Ich war ein bisschen enttäuscht, als Nintendo das große, neue 3D-Mario-Spiel mit „Super Mario 3D World“ angekündigt hat. Statt eines kreativen Jump&Run-Meisterwerks wie „Super Mario Galaxy“ kriegen wir also nur einen halbgaren Nachfolger zum 3DS-Titel „Super Mario 3D Land“, so meine Gedanken. Ich habe mich noch nie so gern geirrt – „Super Mario 3D World“ ist ein ganz großer Spaß!

Selbst für beinharte Nintendo-Fans gab es bisher nur eine überschaubare Anzahl an Argumenten für den Kauf einer Wii U. „Pikmin 3“ war sehr gut, hat sich aber nur wenig von seinen Vorgängern abgehoben. Mario bekam bisher nur die 2D-Behandlung und Luigi wurde zum Schattendasein als DLC-Held verdonnert. Jetzt kommt endlich ein Spiel, das mich die Magie eines „Super Mario Galaxy“ spüren lässt, auch wenn die Klasse von Marios Planetenausflug nicht ganz erreicht wird.

Super Mario 3D World Review Test.

Alt + Alt + Alt = Neu

„Super Mario 3D World“ bleibt seinem Namen treu, in dem es Elemente aus „3D Land“ für den 3DS und „Super Mario World“ für das Super Nintendo mischt. Mehr noch: Vier Charaktere stehen zur Auswahl, die sich im Gegensatz zur „New Super Mario Bros.“-Reihe auch wirklich unterschiedlich spielen. Mario, Lugi, Peach und Toad stehen zur Verfügung, ihre Fähigkeiten ähneln stark denen aus „Super Mario Bros. 2“. Mario ist also der Allrounder, Luigi kann besonders weit springen, Peach kann für kurze Zeit schweben und Toad ist extra-flink. Vor jedem neuen Level kann ich dann frei zwischen den vier Charakteren wechseln oder alternativ zufällig einen von ihnen auswählen lassen – der Heldenwechsel ist nahtlos integriert, ich habe mich tatsächlich dabei erwischt, ständig zwischen allen Charakteren hin- und herzuschalten. Außer Luigi, weil der sich doof steuert. Sorry, Luigi-Fans.

Auf der Weltkarte kann man sich neuerdings frei bewegen, was Wii U-Spieler eventuell schon aus „Sonic: Lost World“ kennen dürften. Das bringt keine echten Vorteile, lässt die Welten aber etwas zusammenhängender wirken. Die tatsächliche Spielstruktur entspricht dann der von 3D-Land, Levels werden also in einem Rutsch erledigt und nicht wie in „Mario 64“ oder „Galaxy“ mehrmals besucht, um Sterne einzeln anzusteuern. Sterne gibt es aber trotzdem, in jedem Level sind drei davon versteckt und an mehreren Stellen des Spiels werden sie benötigt, um neue Welten freizuschalten.

Seine Magie entfaltet „Super Mario 3D World“ in nahezu jedem seiner über 50 Levels – was hier an kreativen Gameplay-Ideen, audiovisuellen Tricks und Leveldesign-Genialität geboten wird, ist schlicht umwerfend. Mal springe ich über große, Ameisen-artige Insekten-Wesen, mal steuere ich nur einen Schatten an der Wand, mal reite ich auf einem Dinosaurier einen mit Hindernissen gespickten Abhang hinunter. Dann springe ich in einem Geisterhaus an Zielfahnen, die eigentlich gar nicht da sind, nur um kurz danach in einem Laval-Level Suchscheinwerfern mit Bowser-Symbolen auszuweichen, die Kugelwillis auf mich ballern, wenn ich entdeckt werde.

Bilderstrecke starten(15 Bilder)
13 Fan-Theorien, die deinen Blick auf Videospiele für immer verändern

Miauz, genau!

Neben bekannten Power-Ups wie dem Tanuki-Anzug, der Feuerblume und dem Bumerang gibt es ein paar Neuzugänge. Etwa die Glocke, die Mario und Co. in plüschige Katzen verwandelt. Das führt zum einen dazu, dass die Helden sehr alberne „Miau“-Geräusche von sich geben, zum anderen können sie jetzt steile Wände hochrennen und eine Sprungattacke durchführen. Damit reiht sich das goldene Glöckchen wunderbar in die bisherige Auswahl bekannter Power-Ups ein.

