Mit der Rückkehr in ein Setting in der nahen Zukunft macht Battlefield 2042 vielen Fans eine Freude, doch neben Altbewährtem mangelt es dem Shooter von EA nicht an neuen Ideen – diese funktionieren nur nicht zu 100 Prozent zusammen. Eigentlich funktioniert in Battlefield 2042 gerade nichts zu 100 Prozent.

 
Battlefield 2042
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Battlefield 2042: Drei Spiele in einem

Schon in der Marketing-Kampagne haben EA und Entwickler DICE die drei Modi „All-Out Warfare“, „Hazard Zone“ und „Portal“ immer als separat gehaltene Teile von Battlefield 2042 behandelt. Tatsächlich handelt es sich auch um drei sehr unterschiedliche Spiel-Erfahrungen und gerade deren Verknüpfung führt zu Problemen. Alle drei Modi teilen sich nämlich nicht nur einen Großteil der Spiel-Inhalte, sondern auch ein Fortschrittssystem.

Für das Review-Event haben wir die PC-Version auf einem High-End-Gerät testen können, wodurch das Spiel mit maximalen Grafikeinstellungen laufen durfte. Bei der Version handelte es sich um den Build, der auch am 12. November für alle mit Early-Access-Zugang live geht. Allerdings waren bereits alle Waffen und Ausrüstungsgegenstände freigeschaltet. Für eine adäquate Bewertung ging es auch nach dem Early-Access-Launch noch mal auf das Schlachtfeld.

Battlefield 2042 – Offizieller Gameplay-Trailer

„All-Out Warfare“: Die klassische Battlefield-Erfahrung?

Neben den größeren Karten und den zumindest auf PC und Next-Gen 128 Spielenden ist die vermutlich hervorstechendste Änderung die Einführung der Spezialisten. Statt Klassen, wie in den bisherigen Spielen, gibt es in Battlefield 2042 individuelle Charaktere, die eine spezielles Gadget und eine einzigartige Eigenschaft mit sich bringen. Dafür stehen Waffen und sonstige Ausrüstung jedem Spezialisten frei, ihr seid also beispielsweise als Medic nicht an Sturmgewehre und als Sniper nicht an Scharfschützengewehre gebunden.

Ein großes Thema in Battlefield ist natürlich „Levolution“, also kleine und große Ereignisse, die das Schlachtfeld beeinflussen. Mittlerweile ist es eher ein Synonym für die Zerstörbarkeit der Map. In Battlefield 2042 sind das vor allem Naturkatastrophen und der Raketenstart auf Orbital. Einstürzende Hochhäuser werdet ihr im neuen Battlefield übrigens nicht finden. Tatsächlich beschränkt sich der Zerstörungsgrad auf Zäune und kleinere Hindernisse, sowie einige Gebäude auf ein paar der Maps. Nicht mal ein Tornado oder Sandsturm führen zu Zerstörung, sie behindern die Sicht und lassen euer HUD ausfallen.

Von der großen Zerstörungskraft eines Tornados ist in Battlefield 2042 am Ende nicht so viel zu sehen. (Bild: Electronic Arts)

Mit „Eroberung“ erwartet euch die bekannte Battlefield-Erfahrung, nur eben mit mehr Spielenden. Der Modus „Durchbruch“ setzt auch auf ein bekanntes Konzept, bei dem es ein angreifendes und ein verteidigendes Team gibt. Es müssen allerdings ganz normal Flaggenpunkte erobert werden. Dadurch ergibt sich eine große Frontlinie, an der ein Großteil der Spielenden aufeinanderprallt. Die ganze Action sorgt aber auch für viel Chaos.

Die klassische Battlefield-Erfahrung ist es also nicht geworden. Die Spezialisten verändern deutlich, wie sich das Spiel anfühlt und einige von ihnen funktionieren bei „All-Out Warfare“ nicht so richtig. Es könnte außerdem zu Problemen bei der Rollenverteilung (und Erfüllung) innerhalb der Squads führen. Ein Problem, das auch mit „Hazard Zone“ zusammenhängt.

„Hazard Zone“: Eine frische Idee, nur für wen ist sie?

Zu den gigantischen Schlachten von „All-Out Warfare“ ist „Hazard Zone“ die Gegenthese. Squads kämpfen auf den sieben bekannten Karten darum, Festplatten zu bergen und dann eine der zwei Evakuierungsmöglichkeiten zu erwischen. Dafür gibt es Credits, die ihr dann in Waffen und Ausrüstung für die nächste Runde investieren könnt. Neben den acht Squads (Sechs für PS4 und Xbox One) gibt es noch KI-Gegner, die euch das Leben schwer machen wollen. Das gelingt ihnen aber nicht so gut, da sie aus derselben Kaserne kommen wie die Sturmtruppen aus Star Wars. Immerhin gibt es ein paar Credits für die Abschüsse, die ihr sogar behalten dürft, selbst wenn ihr beide Evakuierungen vermasselt.

