Seit Ende 2020 müssen Entwickler in Apples App Store Auskunft über den Datenschutz geben und dabei angeben, welche Datentypen ihre Software erfasst. Was Nutzerinnen und Nutzern mehr Transparenz verschafft, stieß hingegen besonders bei Industriegrößen auf Kritik. Doch auch die beugen sich inzwischen.

 

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App-Datenschutz: So liest man die Hinweise im App Store

Seit rund vier Monaten müssen App-Store-Entwickler jede neue App und jedes App-Update mit umfassenden Datenschutz-Informationen flankieren. Auf der jeweiligen App-Seite im App Store befindet sich, ein Stück unter den Rezensionen, ein eigener Bereich, der zeigt, welche Datentypen eine App erfassen kann. Die Listen der erfassten Datentypen kann mitunter sehr lang sein – eben weil Entwickler und Unternehmen bis ins kleinste Detail aufschlüsseln müssen, welche Daten die App erfassen kann. Und zu welchem Zweck: zum Beispiel zur Drittanbieter-Werbung, zur Analyse, zur Personalisierung und zur App-Funktionalität.

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Auf der Seite „App-Datenschutz“ lässt sich auch eine Art Lesehilfe aufrufen: Wer auf „Datenschutzdefinitionen und Beispiele“ klickt, erhält nähere Angaben zu allen Datentypen. Zum App-Datenschutz informiert Apple außerdem umfassend im Support-Bereich seiner Website.

Der Bereich „App-Datenschutz“ im iOS-App Store (Bild: GIGA)

Ein kurzes Beispiel: Wer die Datenschutz-Informationen zu Gmail einsieht, erhält eine lange Liste potentiell erfasster Datentypen. Unter anderem, heißt es darin, werden zum Zweck der App-Funktionalität E-Mails und Textnachrichten erfasst, ebenso Fotos, Videos und Audio-Daten. Auch auf den Einkaufsverlauf greift Google zu. Apples hauseigene Mail-App, die im App Store ebenfalls Auskunft über den Datenschutz geben muss, kommt mit deutlich weniger Daten aus: Zur App-Funktionalität genügen dem Hersteller Kontaktinformationen – Name und E-Mail-Adresse sind für eine Mail-App natürlich unverzichtbar – und die Benutzer-ID, die auch Google verwendet (neben der Geräte-ID).

Kein Wunder also, dass sich Google zunächst dagegen wehrte, Apples Auskunftszwang nachzukommen. Ende Januar – etwa vier Wochen nach Einführung der neuen Regelungen – gab es beispielsweise noch kein Update (und keine Infos zum App-Datenschutz) für die beliebten Apps YouTube und Gmail, sowie die meisten weiteren Google-Apps, notierte unter anderem The Verge. Ein ungewöhnlich langer Zeitraum – viele spekulierten, dass Google davor zurückschrecke, App-Updates einzureichen, weil Nutzerinnen und Nutzern damit das ganze Ausmaß der Google-Datensammelei auffallen könnte. Mittlerweile kann man die Datenerfassung der Google-Apps aber nachvollziehen. Ob sich das auf die Installationsquoten von Apps auswirkt, wird die Zeit zeigen. Ein Etappensieg für mehr Transparenz in Sachen Apps und Datenschutz für Nutzerinnen und Nutzer ist es allemal. Und wer weiß – vielleicht hat die neue Auflistung ja auch einen Effekt auf den einen oder anderen App-Anbieter. Eine fiktive und sinngemäße Überlegung wäre: „Sollen wir wirklich dieses Werbe-Framework in unsere Podcast-App aufnehmen, wenn wir dafür die Standortbestimmung auf der App-Store-Seite erklären müssen?“ Auch das: Ein Gewinn für Nutzerinnen und Nutzer.

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Apples Datenschutzinitiative stieß auch Facebook sauer auf

Die Facebook-Tochter WhatsApp hatte Apple noch Ende 2020 für die Kennzeichnung der Datenerfassung im App Store kritisiert und bereitete eine Kartellklage vor: Apple verschaffe sich einen Vorteil, weil Standard-Apps wie „Nachrichten“ nicht im App Store erscheinen und sich so um die Auskunft drücken könnten. Apple reagierte und bestätigte, dass man auch bei eigenen Apps über den App-Datenschutz informieren werde. Für Apps wie „Nachrichten“ und Safari findet man die Informationen auf Apples Support-Website.

Apples Datenschutz-Labels – ein Gewinn für Nutzerinnen und Nutzer

Mehr Transparenz ist grundsätzlich gut. Dass auch technisch weniger bewanderten Nutzerinnen und Nutzern in verständlicher Sprache gezeigt wird, welche Apps welche Daten erhebt, ist sinnvoll – hier geht Apple mit gutem Beispiel voran. Android-Nutzerinnen und -Nutzer müssen sich noch auf die eher rudimentären Informationen im Play Store verlassen, die lediglich die von der App eingeforderten Berechtigungen aufzeigen – und das in vereinfachter Form.