Gerade bei Elektronik entscheiden sich die wenigsten von uns für Gebrauchtware. Zu groß das Risiko für einen Fehlkauf oder zu kompliziert die Suche nach dem passenden Produkt, hört man da als Argumente. Doch was ist dran an den Vorurteilen zum Second-Hand-Kauf? GIGA erklärt, warum es nicht immer Neuware sein muss.

Dieser Artikel erscheint im Rahmen der GIGA-Themenwoche „Nachhaltigkeit“ vom 5.6. bis 11.6.2022. Im Übersichtsartikel lest ihr, was es damit auf sich hat und findet weitere Stücke zum Thema.

Was ist eigentlich das Problem mit dem Neukauf von Produkten? Inzwischen dürfte den meisten klar sein, dass die Ressourcen auf unserem Planeten begrenzt sind. Die notwendige Energie (zum Großteil fossile und somit endliche Brennstoffe) für die Gewinnung sowie Weiterverarbeitung bestimmter Rohmaterialien sorgen unter anderem dafür, dass immer mehr Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre gelangt. Deshalb ist unbedingt ein Umdenken erforderlich was unser Konsumverhalten angeht. Eine Möglichkeit den Klimawandel zu bremsen: weniger Neuware und mehr Second-Hand.

Was auf Flohmärkten oder bei Gebrauchtwägen bereits seit Jahrzehnten Normalität ist, sollte in der Theorie doch genauso gut mit Smartphones, Laptops oder anderer Elektronik funktionieren. Der Weg in eine nachhaltige Zukunft erfordert natürlich noch deutlich mehr Veränderungen. Wir als Konsumentinnen und Konsumenten können ohnehin nur einen gewissen Teil dazu beitragen. Dennoch wäre es ein erster wichtiger Schritt, Second-Hand-Ware nicht direkt zu verurteilen und dem Ganzen eine Chance zu geben. Ihr tut dabei nicht nur der Umwelt Gutes, sondern könnt obendrein bares Geld sparen.

Warum kleine Schritte besser als keine Schritte sind:

Gebraucht ist nicht gleich gebraucht: Diese Unterschiede gibt es

Beim Second-Hand-Kauf denken wir zunächst meist an Plattformen wie eBay (Kleinanzeigen), auf denen vor allem Privatpersonen ihre Gebrauchtware anbieten. Auf das Objekt der Begierde bieten zu müssen, ist vielen womöglich zu umständlich oder zu riskant. Das ist aber längst nicht die einzige Möglichkeit, an bereits benutzte und somit meist auch deutlich günstigere Produkte zu kommen:

  • Inzwischen gibt es zahlreiche Anbieter, die sich beispielsweise auf den An- und Verkauf von Smartphones, Laptops und weiterer Elektronik spezialisiert haben. Das hat insbesondere den Vorteil, dass die dort angebotenen Produkte bereits vorsortiert wurden – die Gefahr, dass ihr lediglich antiquierten Elektroschrott kauft, wird somit komplett eliminiert. Darüber hinaus werden die zu verkaufenden Geräte in der Regel vorher auf ihre Funktionstüchtigkeit hin geprüft und bei Bedarf mit neuen Ersatzteilen – oftmals sogar OEM-Komponenten – versorgt. Schließlich erhaltet ihr bei einigen Anbietern zusätzlich bis zu 36 Monate Garantie. Am besten informiert ihr euch vor dem Gebrauchtkauf über die jeweiligen Konditionen, um so böse Überraschungen zu vermeiden.
  • Eine weitere Möglichkeit: B-Ware oder „Refurbished“ (generalüberholte) Produkte kaufen. Meistens handelt es sich dabei um Artikel, die sich womöglich nicht mehr in der Originalverpackung befinden oder kleinere kosmetische Mängel aufweisen, aber nach wie vor einwandfrei funktionieren. Einige Hersteller bieten diese Ware meist direkt im eigenen Outlet-Store an, was gleichzeitig bedeutet, dass ihr auf die Produkte meistens auch die reguläre Garantie erhaltet.

reBuy, Medimops, Vinted & Co.

Beinahe täglich tauchen neue Anbieter auf, die bestimmte gebrauchte Produkte zum (Ver-)Kauf anbieten. Dabei beschränkt sich das Angebot nicht ausschließlich auf Elektronik. Ihr könnt dort ebenso Bücher, Videospiele, Kleidung oder sogar Fahrräder erwerben. Im folgenden findet ihr eine Auswahl beliebter Online-Shops für diverse Second-Hand-Produkte:

Elektronik

Bücher

Kleidung

Fahrräder

Umfrage: Refurbished oder Neuware?

Erfahrungsbericht: Gebraucht ist geil

Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt mich zwar schon eine Weile, dennoch muss ich eine Sache gestehen: Den Kauf von gebrauchten Produkten und insbesondere Elektronik, habe ich lange Zeit gemieden. Ich hatte entweder Angst, dass man mich übers Ohr hauen würde oder, dass die gebrauchte Ware nicht meinen Ansprüchen genügen würde. Mittlerweile kann ich mit gutem Gewissen behaupten, dass beide dieser Sorgen unbegründet waren. Zwar lasse ich bei Privatverkäufen immer noch Vorsicht walten, doch mit der Zeit entwickelt man ein Gespür dafür, welche Angebote seriös sind und welche nicht.

Ihr fragt euch, was genau mit eurem Smartphone eigentlich passiert sobald ihr es verkauft habt? Erfahrt es in unserem Video:

Was taugt mein altes Handy noch? So testet rebuy Abonniere uns
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So sind einige meiner absoluten Lieblingsstücke im Kleiderschrank nicht neu, sondern aus zweiter Hand gekauft worden. Vor allem bei Momox Fashion (ehemals ubup) oder Vinted (früher Kleiderkreisel) hatte ich immer wieder Glück, weshalb ich beide Anbieter nur wärmstens empfehlen kann. Bei meinem letzten Umzug habe ich außerdem den Großteil des Mobiliars bei eBay Kleinanzeigen oder auf einem klassischen Flohmarkt erstanden. Möbel mit Charakter sind ohnehin ästhetischer als Pressspahn-Massenware aus dem Möbeldiscounter – und ein gutes Gewissen gibt es gratis dazu.

Ihr möchtet den Spieß umdrehen, und lieber Dinge verkaufen statt sie zu kaufen? Hier erfahrt ihr, wo ihr das am besten tun könnt:

Und was ist nun mit gebrauchter Elektronik? Auch hier konnte ich zuletzt durchweg positive Erfahrungen sammeln. So handelt es sich bei meiner Soundbar um ein generalüberholtes Exemplar aus dem JBL Outlet. Zwar hat man der Verpackung angesehen, dass es sich nicht mehr um ein komplett neues Produkt handelt, das Gerät an sich läuft aber nach wie vor tadellos. Das gleiche gilt übrigens auch für meinen Zweitmonitor, den ich kürzlich bei eBay erstanden habe. Sollte ich zukünftig also nochmal etwas in der Richtung benötigen, werde ich mich vorher definitiv erst nach gebrauchten Alternativen umsehen.

Egal ob Jacke, Monitor oder Tisch – gebraucht kann auch geil sein. Ich werde diese Option künftig auf jeden Fall noch öfter in Erwägung ziehen und kann es jedem von euch wirklich empfehlen. Wenn man es schon nicht für die Umwelt tut, dann doch wenigstens für den eigenen Geldbeutel. Eine Win-Win-Situation.