Shitstorm, Entschuldigung – nun ist Schluss: Die „Pinky Gloves“ werden vom Markt genommen. Ein fatales Zeichen und Einknicken vor einem wütenden Twitter-Mob.

 

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Höhle der Löwen: Periodenhandschuhe bekommen Investment

Eine nationale Tragödie erschütterte dieses Land. Wer jetzt spontan an Corona, Kinderarmut oder Alkoholismus denken muss, irrt jedoch. Diese Dramen verblassen gegen das, was am vergangenen Montag geschehen ist. In der beliebten Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ haben zwei Gründer ein Investment für ihre Erfindung „Pinky Gloves“ erhalten. Mit diesen Periodenhandschuhen, so das Versprechen, können Frauen ihre gebrauchten Tampons hygienisch und geruchlos wegwerfen.

Die Idee überzeugte Investor Ralf Dümmel, der sich mit einem Investment von 30.000 Euro in die Firma einkaufte. Früher wäre damit die Geschichte zu Ende erzählt – aber wir leben ja in der irren Welt der sozialen Medien. Oder präziser: Twitter.

Pinky Gloves werden vom Markt genommen

Bereits kurz nach der Sendung wurde dort Kritik an den „Pinky Gloves“ laut. Vom „Gendermarketing“ war die Rede, weil die Handschuhe pink seien. Auch gab es Zweifel an der Nachhaltigkeit und vor allem wurde die Frage aufgeworfen, ob die „Pinky Gloves“ nicht etwas natürliches wie die Periode problematisieren und als unhygienisch darstellen würden. Unter dem Hashtag #pinkygloves sammelten sich dann schnell böse Tweets. Nun wurden die „Pinky Gloves“ vom Markt genommen – wegen Morddrohungen gegen die Gründer, wie die SZ schreibt.

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Einknicken vor dem Twitter-Mob

Damit ist eine Grenze überschritten worden und wir als Gesellschaft sollten uns fragen, wie lange wir uns noch von einem wütenden Twitter-Mob hertreiben wollen. Man kann die „Pinky Gloves“ mit Sicherheit kritisieren, aber Morddrohungen? Wegen eines Produkts, das man einfach im Regal links liegen lassen könnte? Das geht eindeutig zu weit. Dieses endlose Shitstorm-Spiel muss aufhören. Medien tragen hier eine besondere Schuld, denn sie geben diesen Social-Media-Extremisten eine Relevanz, die sie in Wahrheit gar nicht haben. Nur allzu gerne gibt man sich der Versuchung hin, schnell fünf Tweets zu zitieren und dann Artikel mit Headlines wie „Das Netz spottet über ...“ rauszuhauen. Schneller und bequemer kriegt man kaum Klicks. Auch ich bin da nicht ganz unschuldig.

Unternehmen und auch öffentliche Personen müssen Rückgrat beweisen und sich dem Twitter-Mob entgegen stellen. Die Welt geht nicht unter, wenn es einen Shitstorm gibt oder irgendein Hashtag trendet. Diese Twitter-Extremisten sind in Wahrheit so nackt wie der Kaiser im Märchen. Niemand macht ernsthaft wichtige Entscheidungen im Leben von Shitstorms oder Hashtags auf Twitter abhängig. Alle zwei Tage wird dort ein neue Sau durchs Dorf getrieben – einfach abwarten und Tee trinken. Oder denkt heute noch jemand an: #nichtselbstverständlich ? Eben.

Update, 20.04.2021: Der Artikel wurde um die Morddrohungen gegen die Gründer erweitert.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.