Das neue Apple Studio Display ist teuer, gefragt und besitzt eine Webcam mit schlechter Qualität. Ein Software-Update soll das Problem künftig lösen. Jetzt kann man sich ein erstes Bild davon machen, doch schaut dieses wirklich besser aus? Zweifel sind angebracht.

 
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Update vom 27. April 2022: Apple verteilt für iOS 15.5, iPadOS 15.5 und macOS Monterey 12.4 neue Entwicklerversionen, die dritte jeweils mittlerweile. Wer sich diese für macOS 12.4 installiert, der erhält auch eine erste Beta-Version der Firmware 15.5 fürs neue Apple Studio Display. Ziel des Updates: Die Verbesserung der miserablen Webcam-Qualität. Gelingt das Unternehmen?

Nicht wirklich, wer einen Blick auf die Vergleichsbilder wirft (siehe obiges Video von MacRumors), der denkt wohl eher an eine Verschlimmbesserung, denn an eine echte Lösung des Problems. Eventuell kommt jede Hilfe schon zu spät und das eigentliche Problem ist am Ende doch die Hardware, so vermuten die Kollegen von 9to5Mac. Wie dem auch sei: Größere Wunder sollte man sich vom Firmware-Update schon mal lieber nicht versprechen.

Übrigens: Vom Kauf des Apples Studio Displays hält die schlechte Webcam-Qualität die Kundinnen und Kunden nicht ab. Der teure Bildschirm bleibt ein Bestseller. Wer bestellt, der wird vom Apple Online Store gegenwärtig erst Mitte Juli beliefert.

Originaler Artikel:

Das neue Apple Studio Display will nicht nur den 27-Zoll-iMac ersetzen, sondern empfiehlt sich als externer Monitor im Grunde für jeden Mac – ob neuer Mac Studio, günstiger Mac mini oder mobiles MacBook. Ein solches Produkt bietet für Apple also mehr Absatzchancen als nur ein neuer All-in-One-Rechner mit demselben Display. Dumm nur, wenn die ersten Testbewertungen eher mau ausfallen.

Apple Studio Display: Webcam eine einzige Katastrophe

Einer der größten Kritikpunkte: Die eingebaute Kamera. Die sollte auf dem Papier eigentlich alle bisherigen Mac-Webcams in den Schatten stellen – 12 Megapixel, Ultraweitwinkel, Folgemodus (Center Stage) wie auf den neusten iPads und dazu noch ein eigener, dezidierter Apple A13-Chip. Was soll da schon schiefgehen? Um ehrlich zu sein, eine ganze Menge. Die Webcam des Apple Studio Display fällt nämlich komplett durch.

Joanna Stern vom Wall Street Journal vergleicht die Bildqualität am Ende sogar mit einem Smartphone aus der Steinzeit des Digitalzeitalters (Quelle: Wall Street Journal), Zitat:

„Die Kamera von Apple lieferte durchweg körnige und verwaschene Bilder. Bei einigen Aufnahmen fehlten so viele Details, dass sie mich an die Kamera meines alten BlackBerrys erinnerten. Das Positive daran: Keiner konnte meine krausen Haare sehen.“

Vielleicht nur eine subjektive Meinung und etwas übertrieben? Nicht, wenn man sich im Anschluss die Vergleichsbilder mal direkt anschaut. Das Foto wirkt wie mit dem Weichzeichner bearbeitet, Details sind nicht auszumachen:

Doch woran könnte es liegen? Vor allem deutlich wird's in dunklen Umgebungen. Nilay Patel von „The Verge“ probierte mehrere Konfigurationen und Einstellungen, scheiterte am Ende aber dann doch (Quelle: The Verge):

„Tatsächlich sieht es bei gutem Licht furchtbar aus und bei schlechtem Licht geradezu miserabel. Ich habe es am Mac Studio und an meinem MacBook Pro mit macOS 12.3 ausprobiert, und auf beiden Geräten erzeugt es ein körniges, verrauschtes Bild mit praktisch keinem Detail. Ich habe es in FaceTime, in Zoom, in Photo Booth, in QuickTime ausprobiert - die Bildqualität ist immer gleich schlecht. Das Deaktivieren der Funktion „Center Stage“, die Sie durch den Raum verfolgt, hilft nicht. Das Ein- und Ausschalten des Porträtmodus hilft nicht.“

Kurzum: Apple hat mal ordentlich Mist gebaut beim neuen Apple Studio Display und bestätigt dies sogar auf Nachfrage der beiden Journalisten. Ein Vertreter von Apple teilte den beiden nämlich mit, dass man „ein Problem entdeckt hat, bei dem sich das System nicht wie erwartet verhält“. Folgend gelobte man auch gleich eine Besserung mittels Software-Update. Allerdings gab es keine Antwort darauf, was geändert würde und wann man genau damit rechnen könne. Aber immerhin: Apple erkennt die Problematik an und will nachbessern.

In Apples Werbefilm sah alles noch so toll aus:

Apple Mac Studio und Studio Display in Aktion

Apples Kabelproblem – derzeit unlösbar

Bei einem weiteren Kritikpunkt dürfte dies aber wohl nicht so leicht möglich sein, denn mit dem fest verbauten Netzkabel muss man sich wohl oder übel anfreunden und hoffen, dass es künftig nicht zu einem Defekt kommt (Quelle: Toms Guide). Andernfalls wird's teuer, da ein Austausch nicht so einfach machbar ist. Kundinnen und Kunden sollten vielleicht besser gleich AppleCare+ fürs Studio Display erwerben – macht einen weiteren Kostenpunkt von 139 Euro. Aber wer schon mindestens 1.749 Euro fürs Display bezahlt (bei Cyberport ansehen), kann sich so viel Sicherheit dann auch noch leisten.