Final Fantasy wird im nächsten Jahr stolze 30! Um das Jubiläum gebührend zu feiern, veröffentlicht Square Enix nicht nur bald das sehnlichst erwartete Final Fantasy 15, sondern will mit World of Final Fantasy auch ordentlich Fan-Service betreiben. Ob das funktioniert und der Ableger der beliebten JRPG-Reihe überzeugen kann, erfährst Du in unserem Test.

 
World of Final Fantasy
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World of Final Fantasy – 15 Minuten Gameplay Abonniere uns
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Quietschbunte Welten und Charaktere. Ein ausgefeiltes, rundenbasiertes Kampfsystem, das an die besten Zeiten des JRPG-Genres erinnert. Und ein Haufen bekannter Charaktere, die Dir sicherlich aus den vergangenen Teilen bekannt sind. Mit World of Final Fantasy möchte Square Enix Fans der beliebten Rollenspiel-Serie bestmöglich bedienen. Aber auch neue Spieler sollen herzlich willkommen werden mit dem deutlich niedrigeren Schwierigkeitsgrad und der vereinfachten Story.

So zumindest die Theorie. Warum es World of Final Fantasy nur teilweise gelingt, sowohl Langzeit-Fans als auch Neulinge zu begeistern und warum vor allem Pokémon-Fans einen Blick auf World of Final Fantasy werfen sollten, möchte ich an den folgenden fünf Punkten festmachen.

Punkt 1: 30 Jahre Videospiel-Geschichte in nur einem Spiel

World of Final Fantasy dreht sich hauptsächlich um die beiden Geschwister Lann und Reynn. Diese wachen in ihrer vermeintlichen Heimat Neunwaldbergen auf. Recht bald stellen sie jedoch schockiert fest, dass sie auf ihren Wegen ohne es zu merken von dem sogenannten Miragen Tama begleitet werden. Dieser offenbart den Geschwistern, dass sie einst gefeierte Helden waren, jedoch alle Erinnerungen an jene Zeit und damit auch ihre Fähigkeiten verloren haben.

Lann und Reynn – und Tama.
Lann und Reynn – und Tama.

Gemeinsam mit dem Miragen machen sich die beiden auf nach Grimoire, um die Pokémon-ähnlichen Miragen einzufangen. Auf ihrer Reise treffen sie auf einige Charaktere, die Dir aus den vergangenen Final-Fantasy-Teilen bekannt sein dürften. Das ist nicht nur als Fan-Service gedacht, sondern wird direkt in die Geschichte eingebunden. Und so erzählt Square Enix all die Geschichten noch einmal neu, die uns die letzten 30 Jahre so begeistert haben.

Aber: Weil versucht wird, 30 Jahre Videospielgeschichte in „gerade einmal“ rund 40 Stunden zu pressen, bleibt doch sehr viel auf der Strecke. Teile, die ich bislang noch nicht gespielt habe, habe ich durch World of Final Fantasy auch nicht besser verstanden, während tolle Momente aus den Teilen, die ich gespielt habe, aufgrund mangelnder Zeit gar nicht erst Erwähnung fanden. Schlimmer: Hat man sich gerade an ein bekanntes Gesicht gewöhnt, verabschiedet es sich auch schon wieder. Durch diese Hektik in der Story bleibt leider auch nicht allzu viel hängen von den Spielen, denen ich gerne viel mehr Zeit gewidmet hätte.

Punkt 2: Ein Spiel, so süß wie Zuckerwatte

In World of Final Fantasy ist alles wesentlich rundlicher, freundlicher und niedlicher als in den Teilen der Hauptserie. Während es in Neunwaldbergen in jeder Ecke glitzert, könnte der Himmel in Grimoire zumindest in den Anfangsgebieten nicht blauer sein. Am deutlichsten fällt der Stil-Wechsel aber an den Charakteren auf: Die meisten sind im niedlichen Chibi-Stil gehalten, mit rosa oder hellblaunen Haaren und viel Kitsch an ihrer Kleidung. Selbst die Dungeons sehen weitaus einladender aus als man es von Final Fantasy gewohnt ist.

In World of Final Fantasy ist alles unglaublich niedlich.
In World of Final Fantasy ist alles unglaublich niedlich.

Aber: Das quietschbunte Setting gefällt sicherlich nicht jedem. Vor allem die unendlich hohe und sehr quietschige Stimme von Tama kann nach kurzer Zeit wirklich anstrengend werden. Auch der Humor ist sehr speziell und sicherlich nichts für Spieler, die bislang nichts mit JRPGs anfangen konnten, plänkelt er doch weite Strecken nur so vor sich hin und dreht sich vor allem um Belanglosigkeiten.

Punkt 3: Pokémon-, äh, Miragen-Jagd mit Tiefe

Im Spiel ist es vor allem Dein Ziel, so viele Miragen wie möglich einzufangen. Wie in klassischen JRPGs auf der PS2 blickst Du von schräg oben auf die 3D-Welt, die Kamera richtet sich automatisch aus. Triffst Du auf Gegner, „zersplittert“ der Bildschirm und das Spiel wechselt in den Kampf-Modus. Der Kampf an sich läuft hingegen weniger Final-Fantasy-typisch ab, oftmals ist es darin Dein Ziel, gegnerische Miragen einzufangen und auf Deine Reise mitzunehmen.

