshalb der Vorstoß ins Mobile-Segment des Spielemarktes ein cleverer Schachzug gewesen sein sollte.

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E3 2018: In diesen 10 Shootern kannst du dich richtig austoben.

Ob das dem neuen Call of Duty zu einem bisher nie gekannten Verkaufsrekord verhelfen kann? Wird die Neuorientierung auch die alteingesessenen Fans halten können? Die Verkaufszahlen sprechen die eine, das Internet eine andere Sprache. Fakt ist aber wohl, dass ein Spiel gleichzeitig berüchtigt und von einigen gehasst werden kann, ohne auf den Erfolg verzichten zu müssen.

Videospiele vorbestellen: Eure Meinung ist gefragt

Oftmals fühlt sich die Zeit von der ersten Ankündigung bis zur finalen Veröffentlichung eines Spiels wie eine Ewigkeit an. Das machen sich die Publisher natürlich längst zunutze und locken mit attraktiven Vorbestellungen. Daher fragen wir euch: Wie steht ihr zu dem Thema?

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