Die Kirschen stellen die zweite neue Verwandlung dar, nur dass sie eigentlich gar keine Verwandlung hervorrufen. Stattdessen duplizieren sie einfach Mario, Luigi, Peach oder Toad, wenn sie aufgenommen werden. Dann läuft man mit zwei, drei, vier oder noch mehr Versionen seines Charakters umher, die man alle gleichzeitig steuert – dass das mal chaotisch werden kann, muss fast gar nicht mehr erwähnt werden. Das neue Power-Up kommt im Verhältnis zur Katzenglocke recht selten zum Einsatz und wirkt somit eher wie ein nettes Gimmick, weniger wie eine wirklich ausgeklügelte Spielmechanik.

Mehr als ein Gimmick ist die Integration des Wii U Gamepads ebenfalls nicht. Ab und zu tauchen im Spiel lila Blöcke auf, die sich via Touchscreen zerstören lassen. Gegner kann man via Touch für kurze Zeit auf- und Geschosse festhalten und hin und wieder gibt es Plattformen, die sich nur nach einer Berührung erheben. Dabei stört es eher den Spielfluss, wenn ich meinen Blick weg vom Fernseher, hin zum deutlich kontrastärmeren Gamepad-Bildschirm lenken muss. Noch blöder sind die Fächer-Plattformen, die sich nur dann bewegen, wenn ich in das Mikro des Gamepads reinpuste – glücklicherweise tauchen die Dinger nur selten auf.

Besser gefallen mir die Toad-Levels, in denen man eine kleine Mini-Welt in Form eines Kubus vor sich sieht und einen kleinen Toad-Wanderer sicher durch das Level lotsen muss. Der ist dabei nicht so schnell wie seine Kollegen Mario und Co. und kann nicht springen. Als Spieler muss ich nun den Level-Würfel die ganze Zeit drehen und mit Toad alle Sterne sammeln, die sich darin befinden. Diese optionalen Rätsel-Level lockern zusätzlich auf und bringen noch mehr Abwechslung in das ohnehin schon unheimlich abwechslungsreiche Spiel.

Mehrspieler-Massaker

Wie seine 2D-Kollegen der letzten Jahre bietet auch „Super Mario 3D World“ einen Drop-In/Drop-Out-Mehrspieler-Modus. Bis zu vier Spieler dürfen gleichzeitig ran, Charaktere dürfen dabei nicht doppelt belegt werden, es spielt also immer nur einer Mario, einer Luig usw. – für chaotische Nachmittage mit Freunden ist das auch ganz witzig, ernsthaft spielen lässt sich der Plattformer dann aber nicht mehr. Gerade wenn man in Levels ankommt, die Plattformen haben, die sich jedes Mal bewegen, wenn irgendeiner der Spieler springt, wird es nahezu unmöglich, im 4-Spieler-Koop-Modus da durchzukommen. Zu zweit mag das Ganze noch funktionieren – für mehr Spieler ist „Super Mario 3D World“ einfach nicht wirklich ausgelegt.

Grafisch gehört „Super Mario 3D World“ zum Besten, was ich je gesehen habe. Punkt. Dieses Spiel sieht mehr nach einem Next-Gen-Titel aus, als so manches kommende Spiel für die PlayStation 4 oder Xbox One. Nintendo zeigt hier, dass die Wii U durchaus dazu in der Lage ist, mit butterweicher Framerate detaillierte Welten und toll animierte Charaktere darzustellen. Dass sie es dabei in einigen Levels mit der Farbenfreude auch mal übertreiben, kann ich ob all dieser Schönheit gern verzeihen.

Dem Soundtrack sei hiermit auch ein Absatz gewidmet, statt sich erneut auf orchestralen Bombast zu verlassen, geht Nintendo dieses Mal in eine sehr jazzige Richtung mit der Musik, die teilweise sehr an Bigbands erinnert. Remixes bekannter Themes werden von neuen Tönen ergänzt und sorgen dafür, dass ich auch noch in zwei Wochen die Musik dieses Spiel im Ohr haben werde.

SUPER MARIO 3D WORLD - Trailer 3 (Wii U).

Fazit:

Würde die Wii U nicht schon neben meinem Fernseher stehen, für dieses Spiel würde ich sie mir kaufen. „Super Mario 3D World“ ist ein würdiges 3D-Mario, das kreative Gameplay-Ideen mit erstklassigem Leveldesign koppelt, um den bisher besten Auftritt des schnurrbärtigen Klempners auf der Wii U zu feiern. Die Klasse der Galaxy-Teile erreicht aber auch 3D World nicht, dafür wagt es beim Szenario zu wenig und nervt ab und zu mit unnötigen Touchscreen-Spielereien.

Unsere Wertungsphilosophie

Wie gut kennst du Super Mario, Luigi, Prinzessin Peach & Co.? (Quiz)