Hast Du erst einmal einen Miragen gefangen, kannst Du ihn wie in Pokémon aufleveln. Allerdings lernen Deine Begleiter nicht automatisch neue Fähigkeiten. Steigt also beispielsweise dein Chocobo im Level auf, ist es Dir möglich, auf dem Mirage-Board neue Fähigkeiten freizuschalten. Je nachdem, für welche Du Dich entscheidest, variiert später die Entwicklung des Miragen. Entwicklungen sind in World of Final Fantasy nicht permanent, Du switcht also immer wieder zwischen ihnen hin und her, je nachdem welche zu Deinem Vorhaben eben besser passt. Das gibt dem Spiel weitaus mehr taktische Tiefe als es das Pendant von Nintendo von sich behaupten kann.

Im Kampf stapeln sich auf Lann und Reynn Deine gefangenen Miragen.
Im Kampf stapeln sich auf Lann und Reynn Deine gefangenen Miragen.

Miragen setzt Du natürlich wie auch Pokémon im Kampf ein. Bis zu vier der niedlichen Begleiter unterstützen Dich dabei gleichzeitig. Das sieht enorm lustig aus, da Du die Miragen auf Deinem Kopf stapelst. Während Du als Murkel (Chibi-Form) einen großen Miragen unter Dir und einen kleinen auf Dir mitnimmst, stapeln sich als Hüne (normale Größe) auf Dir ein mittelgroßer und ein kleiner Murkel. Vor jedem Kampf kannst Du theoretisch Deine Form verändern und so Deine Stärke und Fähigkeiten an den jeweiligen Gegner anpassen.

Punkt 4: Endlich wieder rundenbasiert

Während Square Enix schon seit einiger Zeit bei den Hauptspielen von Final Fantasy auf ein actionlastiges Gameplay setzt, bist Du in World of Final Fantasy wieder Zug um Zug an der Reihe – eine wahre Freude für jeden JRPG-Fan der ersten Stunde! Square Enix gelingt es, mich in die gute alte Zeit zurückzuversetzen, als ich noch genügend Zeit hatte, mich zwischen normalem Angriff, Magie und Heilung zu entscheiden und alle Möglichkeiten abzuwägen, ohne in Hektik zu geraten. Ist Dir das klassische System zu langweilig, bietet Dir World of Final Fantasy aber auch einen aktiven Kampfmodus mit höherer Geschwindigkeit, in dem Du Dich deutlich schneller entscheiden musst.

Aber: Das rundenbasierte Kampfsystem kann vor allem auf Neulinge im Genre etwas angestaubt wirken. Und für langjährige Final-Fantasy-Fans ist vor allem der Schwierigkeitsgrad im Spiel viel zu einfach, ist man von der Serie doch vor allem Hardcore-Bossfights zum Verzweifeln gewöhnt. Square Enix schafft es hier also nicht, die beiden eigentlichen Zielgruppen passend abzuholen.

Auf Deiner Reise begegnen Dir einige Charaktere, die eine kleine Nebenquest für Dich haben.
Auf Deiner Reise begegnen Dir einige Charaktere, die eine kleine Nebenquest für Dich haben.

Punkt 5: Es wird nie langweilig in Grimoire

Neben den leider recht schlauchigen Dungeons, die Du auf Deiner Reise durchquerst, gibt es in World of Final Fantasy auch einige Nebenquests und Rätsel. Das gibt dem Spiel ein bisschen mehr Tiefe und Abwechslung und macht es weniger linear. Vor allem die Rätsel sind selten repetitiv und werden im Verlauf des Spiels zunehmend fordernder.

Aber: Auch, wenn die Spielmechaniken selten repetitiv sind, das Grundkonzept der meisten Nebenquests blieb doch das Gleiche („Bringe mir Gegenstand A“). Die Rätsel sind zwar fordernd, etwas mehr Einfallsreichtum von Seiten der Entwickler hätte aber sicherlich auch nicht geschadet.

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Mein Test-Fazit zu World of Final Fantasy

World of Final Fantasy hat den hohen Anspruch, sowohl langjährige Fans des JRPGs zu begeistern als auch neuen Spielern den Einstieg in die Reihe zu ermöglichen. Von vorn herein war das ein sehr hoch gestecktes Ziel, dessen Erwartungen Square Enix nicht ganz gerecht wird. Zu einfach ist das Gameplay für wahre Final-Fantasy-Veteranen, zu komplex die Story und zu eigenwillig Setting und Stimmung, als dass das Spiel interessant für komplette Neulinge sein könnte.

Scheinbar unbeabsichtigt spricht Square Enix mit World of Final Fantasy damit aber eine ganz andere Zielgruppe an: Bist Du nämlich wie ich durch Pokémon und nicht etwa durch Final Fantasy zum JRPG-Genre gekommen, bietet Dir das Spiel die konsequente Weiterentwicklung von Pokémon, auf die wir seit Jahren vergeblich warten. Denn während Nintendo auch mit den kommenden Teilen Sonne und Mond wieder einmal hauptsächlich Kinder anspricht, widmet sich World of Final Fantasy mit dem recht komplexen Gameplay einem etwas älteren Publikum – eine große Überraschung!

World of Final Fantasy erscheint am 28. Oktober, für PlayStation 4 und die Vita. Es überbrückt damit die Zeit, die Du noch auf Final Fantasy 15 warten musst, da der Titel der Hauptreihe erst am 29. November dieses Jahres erscheint. Ob der 15. Teil endlich wieder an den einstigen Erfolg der Serie anknüpfen kann, ist aber eine andere Geschichte.

Hast Du World of Final Fantasy schon ausprobiert? Wie gefällt Dir der etwas andere Final-Fantasy-Teil?

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Wertung
8/10
“Zu einfach für Final-Fantasy-Veteranen, zu komplex und eigenwillig für Neulinge. Trotzdem eine große Überraschung: Pokémon-Fans, die sich mehr taktische Tiefe wünschen, können beherzt zugreifen!”