Viele Kunden von Telefónica/o2 erhalten in diesen Tagen eine Nachricht ihres Providers. Darin werden sie informiert, dass der Konzern ihre IBAN in Zukunft auch anders nutzen wird als bisher. Dahinter steckt eine neue Werbestrategie, die bereits Datenschützer auf den Plan ruft.

o2 will sich eurer Kontodaten bedienen: Was hinter der Mitteilung steckt

Wozu braucht euer Mobilfunkanbieter eigentlich eure IBAN? Ist doch offensichtlich, der Vertrag kostet Geld, ihr zahlt per Überweisung oder elektronischem Lastschrifteinzug (ELV) und schon sind eure Kontodaten bekannt. Außerdem: Sollte mal eine Zahlung ausbleiben, müssen o2 und Co. wissen, an wen und an welches Konto sie sich wenden. o2 aber will in Zukunft eure IBAN noch für etwas anderes nutzen und informiert derzeit betroffene Kunden darüber.

So sollen ab dem 5. September die IBAN der Kunden, die diese Kontoinformation bei Telefónica angegeben haben, „pseudonymisiert“ verarbeitet werden. Ziel der Aktion sei es, herauszufinden welche Verträge bei Telefónica mit dem jeweils gleichen Konto verbunden sind.

Davon erhofft man sich bessere Angebote machen zu können, heißt es auf einer Transparenz-Seite, die neben den Kunden-SMS ebenfalls über die anstehende Änderung informiert. Beispielsweise ließen sich Verträge zusammenführen, die bisher einzeln laufen, etwa wenn Kunden einen Mobilfunkvertrag seit Jahren hatten und sich später noch beim Festnetz-Internet für Telefónica/o2 entschieden haben. Solche Fälle, bei denen bisher keine Kombi-Vorteile genutzt werden, könne man so entdecken, wovon die Kunden profitieren.

Doch es gibt auch eine andere Seite: Theoretisch kann man die gewonnenen Erkenntnisse eben auch für andere Arten der Werbung nutzen. Erkennt man etwa durch die Zugehörigkeit mehrerer Mobilfunkverträge zu einem Konto eine Familie, könnte man gezielt passende Zusatzangebote vermarkten – ob die nun gewollt sind oder nicht.

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Kein IBAN-Zugriff für Telefónica? Kunden müssen handeln

Telefónica arbeitet mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten zusammen, um bei der Aktion auf Nummer sicher zu gehen. Dort stehe eine Bewertung laut heise noch aus. Ein ähnliches Vorgehen habe allerdings in Niedersachsen für die Volksbank Hannover zu einer saftigen Geldstrafe von 900.000 Euro geführt.

Gegenüber heise hat Telefónica zu Verstehen gegeben, dass man den Schritt nicht als problematisch betrachtet:
„Das grundsätzliche Einverständnis zur Verarbeitung der Bestandsdaten bei den adressierten Kunden wurde im Zuge des Vertragsabschlusses bereits eingeholt“, so ein Unternehmenssprecher. Zudem können betroffene Kunden mit einer Antwort auf die eingehende SMS der Nutzung ihrer IBAN für diesen Zweck widersprechen.