In „Hazard Zone“ versucht ihr Festplatten zu bergen, egal ob von abgestürzten Satelliten oder aus den kalten Händen eurer Feinde. (Bild: Electronic Arts)

Mit einem Squad, das kommuniziert und zusammenarbeitet (Grüße an Squad 12, das objektiv beste Squad des Review-Events) macht der Modus durchaus Laune. Hier kommen die besonderen Fähigkeiten und Gadgets der einzelnen Spezialisten besonders zum Tragen. Beim Kampf um den finalen Abflug von der Karte geht der Puls nach oben und es kommt Spannung und Spielspaß auf. Ein Problem könnte die Langzeitmotivation werden, denn außer Credits gibt es nicht viel zu holen und genau da entsteht ein weiteres Problem: Gute Spieler werden immer mit genug Credits versorgt sein, um die beste Ausrüstung zu haben. Allen anderen bleibt nur die kostenlose Standard-Ausrüstung und gegen gute Squads werdet ihr mit dem aufsatzlosen Sturmgewehr kein Land sehen.

„Portal“: Seid ihr Nostalgiker oder Spielkind?

Hinter „Portal“ verbirgt sich der Lichtblick von Battlefield 2042. Dies sind nämlich je zwei neu aufgelegte Maps aus den Spielen Battlefield 1942, Bad Company 2 und Battlefield 3. Die neuen Maps sehen nicht nur toll aus, sondern sind spielerisch auch gut in Battlefield 2042 umgesetzt. Ein paar Abstriche müsst ihr zwar machen, so fehlen zum Beispiel die Waffenaufsätze von Teil 3 und Bad Company 2, doch gerade für langjährige Fans wird es sich wie nach Hause kommen anfühlen.

Der wichtigste Part von „Portal“ sind aber eigentlich die Community-Erfahrungen, die ihr alle selbst erstellen dürft. Es wird sich zeigen, was die kreativen Köpfe da draußen mit den Einstellungen und dem Visual-Scipt-Tool alles anstellen werden. Ein kleiner Dämpfer ist allerdings die Beschränkung auf die Modi „Free For All“ und „Team Death Match“ bei der Erstellung eigener Spiel-Erfahrungen.

Das Erste, was von der Community an Eigenkreationen erstellt wurde, waren Modi zum Farmen von Erfahrungspunkten, woraufhin sich DICE gezwungen sah, die Erfahrungspunkte für die Community-Erlebnisse zu deaktivieren. Eine Entwicklung, die definitiv zu erwarten war.

Zurück an der kaspischen Grenze – Nostalgiker kommen in Battlefield 2042 auf ihre Kosten. (Bild: Electronic Arts)

Optik und Performance

Wie gesagt, Battlefield 2042 wurde von mir auf den maximalen Grafikeinstellungen gespielt, das hab ich zum Start allerdings mehrfach überprüft. Was mich auf den „All-Out Warfare“-Maps begrüßte, entsprach optisch nicht meinen Erwartungen. Alles wirkt matt und detailarm. Zwar sind fast alle Texturen wunderbar scharf und auch an Waffen und Fahrzeugen gibt es viele Details zu sehen, die Maps selber bleiben optisch aber hinter dem zurück, was die Trailer versprachen.

Während des Review-Events beklagten einige Teilnehmer und Teilnehmerinnen diverse Performance-Probleme wie Frame-Drops oder komplette Abstürze. Ich persönlich bin von alledem aber verschont geblieben, es könnten also ein paar spezifische Hardware-Probleme sein.

Ein paar Tage nach Early-Access-Launch wird aber klar, dass die es auf vielen Systemen zu Performance-Problemen kommt. Aber auch auf der Seite von EA und DICE gibt es Schwierigkeiten. Nicht nur das in den ersten Tagen Verbindungsabbrüche an der Tagesordnung waren (das Problem scheint weitestgehend behoben), sondern auch im Spielbetrieb kommt es zu „Rubberbanding“.

