Black Friday steht vor der Tür. Aber schon länger kaufe ich mir nichts mehr zum großen Shopping-Event, sondern achte mehr auf nachhaltigen Konsum. Dazu verrate ich euch meine Gründe und einige Tipps.

Zum Ende des Jahres, bevor die gemütliche Zeit beginnt, werden wir vom Black Friday überrollt. Das Event, das sich schon längst nicht mehr nur auf einen Tag, sondern (zusammen mit dem Singles Day im Vorfeld und dem Cyber Monday im Nachgang) beinah auf den gesamten November ausweitet, ist das Highlight des Weihnachtsgeschäfts und will den Konsum ordentlich ankurbeln. Die Preise sind verlockend, doch sollte man vorsichtig im Konsumrausch sein.

Noch ein paar Worte vorab: Ich möchte mit diesem Artikel niemanden verurteilen, die oder der sich zu den Rabattaktionen im November entsprechende Produkte kauft. Es stehen stets individuelle Gründe dahinter. Vielmehr möchte ich euch nachhaltige Alternativen aufzuzeigen.

„Na? Kaufst du dir was zu Black Friday?“

Ich unterstütze Black Friday nicht. Na gut: Nicht mehr. In der Zeit meines Studiums, als ich mich noch nicht sonderlich für das große Thema Nachhaltigkeit interessiert habe, waren die Amazon-Sparevents die perfekte Möglichkeit, um meine Filmsammlung auszuweiten. I mean: 5 Filme für 10 Euro – ich habe sehr oft zugeschlagen.

Doch je mehr ich mich über Nachhaltigkeit mit all seinen Facetten informiert habe, desto kritischer habe ich mich auch mit meinem Kaufverhalten auseinandergesetzt. Um es abzukürzen: Seit einigen Jahren beantworte ich die Frage „Na? Kaufst du dir was zu Black Friday?“ bewusst mit „Nein“. Aber warum sollte man das Shoppingevent des Jahres überhaupt kritisch sehen?

Eine Frau liegt auf dem Bett, vor ihr steht ihr Laptop und sie hält eine Kreditkarte in der Hand.
Es gibt einige Gründe, an Black Friday die Kreditkarte nicht zu zücken (Bildquelle: Getty Images / Maksym Belchenko)

3 Gründe gegen Black Friday

Nicht alle Schnäppchen und Rabatte sind echt

Wollt ihr euch an Black Friday und Co. etwas gönnen, ist Vorsicht geboten, denn nicht alle Schnäppchen sind auch wirklich welche. Im letzten Jahr machte die Verbraucherzentrale Niedersachsen beispielhaft darauf aufmerksam, dass ein Onlinehändler einen Kühlschrank für 279 Euro verkauft hat statt 450 Euro. Im Nachhinein stellte sich allerdings heraus, dass der vorherige Preis nur der UVP des Herstellers war und der rabattierte dem Straßenpreis ähnelte. Generell ist die durchschnittliche Ersparnis an Black Friday nicht überwältigend, sondern lag laut idealo im Jahr 2021 gerade mal bei 5 Prozent.

Hinzu kommt, dass einige Anbieter gerade an Black Friday bei ihren Produkten nicht die Qualität bieten, die sie anpreisen. Quantität steht vor Qualität und die Leidtragenden sind die Kaufenden – na gut, und die Umwelt, aber dazu später mehr.

Händler profitieren nicht immer davon

Stern macht darauf aufmerksam, dass die Rabattaktionen vieler (Online-)Händlern teilweise zu großzügig ausgeteilt werden, damit sie wettbewerbsfähig bleiben. Sie verkaufen dann zwar mehr, machen aber unterm Strich kaum Gewinne. Nicht teilzunehmen ist für viele Unternehmen auch keine Lösung: In einer Umfrage aus dem letzten Jahr zeigt Statista, dass 39 Prozent der Bevölkerung in Deutschland Einkäufe an Black Friday planten.

Ein Balkendiagramm zeigt, dass 39 Prozent der Befragten sehr wahrscheinlich etwas zu Black Friday kaufen, 31 Prozent eher wahrscheinlich, 12 Prozent eher unwahrscheinlich, 10 Prozent sehr unwahrscheinlich und 8 Prozent wissen es nicht.
Im letzten Jahr hatten knapp 40 Prozent der Befragten vor, sich zu Black Friday etwas zu kaufen (Bildquelle: Statista)

Die Umwelt leidet am meisten

Das wohl mit Abstand wichtigste Gegenargument ist die Umwelt: So sind bereits bei vielen Produkten die Produktions- und Lieferketten hochgradig problematisch für Mensch und Natur. So fordert zum Beispiel die Gewinnung Gold und Kobalt für Smartphones nicht nur viel von der Umwelt, sondern fördert auch Kinderarbeit (Quelle: BMUV). Hinzukommt einerseits der Ressourcenverbrauch für die Verpackung (und der daraus resultierende Verpackungsmüll), andererseits der CO2-Ausstoß für die Lieferung an die Händler und im zweiten Schritt an die Kaufenden (vor allem beim Online-Handel). Und die Shopping-Events finden zu einem großen Teil digital statt: Allein in den USA lagen die Online-Umsätze 2021 an Black Friday und Cyber Monday zusammen bei 19,6 Milliarden US-Dollar (Quelle: Statista).

