Es gab Zeiten, in denen Strom und Gas nicht nur teuer, sondern einfach nicht verfügbar waren. Damals wurde die Kochkiste erfunden, die heute von vielen wiederentdeckt wird: Mit wenig Aufwand könnt ihr so beim Kochen bis zu 50 % Energie sparen und euer Essen schonend zubereiten.

 
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Während die Heizungen und das Duschwasser niedriger temperiert werden, scheint es für das Kochen keine Sparmöglichkeiten zu geben. Doch das stimmt so nicht ganz. Wenn man es richtig macht – und plant – funktioniert das Kochen mit der Kochkiste ähnlich dem „Eco-Programm“ der Waschmaschine: Etwas mehr Zeit einplanen, niedrigere Temperaturen und unterm Strich reichlich Strom oder Gas sparen. Wir erklären euch das Prinzip und wie ihr selbst zu eurer Kochkiste kommt.

Wie funktioniert die Kochkiste?

Wenn ihr etwas kocht und dann den Herd ausschaltet, kühlen der Topf und sein Inhalt relativ schnell ab, während sie die Wärme an die Umgebungsluft abgeben. Eine Kochkiste macht im Grunde nichts anderes, als diese Wärmeabgabe zu verhindern und so den Garprozess ohne Energiezufuhr zu verlängern.

Die einfachste Version der Kochkiste war früher das Bett: Man erhitzte zum Beispiel Kartoffeln, kochte sie noch ein paar Minuten und stellte dann den Topf auf die Matratze, wobei er mit dem Federbett abgedeckt wurde.

Später wurde das Prinzip „professionalisiert“: Spezielle Kisten mit der bestmöglichen Wärmeisolierung fanden sich zum Beispiel sogar in der „Frankfurter Küche“, einem Vorläufer unserer Einbauküchen.

Wie so eine Kochkiste früher aussah, seht ihr etwa hier:

Die damalige Kochkiste war eine Holzkiste oder ein kleiner Schrank, der mit Papier, Heu oder Stroh ausgepolstert war. Heutzutage gibt es noch weit effektivere Dämmmaterialien, die leicht zu verarbeiten sind, sodass man sich seine Kochkiste selbst bauen kann.

Wer eine Kochkiste hat, nutzt sie folgendermaßen:

  • Zuerst wird das Essen normal zubereitet, gewürzt und gekocht.
  • Wenn nun aber zum Beispiel Suppen, Gemüse oder ein Braten üblicherweise lange köchelnd auf dem Herd stehen bleiben und ständig weiter erhitzt werden müssen, weil sie sonst erkalten, stellt man den Topf stattdessen in die Kochkiste.
  • Die ist so isoliert, dass der Topfinhalt nur sehr langsam an Wärme verliert. Dadurch wird der Inhalt weiter gegart und das sogar schonender als üblich.
  • Das dauert allerdings auch länger, sodass ein Braten oder Eintopf schon mal mehrere Stunden brauchen können.
  • Da nichts mehr „kocht“, muss ein Anbrennen nicht befürchtet werden.

Mit dem richtigen Zeitmanagement kann man so etwa am Abend zuvor oder morgens ein Essen „aufsetzen“, das dann zur nächsten Mahlzeit bereitsteht.

Wer technisch ungeschickt ist oder wenig Zeit hat, muss sich die Kochkiste nicht selber bauen. Es gibt zum Beispiel bei eBay fertige Kochkisten für bestimmte Töpfe.

Eine weitere Alternative ist der sogenannte „Thermotopf“:

Schulte-Ufer Romana i Thermotopf, Thermobox, Topf, Schmortopf, Gartopf, Edelstahl 18/10, Ø 18 cm, 2.
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Kochkisten selber machen – so geht’s

Wenn ihr euch eine Kochkiste bauen möchtet, braucht ihr dazu nicht viel:

  • Eine Holzkiste mit Deckel, die rundherum etwa 3-5 cm größer als der Topf sein sollte.
  • Dämmmaterial wie zum Beispiel Styrodur, das sehr gut isoliert und bis zu 105 °C hitzebeständig ist. Das reicht aus, weil die Kochkiste so gebaut wird, dass das Dämmmaterial den Topf nicht direkt berührt. Rechnet vorher aus, welche Fläche ihr etwa braucht, um den günstigsten Preis zu finden. Die Platten sind in der Regel 20 oder 30 mm dick.
  • Ein Cuttermesser zum Schneiden der Styrodur-Platten sowie einen Stift, einen Zirkel und ein Lineal.
  • Doppelseitiges Teppichklebeband kann helfen, die Platte im Deckel zu befestigen.

