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Mieten statt kaufen: Expertin verrät, wie Technik und Nachhaltigkeit zusammenwachsen

Marianne Kuhlmann stand uns bei unseren Fragen rund um Grover und Nachhaltigkeit Rede und Antwort (© GIGA)

Nicht immer muss man Technik kaufen: Das Unternehmen Grover unterstützt die Kreislaufwirtschaft, indem es Elektronik vermietet. In einem Interview hat uns die Nachhaltigkeitsexpertin von Grover mehr über das Unternehmen verraten.

Von allen Seiten wird man dazu gedrängt, immer das Neueste vom Neuesten haben zu wollen (oder besser: zu müssen). Gerade in der Technik sieht man das deutlich: Ständig kommen neue Geräte auf den Markt, die besser sein wollen als die Konkurrenz. Doch nicht nur, dass diese Konsumwut den Geldbeutel in Mitleidenschaft zieht, es ist auch mit Blick auf die derzeitigen Umwelt- und Klimaprobleme nicht zu vertreten.

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Grover will hier eine Alternative sein, denn das Unternehmen vermietet Technik. Will man im Sommer nicht ohne Bluetooth-Box ins Freibad gehen oder zu Weihnachten nicht auf „Herr Der Ringe“ über den Beamer verzichten, muss man die Geräte nicht mehr kaufen – mieten tut es auch. Und zusätzlich ist es eine super Option, um zu testen, ob das jeweilige Gerät zu einem passt. Wir waren kürzlich auf dem Green Tech Festival unterwegs und hatten die Möglichkeit, Marianne Kuhlmann, Head of Sustainability bei Grover, zu interviewen und einige Fragen rund um das Unternehmen, das Konzept Mieten, aber allen voran zu Nachhaltigkeit zu stellen.

Mieten als nachhaltige Alternative

GIGA: Warum lohnt es sich, Technik zu mieten?

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Marianne Kuhlmann: „Ich glaube, das ist ganz unterschiedlich für die jeweiligen Kundengruppen. Also ich, zum Beispiel, bin ein Tollpatsch. Ich lasse mein Handy oft fallen. Deswegen ist für mich der Bequemlichkeitsaspekt ausschlaggebend. Ich finde gut zu wissen: Ich habe ein 500-Euro-Produkt in meiner Hosentasche und das könnte runterfallen, aber wenn es runterfällt, dann muss ich mir keine Sorgen machen. Mit Grover-Care bin ich da abgesichert und die reparieren das für mich.

Für andere ist das aber vielleicht so, dass sie sagen, sie wollen jetzt die nächsten 2 Monate auf Reisen oder klettern gehen und wollen die GoPro auch wirklich nur für die 2 Monate haben. Deswegen ist diese Flexibilität für sie wichtiger. Und wieder andere sagen: ‚Ich möchte gar nichts besitzen, ich habe einen minimalistischen Lebensstil.‘ Oder: ‚Es ist Nachhaltigkeit für mich.‘ Wir hatten gerade im Dezember eine Umfrage, in der wir unsere Kunden befragt haben und wir sehen, dass es wirklich unterschiedliche Gründe gibt, die sich aber nicht ausschließen.“

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GIGA: Das Thema Nachhaltigkeit wird immer relevanter, merkt ihr das auch bei Grover – also dass mehr Menschen mieten statt besitzen wollen?

Kuhlmann: „Grundsätzlich wächst die Nachfrage nach Verleih- und Mietmodellen rasant, das sehen wir bei Grover auch. Wir haben große Wachstumsziele und wachsen beständig und nehmen auch immer neue Produkte in unser Portfolio auf, weil es immer mehr Nachfrage danach gibt. Das ist ein grundsätzlicher Trend: Wahrscheinlich netflixen wir nicht, weil wir aus Nachhaltigkeit keine DVDs mehr kaufen wollen, sondern weil es bequemer und eine gute Kundenerfahrung ist.

Im Dezember haben wir eine Kundenumfrage speziell zum Thema Nachhaltigkeit gemacht und 40 Prozent der Kunden haben gesagt, dass Nachhaltigkeit der ausschlaggebende Punkt war, zu mieten. Wir sehen, dass das Thema auch bei Kunden immer wichtiger wird. Ich glaube auch, das es in Zukunft so weitergeht.“

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Ob für zu Hause oder unterwegs: Bei Grover könnt ihr verschiedene Technik mieten (Bildquelle: Getty Images / Westend61).
Ob für zu Hause oder unterwegs: Bei Grover könnt ihr verschiedene Technik mieten (Bildquelle: Getty Images / Westend61)

Selbst In-Ear-Kopfhörer werden vermietet

GIGA: Gibt es denn Produkte bei denen ihr überrascht seid, dass sie so gut oder nicht so gut angenommen werden?

Kuhlmann: „Ja, ich glaube, bei EarPods hat es uns besonders gewundert, weil sie super gut angenommen werden. Da gibt es eine ganz große Nachfrage. Wir reinigen sie natürlich professionell und die sind dann wirklich komplett sicher und sauber. Aber das hat uns selbst überrascht. [...] Wenn man weiß, da steht ein Prozess dahinter, bei dem sich professionell darum gekümmert wird, dass das Produkt gereinigt und instand gesetzt wird, dann funktioniert das – auch bei Produkten wie EarPods zum Beispiel.“

GIGA: Welche Produkte sind für die Zukunft geplant, die ihr in euer Sortiment aufnehmen wollt?