Beim Online-Shopping ist auch der Stromverbrauch ein wichtiger Faktor. Die jeweiligen Informationen, die ihr über die Suchmaschine eurer Wahl abruft (beispielsweise ein Black-Friday-Deal bei Amazon), werden euch von Server-Computern geliefert, die in riesigen Rechenzentren stehen. Und diese fressen viel Energie – um entsprechend schnell arbeiten zu können, aber beispielsweise auch, um gekühlt zu werden (Quelle: BMUV). Da man sich das nur schwer vorstellen kann, hier eine nachvollziehbarere Rechnung: „Eine Google-Suchanfrage verbraucht 0,3 Wattstunden. 20mal gegoogelt, hat man in etwa soviel Energie verbraucht wie eine Energiesparlampe in einer Stunde.“ (Quelle: SWR).

Aber...

Jede Definition des nur schwer greifbaren Begriffs Nachhaltigkeit fußt auf den 3 Säulen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Nur wenn wir nachhaltig (also umwelt- und menschenfreundlich) wirtschaften, können wir unsere Natur erhalten und somit auch unsere Zukunft. Die obigen drei Gründe zeigen deutlich, dass an Black Friday gegen die 3 Säulen gearbeitet wird.

Aber (ja, es gibt ein „Aber“ in meiner Argumentation) ich möchte trotzdem einen wichtigen positiven Punkt des Konsum-Events nicht unerwähnt lassen: und zwar die günstigen Preise. Gerade wenn man sich beispielsweise eine sparsame Waschmaschine zum regulären Preis nicht leisten kann, sind Rabattaktionen wie Black Friday eine Möglichkeit, sich derartige kostenintensive Wünsche zu erfüllen. Mein Kollege Stefan hat in einem separaten Kommentar dieses Argument weiter ausgeführt und herausgestellt, dass man mit einer Investition in die Effizienz (Strom und Wasserverbrauch) selbst zu Black Friday nachhaltig handeln kann.

Tipps für mehr Nachhaltigkeit zu Black Friday

Doch wie kann man an Black Friday und Co. noch mehr auf Nachhaltigkeit achten? Ich möchte einige Tipps mit euch teilen, die mir vor allem anfangs zu einem bewussteren Konsum verholfen haben:

  1. Brauche ich das Produkt wirklich? Oder ist es gerade nur der Kaufrausch, der mich das kaufen lassen will? Wir alle kennen wohl Spontankäufe, die sich am Ende doch als Fehlkäufe entpuppt haben. Indem man seine Entscheidung bewusst überdenkt und sich Zeit nimmt, spart man Geld und schätzt dafür das Gekaufte noch mehr.
  2. Schaut bei Gebraucht-Händlern vorbei: Rebuy und eBay bieten beispielsweise zu Black Friday verschiedene Rabattaktionen an. Doch auch an „normalen“ Tagen kann man bei Second-Hand-Ware häufig deutlich sparen.
  3. Kauft einfach nichts an Black Friday (sofern ihr finanziell nicht davon abhängig seid, natürlich). Vielleicht kennt ihr dieses Weihnachtsphänomen: Viele fühlen sich zu Weihnachten gezwungen, bei der Familie zu sein. Entscheidet man sich erstmals gegen den traditionellen Familienbesuch, wirkt es, als hätte man ein Stück Freiheit und Autonomie zurückerobert. So ähnlich ist es auch bei Black Friday. Hat man in den vergangenen Jahren stets ein Schnäppchen mitgenommen, mindestens um die Frage anderer „Na? Kaufst du dir was zu Black Friday?“ bejahen zu können, braucht es diese bewusste Entscheidung dagegen. Und je nachdem: Vielleicht könnt ihr das gesuchte Produkt einfach vom Nachbarn (beispielsweise über nebenan.de) ausleihen?

Wie Rebuy gebrauchte Technik vor dem Weiterverkauf ausgiebig testet, erfährst du in unserem Video:

Was taugt mein altes Handy noch? So testet rebuy Abonniere uns
auf YouTube

Ihr seht, an Black Friday und Co. nachhaltige Entscheidungen zu treffen, ist nicht unmöglich. Aber es wird einem bei all der Werbung und dem Druck, zuschlagen zu müssen, wahrlich nicht leicht gemacht. Mir hat es vor allem geholfen, bewusst zu machen, was hinter derartigen Aktionstagen steckt und mich zu fragen, ob ich diese weiterhin unterstützen möchte – die Veränderung hat dann von allein eingesetzt.