Battlefield 5: „Der letzte Tiger“ ist eine der dunkelsten FPS-Kampagnen aller Zeiten

Till Wäscher 2

In Tides of War: Ouvertüre, dem ersten kostenlosen DLC von Battlefield V, wagen EA und Entwickler Dice einen radikalen Schritt: Zum ersten Mal in der Geschichte von AAA-Shootern steuert ihr in einer Singleplayer-Kampagne einen Angehörigen der Wehrmacht. Das Ergebnis: „Der letzte Tiger“ ist ein im doppelten Sinne erschütternder Panzer-Thriller mit einem Finale, das die Logik von Kriegs-Shootern komplett auf den Kopf stellt.

In seinen bisherigen Kriegsgeschichten setzte Battlefield V vergessenen Akteuren des zweiten Weltkriegs ein Denkmal: norwegischen Widerstandskämpfern, geheimen britischen Eliteeinheiten und Soldaten der franzöisschen Kolonien in Nordwest-Afrika. Doch statt in den zumindest optischen ansprechenden Landschaften von Libyen oder der Provence zu kämpfen, verschlägt es dich diesmal nach Deutschland – oder was davon 1945 noch übriggeblieben ist.

Als Panzerkommandant Peter Müller wirst du mit dem Himmelfahrtskommando beauftragt, das Vaterland gegen alliierte Truppen zu verteidigen, um die längst sichere Niederlage vielleicht einen weiteren Tag aufzuschieben. Du steuerst dabei den ganzen Stolz der Wehrmacht – den nahezu unzerstörbaren Tiger-I-Panzer, der den kleineren amerikanischen Sherman-Tanks weitaus überlegen, jedoch zahlenmäßig deutlich unterlegen ist.

Gemeinsam mit einem Fahrer und zwei frisch rekrutierten Soldaten im Teenager-Alter rollst du durch ein Setting, das der Hölle auf Erden gleicht: eine Stadt, die dem Erdboden gleichgemacht wurde, von Leichen gepflastert ist und an der an jeder Ecke gehängte Deserteure die Zivilbevölkerung zum „Durchhalten“ animieren sollen. Die Welt stand im Jahr 1945 kurz vor dem Untergang – und dem DLC gelingt es, diese apokalyptische Atmosphäre erschreckend auf den Punkt zu bringen.

Was „Der letzte Tiger“ neben der exzellenten Panzer-Action und dem überragenden Sounddesign so spielenswert macht, sind die moralischen Fragen, die deine von Anfang an aussichtslose Mission aufwirft. Inspiriert von Anti-Kriegsfilmen wie „Die Brücke“ und „Herz aus Stahl“ rollt ihr durch das Kriegsinferno, um einen strategisch irrelevanten Brückenkopf zu verteidigen.

Das Innere des Panzers mit Veteran Müller und seinen jugendlichen und völlig verängstigten Untergebenen ist dabei ein Mikrokosmos der deutschen Gesellschaft in den letzten Kriegsjahren, in denen blinder Gehorsam und verbissene Durchhalte-Parolen auf zunehmenden Widerstand und Skepsis gegenüber dem Regime prallten.

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Dabei verzichtet die Kriegsgeschichte darauf, klischeehaft vermeintlich „gute“ Wehrmachtsoffiziere bösen Nazis gegenüberzustellen. Gerade weil du im Gegensatz zu Filmen im Spiel aktiv an der Selbstzerstörung Deutschlands teilnimmst, vermittelt „Der letzte Tiger“ die Sinnlosigkeit des „totalen Kriegs“ in einer Unmittelbarkeit, die noch keinem anderen Weltkriegs-Shooter gelungen ist – sieht man von der gruseligen Entdeckung eines (geräumten) Konzentrationslagers in Call of Duty: WW2 ab.

Ohne das abrupte und überraschende Ende der Kampagne zu spoilern: In der vierten Kriegsgeschichte von Battlefield V gibt es keine Helden: Weder deine minderjährigen Kameraden, die verheizt werden, während sich Hitler in seinem Führerbunker versteckt, noch die alliierten Befreier, die du wenige Tage vor Kriegsende mit Maschinengewehren niedermähst.

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