Kein Bock auf Apple: Die fragliche Arbeitsmoral des Jony Ive

Holger Eilhard 5

Nachdem Apple in der vergangenen Woche den Austritt von Jony Ive als festen Angestellten angekündigt hatte, folgt nun ein Bericht, der die Arbeitsmoral des langjährigen Apple-Designers infrage stellt.

Kein Bock auf Apple: Die fragliche Arbeitsmoral des Jony Ive
Bildquelle: Apple.

Jony Ive: Änderungen nach dem Tod von Steve Jobs sorgten für Frust

Nach fast 30 Jahren verlässt Jony Ive bald seinen Arbeitgeber in Cupertino, Kalifornien und will sich in Zukunft mit seinem Kollegen Marc Newson auf das eigene Designstudio „LoveFrom“ konzentrieren. Dort will er aber auch weiterhin für Apple arbeiten. In einem Bericht des Wall Street Journal (Paywall, siehe auch 9to5Mac, MacRumors) beschreibt Reporter Tripp Mickle einige Vorkommnisse der vergangenen Jahre des Designers bei Apple.

So soll sich Ive bereits seit Jahren, nach dem Tod von Steve Jobs, immer weiter von Apples Führungsetage entfernt haben. Der Bericht basiert auf Unterhaltungen, die das WSJ über mehr als ein Jahr lang mit früheren Kollegen von Jony Ive geführt hat. Hinzu kommen Personen, die eng mit Apples Managementteam zusammengearbeitet haben.

Ive soll in den vergangenen Jahren frustriert darüber gewesen sein, dass die Apples Führung einen immer größeren Wert auf die Finanzen gelegt hat. Gleichzeitig soll aber CEO Tim Cook versucht haben, die Designikone unter anderem mit einem attraktiven Gehalt im Unternehmen zu halten, welches das seiner Management-Kollegen deutlich in den Schatten gestellt haben soll. Konkrete Angaben zur Bezahlung von Jony Ive macht Apple nicht.

Auch für das Design von Apple Park war Jony Ive mitverantwortlich:

Apple Park: Der neue Apple-Firmensitz im offiziellen Video.

Sir Jonathan Ive wird zum Chief Design Officer und ist nur noch selten in Cupertino

Im Mai 2015 bekam Jony Ive den Titel Chief Design Officer, welches seine Designverantwortung auf Hardware, Human Interface, Verpackungen, Retail und auch Apple Park, das neue Hauptquartier in Cupertino ausweitete. Teil dieser Beförderung war die Erlaubnis, dass Ive weniger Zeit in Cupertino verbringen musste. Stattdessen arbeitete er zuhause in San Francisco oder von seinen Häusern in Hawaii oder Großbritannien. Dort traf er sich auch immer häufiger mit seinen Kollegen.

Die Abwesenheit von Ive war enttäuschend. Ive soll versprochen haben, einmal im Monat eine „Designwoche“ zu halten, in der Software-Designer mit ihm über ihre Arbeit diskutieren konnten. Jony Ive war aber nur selten dabei und selbst wenn er vor Ort war, ließ er viele Fragen unbeantwortet.

Als Beispiel nennt das WSJ einen Termin zur Entwicklung des iPhone X. So trafen sich 20 Top-Designer des Software-Teams im Januar 2017 im Penthouse des Club „The Battery“ in San Francisco und warteten mit den Prototypen des neuen iPhone-Modells für drei Stunden auf das Eintreffen von Jony Ive. Ziel war es, die Features zu diskutieren und zu entscheiden, welche dieser Funktionen es zur Vorstellung im Herbst schaffen werden. Die Mitglieder des Teams waren aber enttäuscht, dass Ive ihnen keine Hilfe gegeben hatte, die sie benötigten.

Diese Abwesenheit von Ive führte außerdem dazu, dass im Jahr 2017 ein wichtiger Mitarbeiter Apples Designteam verlassen hatte und andere Kollegen ähnliche Pläne hatten. Im vergangenen Jahr verließen daraufhin vier weitere langjährige Mitglieder das Team.

Zuletzt war Ive als Co-Host auf den Einladungen zur Eröffnung von Apple Park eingeladen. Der Designer war aber nicht vor Ort, da er nach Großbritannien geflogen war, um seinen kranken Vater zu besuchen. Im Rahmen der diesjährigen WWDC fehlte die Stimme von Ive ebenfalls - die sonst immer wieder üblichen Produktvideos waren nicht Teil der schon so äußerst langen Präsentation. Im Video zum neuen Mac Pro, das auf YouTube gefunden werden kann, ist Ive aber weiterhin zu hören.

Der vollständige Bericht mit vielen weiteren Details zu Ives vergangenen Jahren kann auf der Website des Wall Street Journal gefunden werden.

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