Wer dachte, in Zeiten von Verwahrentgelten und Inflation könnte es für das eigene Geld nicht viel ärger kommen, hat die Rechnung ohne die ING gemacht. Die Direktbank will monatlich Geld für die Girokarte sehen – und schafft damit das kostenlose Girokonto praktisch mit ab.

ING-Kunden werden für Girokarte zur Kasse gebeten

Die neue Preisgestaltung der ING Deutschland dürfte ein echter Paukenschlag werden: Ab März 2022 wird die nach eigenen Angaben drittgrößte Bank Deutschlands eine monatliche Gebühr für Girokarten verlangen. Die Pläne beziehen sich auf Neu- und Bestandskunden gleichermaßen. 99 Cent pro Monat fallen dann für alle Kontoinhaber an, die auf eine Girokarte nicht verzichten wollen – oder können.

Faktisch schafft die ING, die seit Jahren aktiv für ihre kostenlosen Girokonten wirbt, damit eben diese ab, wie aus den Kondition für das Girokonto hervorgeht (Quelle: Finanz-Szene). Zwar werden nach wie vor keine Kontoführungsgebühren im eigentlichen Sinn erhoben, aber wer eine Girokarte nutzen will, hat ab März bei der ING eben keine andere Möglichkeit mehr, als draufzuzahlen.

Was man der ING zugutehalten muss: Ab einem monatlichen Geldeingang von 700 Euro oder mehr sind diese quasi versteckten Kontoführungsgebühren im Vergleich mit anderen Banken immer noch niedrig – aber eben nicht mehr bei null Euro.

Bisher war der Normalfall, dass eine Girokarte einfach zum Konto dazu gehört – ohne Aufpreis. So schreibt es auch die ING selbst: Die Girokarte sei „bis 28.02.2022 enthalten, danach 0,99€ monatlich“, heißt es auf der Webseite der ING. Damit fällt nach der fast branchenweiten Einführung von Verwahrungsentgelten „das nächste Tabu“ bei der ING, so das Finanzportal. Die Girokarte, wie wir sie kennen, wird immer mehr zum Auslaufmodell.

Immerhin: Bestandskunden müssen der damit einhergehenden Änderung der Geschäftsbedingungen aktiv zustimmen. Wer jetzt ein Girokonto neu eröffnet, kann die Girokarte noch drei Monate kostenlos testen, bevor ab März die 99 Cent verlangt werden.

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Die Girokarte kann in Zukunft gekündigt werden, sodass das Girokonto der ING kostenfrei bleiben würde, sofern die weiteren Bedingungen erfüllt sind. Nur heißt das eben: keine Kartenzahlung mehr beim Einkaufen. Um Geld am Automaten abzuheben, heißt es eine andere Lösung finden: Möglich ist das etwa mit der Visacard der ING, die laut eigenen Angaben an 97 Prozent der deutschen Bankautomaten kostenlos funktioniert. Sie soll auch weiterhin kostenlos zum Girokonto gehören.

Kostenpflichtige Girokarte: 35 Millionen Euro extra pro Jahr

Auf Nachfrage bestätigte ein Sprecher der ING, dass gleichzeitig mit der Änderung beim Girokonto auch das Verwahrentgelt von 0,5 Prozent ab 50.000 Euro für Neu- sowie Bestandskunden fällig werde. Die Bank wolle ihre Kunden bis Ende November kontaktieren, um Verträge entsprechend anzupassen. Wer nicht zustimmt, dürfte wohl über kurz oder lang als Kunde nicht mehr attraktiv für die ING sein.

Gerade erst überholte die Girokarte Bargeld erstmals als beliebtestes Zahlungsmittel in Deutschland – vor diesem Hintergrund auch wieder nicht so überraschend, dass man dabei gerne mitverdienen will. Wie Finanz-Szene vorrechnet, steht der ING durch die 99 Cent pro Girokarte ein Plus pro Jahr von 35 Millionen Euro ins Haus – wenn alle Kunden mitmachen.