Eine passende Holzkiste bekommt ihr zum Beispiel bei Amazon oder könnt auch mal in eurem örtlichen Baumarkt gucken.

Creative Deco XXL Große Holzkiste mit Deckel | 40x30x24 cm (+/-1cm)
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Alternativ könnt ihr dazu gleich eine Thermobox wählen, um den Temperaturverlust noch mehr zu minimieren:

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Eine gut verständliche Bauanleitung für eine Kochkiste findet ihr bei der österreichischen Umweltberatung. Dort bekommt ihr auch ein paar Rezepte für die Kochkiste.

Es ist vorteilhaft, wenn in diesem Fall der Topf an den Seiten gerade und nicht gewölbt ist, weil dann alle auszuschneidenden Löcher gleich sind. Außerdem solltet ihr die kreisförmigen Ausschnitte behalten, um sie eventuell für kleine Töpfe wieder einzulegen.

Kochen mit der Kochkiste

Die Kochkiste verlängert die Zubereitungszeit, aber verringert die Kochzeit. Das Ergebnis sind schonend gegarte Gerichte, bei denen ihr viel Energie sparen könnt.

Dazu müsst ihr nur das richtige Verhältnis aus Vorkochzeit und Nachgar-Phase wählen. Topf und Inhalt müssen noch lange genug eine Temperatur haben, die beim gewählten Lebensmittel zum Durchgaren ausreicht.

Harte Ausgangsmaterialien wie etwa nicht eingeweichte Linsen müsst ihr normalerweise etwa 1 Stunde kochen. Wenn ihr sie nun 15 Minuten vorkocht, muss der Topf noch rund 2 Stunden in der Kochkiste stehen, bis die Linsen gar sind. Ihr habt dabei also zirka 45 Minuten Energiezufuhr gespart.

Reis kocht anders. Hier reicht es aus, den üblichen „10-Minuten-Reis“ 1 Minute zu kochen und dann 20 Minuten garen zu lassen. Vollkornreis muss allerdings etwa 1 Stunde nachgaren.

Grundsätzlich schadet es nicht, wenn die Speisen länger in der Kochkiste stehen. Sie können nicht anbrennen. Aber ihr solltet euch eigene Erfahrungswerte schaffen, um nicht zum Beispiel immer matschige Kartoffeln essen zu müssen.

Hier seht ihr eine Übersicht der ungefähren Vorkoch- und Nachgarzeiten verschiedener Lebensmittel:

Lebensmittel / Gericht Vorkochen Garen in Kochkiste
10-Minuten-Reis 1 Minute 20 Minuten
Kartoffeln 5 Minuten 45 Minuten
Vollkornreis 1 Minute 60 Minuten
Hühnersuppe 10 Minuten 4 Stunden
Braten 20 Minuten 3-4 Stunden

Übrigens hat der Nudelhersteller Barilla einen Spartipp parat. Er empfiehlt euch keine Kochkiste, aber immerhin „Passive Cooking“. Bei diesem passiven Kochen sollt ihr eure Nudeln künftig nur noch 2 Minuten kochen, dann den Herd ausschalten und den Deckel auflegen. Die Nudeln garen langsam weiter, ohne Energie zu brauchen.

Eine Kochkiste lohnt sich auch, wenn ihr zum Beispiel einen Urlaub im Wohnmobil macht: Einfach alles vorkochen und dann in der Kiste garen lassen, während ihr eure Zeit mit etwas Interessanterem verbringt.

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