Die von Konsum getriebenen Events wie Singles Day und Black Friday lassen sich nur schwer mit Nachhaltigkeit in Einklang bringen. Es gibt allerdings einige Ausnahmen, die einen Neukauf zur richtigen Entscheidung machen.

Ein Kommentar von Stefan Bubeck.

Alte Geräte verbrauchen in der Regel mehr Strom und Wasser als vergleichbare neue Geräte. Deshalb lohnt es sich, am Black Friday nach günstigen Neuanschaffungen zu schauen. Das schont eure Nebenkosten – und mit dem geringeren Verbrauch auch die Umwelt. Das kann ich aus persönlicher Erfahrung bestätigen.

Veraltete Technik ist eine Falle

Es war einmal vor langer Zeit … da lebte ich als Student in einer Wohngemeinschaft. Einer der Mitbewohner hat zum Einzug eine alte Waschmaschine besorgt – besser gesagt, von seiner Großmutter geerbt. Ein Toploader, der dem Aussehen nach zu urteilen aus den 1960ern stammte, vielleicht sogar älter. Wir haben uns dazu erstmal keine weiteren Gedanken gemacht, denn immerhin funktionierte die Kiste einwandfrei. Gut genug für unsere Bude, das war wohl der unausgesprochene Konsens.

Waschmaschinen in einem Elektrofachgeschäft, 1950er Jahre. (Bildquelle: IMAGO / United Archives)

Diese Waschmaschine aus den deutschen Wirtschaftswunderjahren verrichtete also in den ersten Monaten der neu gegründeten WG zuverlässig ihren Dienst. Wir konnten uns legendären Parties dem Studium widmen, alles fein. Zumindest eine Zeit lang. Irgendwann wurde es dann doch auffällig, dass die Oma-Waschmaschine erstaunlich viel Wasser „zieht“ und die Wäsche auch nicht immer so sauber wurde, wie man das vielleicht erwartetet hätte. So wurde der augenscheinliche Durst der Maschine zum Thema. Eine Google-Suche später waren wir alle um eine erstaunliche Erkenntnis reicher: Bei einer Waschmaschine, die 30 Jahre oder mehr auf dem Buckel hat, muss man mit einem Wasserverbrauch von 200 Litern pro Waschgang (oder mehr!) rechnen. Das ist ungefähr die Menge Wasser, die in eine Badewanne reinpasst.

Zum Vergleich: Eine moderne Waschmaschine gönnt sich pro Waschgang nur rund 50 Liter Wasser – und erzielt abgesehen davon auch noch wesentlich bessere Ergebnisse, was die Sauberkeit der Wäsche angeht. Dazu kommt noch der Aspekt Stromverbrauch, auf den früher offenbar niemand geachtet hat. Eine alte Waschmaschine vergeudet 0,8 Kilowatt­stunden Strom pro Kilogramm Wäsche. Heutzutage sind wir dank des technischen Fortschritts eher bei 0,15 Kilowatt­stunden (Quelle: Stiftung Warentest).

Die Grafik zeigt die Zusammensetzung des Stromverbrauchs eines Haushalts in Deutschland (Bildquelle: Statista)

Selbst wenn einem der Schutz der Umwelt aus irgendwelchen „Gründen“ nicht so wichtig ist – der Punkt „Geldverschwendung“ holt ja dann doch jeden ab. Für unsere WG war klar: Diese Uralt-Waschmaschine kostet uns jeden Monat unnötig viel Wasser und Strom – und somit auch Geld. Über mehrere Jahre gerechnet, kommt man da auf erschreckende Beträge. Der bisher als nicht notwendig erachtete Neukauf einer modernen Waschmaschine wurde schlagartig zum Prio-1-Projekt. Wir müssen den Toploader schnellstmöglich entsorgen und uns etwas Neues kaufen! Mag sein, dass andere Dinge aus der Ära wie Beatles-Platten oder Märklin-Modelleisenbahnen würdevoll gealtert sind – aber diese Geldvernichtungsmaschine gehört sicherlich nicht dazu.

Effizienz ist das Zauberwort

Diese Erkenntnis lässt sich auf viele weitere Bereich übertragen. Technik entwickelt sich immer weiter, wird zunehmend auf Effizienz getrimmt. Man denke an die Heizung, wo smarte Thermostate deutliche Ersparnisse bewirken können. Man denke an den Kühlschrank, der 24 Stunden am Tag läuft und wo jeder Cent Stromverbrauch eine Überlegung wert ist. Man denke an den in die Jahre gekommenen Gaming-PC, der für ein paar Frames mehr gleich Dutzende Watt zusätzlich aus der Steckdose saugt.

Neben den Meeresspiegeln steigen bekanntermaßen auch die Strompreise. Bei beiden Entwicklungen ist der Trend für die nächsten Jahre klar: Es geht genau so weiter. Ein technisch überholter Apparat im Haushalt lässt sich also nicht mehr länger rechtfertigen, das wäre unvernünftig. Vernünftig ist hingegen: Den Taschenrechner zücken und kurz überschlagen, wo sich eine Neuanschaffung in absehbarer Zeit rechnet. Natürlich tut es erstmal weh, mehrere Hundert Euro für eine neue Waschmaschine auszugeben – aber wenn man die Sicherheit hat, dass die höhere Effizienz die Haushaltskasse (und die Umwelt) entlasten wird, dann ist das eine kluge Entscheidung.

Hier bekommen die als „Shopping-Wahnsinn“ verschrieenen Events wie Singles Day und Black Friday die Chance, einen positiven Beitrag zu leisten. Überall gibt's Rabatte – und einige davon sind tatsächlich richtig gut. Wer beim Neukauf von Waschmaschine, Kühlschrank & Co. gleichzeitig auch noch ein Schnäppchen schießt, geht am Ende als Gewinner raus. Man kann den saisonalen „Konsum-Irrsinn“ also aus Überzeugung ignorieren, aus totaler Verblendung unnötige Dinge kaufen – oder taktisch denken und gezielt in die Zukunft investieren.

Aktuelle Termine für Waschmaschinen-Schnäppchen:

  • Singles Day am 11.11.2022, der Startschuss für das Weihnachtsgeschäft.
  • Black Friday am 25.11.2022 und Cyber Monday am 28.11.2022.