Intel versucht gegen AMDs Prozessoren zu sticheln – und scheitert kolossal

Robert Kohlick 3

Intel und AMD sind sich schon seit jeher spinnefeind. Beide Seiten loben ihre eigenen Produkte in den Himmel, versuchen aber auch immer wieder, dem Image des Rivalen Schaden zuzufügen. Ärgerlich, wenn der Versuch irgendwann nach hinten losgeht. 

Intel-Mitarbeiter sagt: Acht Kerne sind der Sweetspot

Während AMD mit dem Ryzen 9 3900X und bald erscheinenden Ryzen 9 3950X einen 12-, bzw. 16-Kerner im Desktop-Bereich anbietet, bietet Intels Flaggschiffprozessor der aktuellen Generation, der i9-9900K, nur 8 Kerne.

Doch laut Intels Chief Performance Strategist Ryan Shrout liegt genau hier der Sweetspot für Gamer. Mehr Kerne machen seiner Meinung nach aktuell gar keinen Sinn:

Für Spiele sind 8 Kerne das Optimum für die Leistungsskalierung in modernen PC-Spielen. Bei Achtkernern erhalten wir heute die beste Frequenzskalierung aus unseren Coffee-Lake-Chips und dem 14nm-Fertigungsverfahren. Und letzten Endes ist es die Taktgeschwindigkeit, die für die Hauptbestandteile der Spiele-Engines heutzutage besonders wichtig ist.

Um das zu beweisen, hat der Intel-Mitarbeiter ein paar Tests auf seinem eigenen Blog veröffentlicht, die seine These unterstützen. Dafür hat er sich angeguckt, wie sich die Bildrate von Spielen wie Assassin’s Creed: Origins, Far Cry 5, Rise of the Tomb Raider oder Hitman 2 verhält, wenn er seinem System mehr oder weniger Kerne zur Verfügung stellt. Das Ergebnis: Die größten Leistungssprünge kann man zwischen 4-8 Kernen feststellen. These bestätigt, oder?

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Kurzsichtigkeit bei Intel: Der Blick für das große Ganze fehlt

Nicht ganz – denn viele der ausgewählten Spiele profitierten von einer weiteren Steigerung der Kernanzahl von 8 auf 12. Der Leistungszuwachs beschränkte sich zwar auf maximal 9 Prozent, macht aber dennoch einen Unterschied. Von mehr als 12 Kernen profitierte tatsächlich aber nur noch ein einziges Spiel aus seinem Test, der recht CPU-lastige Titel Ashes of the Singularity.

Shrout stellt also in seinen eigenen Tests fest, dass mehr als 8 Kerne durchaus einen positiven Einfluss auf die Spieleleistung haben, versucht das jedoch unter den Teppich zu kehren:

Das erste, was ich sehe, ist, dass der Wechsel von 8 zu 12 Kernen zu weniger als 10 Prozent mehr Leistung in allen Spielen führt. Bei neun Spielen lag die Leistungssteigerung bei weniger als 5 Prozent.

Am Ende kommt der Intel-Mitarbeiter zu folgendem Fazit:

Mehr Kerne hinzuzufügen, einfach nur, weil man es kann (…), sorgt nicht für bessere Leistungsfähigkeit.

Das mag grundsätzlich stimmen, gleichzeitig scheint Intel aber zu vergessen, dass viele Gamer inzwischen weit mehr mit ihrem PC machen, als nur darauf zu spielen. Streamer profitieren deutlich von einer erhöhten Kernanzahl, da so ihre Bildrate im Stream nicht einbricht, für Content Creator reduzieren sich Renderzeiten von Videos und Animationen. Und selbst wer nur spielen will, hat im Hintergrund oftmals noch zahlreiche andere Programme, wie Steam, TeamSpeak, Discord, Spotify, diverse Treibersoftware oder einen Browser offen.

AMD vs. Intel – Wer ist der aktuelle Publikumsliebling im CPU-Bereich? Unsere Top 10 verrät es euch: 

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Top-10-CPUs: Die aktuell beliebtesten PC-Prozessoren in Deutschland

Der aktuelle „Sweetspot“ für Spieler mag zwar im Moment bei 8 Kernen liegen, das könnte sich im Laufe der kommenden Jahre aber auch schnell ändern, da Spieleentwickler bereits jetzt immer größeren Wert auf die Multi-Core-Optimierung legen. Dennoch stimmt es, dass für fast alle Spiele aktuell ein Leistungswert besonders wichtig ist: die Single-Core-Performance – und in diesem Bereich bietet Intel immer noch die meiste Leistung.

Was sagt ihr zu den Tests des Intel-Mitarbeiters? Wird hier nur versucht, AMDs Erfolg zu relativieren? Welcher der beiden Chip-Hersteller bietet eurer Meinung nach gerade das attraktivere Gesamtangebot? Und wie viele Kerne bietet euer Prozessor? Schreibt uns gerne in die Kommentare.

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