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Kuhlmann: „Ich glaube, es gibt große Möglichkeiten für Grover. Und ich glaube, wir sind sehr gut darin, dieses Mietmodell auf die Straße zu bringen. Das können viele Hersteller nicht oder nicht so gut. Oder es macht manchmal mehr Sinn, dass sich jeder auf etwas fokussiert, was er richtig gut kann. Deswegen haben wir eine ganz hohe Anfrage von Herstellern, die fragen: ‚Könnt ihr unser Produkt nicht auch ins Sortiment nehmen?‘

Neulich ist ein Bekannter auf mich zugekommen, der ein Startup gegründet hat. Das vertreibt Technologien, durch die man über die Atemluft die Fruchtbarkeit feststellen kann und ist für Frauen, die einen Kinderwunsch haben. Er meinte: ‚Wir haben dieses Produkt und versuchen das selber zu verleihen, aber das ist sehr aufwendig. Wäre es nicht eine Idee, dass ihr es mit ins Portfolio nehmen könntet?‘ Das wäre doch total spannend und ist im Grunde genommen die Bandbreite von Möglichkeiten, wo die Reise noch hingehen kann.

Grundsätzlich fokussieren wir uns aber auf Consumer Electronics und das wird auch erstmal so bleiben. Es gibt zwei Bereiche, die mit Sicherheit noch wachsen werden: Zum Einen, auf der physischen Seite, E-Mobility. Da ist ja generell viel Bewegung auf dem Markt und wir bieten bereits einige Produkte an. Und generell: Wir verleihen die Hardware – es macht auch Sinn, die Software zu verleihen. [...] Gerade im B2B-Bereich ist es für uns ganz spannend zu sagen: ‚Hey, kann man nicht auch das Office-Paket direkt mit auf dem Rechner haben?‘“

GIGA: Nochmal zum Thema E-Mobility: E-Autos beispielsweise verleiht ihr noch nicht. Aber wäre das ein Ziel für euch?

Kuhlmann: „Ich glaube, auf dem Auto-Markt gibt es schon ganz andere Player. Das ist auch eine ganz andere Kategorie. Aber wir haben Scooter und Fahrräder im Programm.“

Auch E-Scooter findet man im Sortiment bei Grover (Bildquelle: GIGA).
Auch E-Scooter findet man im Sortiment bei Grover (Bildquelle: GIGA)

„Wenn man Geräte nicht mehr vermieten kann, ist die Frage: Warum nicht?“

GIGA: Was passiert mit den Geräten nach der Miete?

Kuhlmann: „Grundsätzlich kommen sie erstmal zu uns zurück. Das heißt, wir nehmen sie auf, reinigen sie und löschen die Daten. [...] Wir machen technische Checkups und schauen beispielsweise bei den Smartphones, dass der Akku, der Speicher, etc. funktionieren und dann gehen sie direkt zurück in den Wiederverleih. Es sei denn, sie sind kaputt, dann werden sie natürlich repariert.“

GIGA: Was macht ihr, wenn die Geräte nicht mehr vermietet werden können – habt ihr da einen eigenen Recycling-Prozess?

Kuhlmann: „Wenn man es nicht mehr vermieten kann, ist die Frage: Warum nicht? Dann könnte die Antwort sein: Weil es aktuell in unserer Kundengruppe nicht nachgefragt ist. Das heißt aber nicht, dass es generell keine Nachfrage mehr für dieses Produkt gibt. [...] Wir wollen trotzdem, dass sie wieder genutzt werden, also geben wir sie in Second Life. Unsere Partner verkaufen sie dann im sekundären Markt. Aber erstmal ist für uns immer die Frage: Können wir die Produkte nochmal verleihen? Kann man vielleicht noch etwas beim Preis machen, sodass man sie im Verleih lässt?“

Ein Tipp von der Expertin

GIGA: Und hast du zum Schluss noch einen Tipp, wie es leichter fällt, mehr auf Nachhaltigkeit zu achten (– außer Technik zu mieten, natürlich)?

Kuhlmann: „Ich glaube, es ist immer interessant, einfach im Alltag die Augen offen zu halten. Vieles ist Gewöhnungssache und man sollte neugierig bleiben: Was gibt's da eigentlich? Auch in der Ernährung zum Beispiel. Ich bin kein Freund davon, zu sagen: ‚Iss kein Fleisch mehr!‘ Aber ich bin ein Freund davon, zu sagen: ‚Probier‘ mal die vegetarischen Produkte.‘

Ich habe neulich in einer Umfrage gelesen, dass 50 Prozent der vegetarischen Produkte aus Neugier gekauft werden. Das ist cool. Vor ein paar Jahren war das Produktsortiment noch sehr klein und eher mittelmäßig von der Qualität und jetzt gibt es ganz viele Neues. Ich bin auch so ein Neugier-Käufer und bin regelmäßig erstaunt, wie gut die Produkte schmecken. Gerade eine Spaghetti Bolognese kann man wunderbar mit vegetarischem Hack machen – den Unterschied merkt man gar nicht. Oder manche Sachen schmecken anders und ganz neu und sind eine total neue Erfahrung. Das ist einfach schön, wenn man ein bisschen neugierig ist und guckt, was es da draußen so gibt.“

GIGA: Ich finde, das ist ein sehr schöner Tipp. Ich danke dir für das Interview!

Kuhlmann: „Gerne, es hat mich auch gefreut!“

Über unsere Interviewpartnerin:
Marianne Kuhlmann ist derzeit Head of Sustainability bei Grover und promoviert an der ETH Zürich im Bereich Kreislaufwirtschaft. Sie hat zudem den Verein Circularity e.V. ins Leben gerufen, dessen Aufgabe es ist, die deutsche Kreislaufwirtschaft voranzutreiben. Das Interview fand im Juni 2022 statt und wurde zum Zwecke der Lesbarkeit bearbeitet.

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