Bugs, Bugs und Bugs

Aktuell kämpft Battlefield 2042 noch mit erheblichen Bugs, die einen starken negativen Einfluss auf das Spielerlebnis haben. So könnt ihr Teammitglieder häufig nicht wiederbeleben, wenn sie auf einer Treppe liegen und ein Teil von ihnen zu nah an einem Objekt oder einer Wand ist. Dass Hovercrafts Wände hoch fahren können, ist ebenfalls keine tolle Technik aus dem Jahr 2042. Außerdem besitzen diverse Hochhäuser keine Kollisionsabfrage und ihr tickt mit eurem Jet wie ein Ping-Pong-Ball zwischen den Gebäuden hin und her. Mein Rekord ist 6 bis ich ordnungsgemäß an einer Hochhausfassade zerschellte.

Fazit

Battlefield 2042 bietet drei sehr unterschiedliche Spiel-Erfahrungen, das sorgt zwar für jede Menge Abwechslung, führt aber auch zu Problemen. Es ist beispielsweise fraglich, ob „All-Out Warfare“ und „Hazard Zone“ nicht zu unterschiedliche Spielertypen ansprechen. Damit zusammen hängt auch das Problem der Spezialisten. Die müssen nämlich in beiden Modi funktionieren und laufen sogar Gefahr, es in keinem richtig gut zu tun. Was aus „Portal“ wird, hängt ein Stück auch an der Community und der Frage, ob DICE ihr genug Tools an die Hand gegeben hat, um langfristig coole Erfahrungen zu kreieren.

Battlefield 2042 hat auf fast allen Maps einen Tornado zu bieten. (Bild: Electronic Arts)

„All-Out Warfare“

Battlefield 2042 sollte groß und spektakulär werden. Die gigantischen Karten, die 128 Spielenden und eine neue Stufe des beliebten „Levolution“-Features bleiben meiner Ansicht nach aber weit hinter den Erwartungen zurück. Die großen Karten führen schlicht zu einer Menge freier Flächen, die für nichts gut sind. Warum solltet ihr euch dauerhaft 500 Meter von der nächsten Flagge aufhalten? Es gibt dort kein Ziel zu erobern und vielleicht mal einen Gegner, der sich ebenso wie ihr fragt, was er hier eigentlich soll.

Im Modus „Eroberung“ verteilen sich die vielen roten und blauen Punkte ja noch ganz gut auf die vielen Flaggen auf der Map. Wenn im Modus „Durchbruch“ aber nur ein Punkt umkämpft wird, herrscht nicht nur totales Chaos, die Angreifer sind häufig komplett im Nachteil. Liegt die Flagge auf einem Hochhaus, wird sie von 64 Feinden verteidigt. Egal ob ihr die Treppe, den Fahrstuhl oder eine Zipline nehmt, ihr schaut immer in Läufe von mindestens zwei Squads und habt keine Chance. Um den Luftraum zu verteidigen, hat der Gegner trotzdem genug Leute.

Die grandiosen Wettereffekte sind im wahrsten Sinne des Wortes nur Effektgewitter. Der Einfluss auf das Spielgeschehen durch Tornado und Sandsturm ist gering. Die Katastrophen machen optisch zwar etwas her, doch würde ich sie jederzeit gegen echte und selbst gemachte Zerstörung auf der Map eintauschen.

Gameplay

Tatsächlich gefallen mir die Spezialisten sogar ganz gut, ich kann jedoch nachvollziehen, dass Fans der Reihe keinen „Hero-Shooter“ wollen. Die Fähigkeiten und Gadgets sorgen aber für Abwechslung und ihr begrüße es sehr, dass ich keine Limitierung bei den Waffen habe. Das Plus-System, mit dem ich die Aufsätze während des Kampfes ändern kann, ist auch recht gelungen und eröffnet tatsächlich spürbare Anpassungsmöglichkeiten an verschiedene Spielsituationen. Das dann Aufsätze identische Auswirkungen auf die Werte der Waffe haben, macht ihre Freischaltung leider redundant.

Eine Gameplay-Entscheidung, der ich nichts Positives abgewinnen kann, ist der starke „ADS-Bloom“ bei vielen Waffen. Damit ist gemeint, dass Waffen beim Zielen einen großen Radius um das Fadenkreuz haben, in dem die Kugeln zufällig landen. Falls ihr euch also schon gefragt habt, wie ihr selbst mit einem Präzisionsgewehr nach einem halben Magazin ein stehendes Ziel nicht treffen konntet, das ist die Antwort.

In Hazard Zone kommen die Spezialisten besonders zum Tragen. (Bild: Electronic Arts)

„Hazard Zone“

Mit dem richtigen Squad macht „Hazard Zone“ durchaus Spaß, ich glaube allerdings nicht, dass es Solo- und Gelegenheitsspieler langzeitig fesseln wird. Zum einen wird das Zusammenspiel mit zufälligen Squadmitgliedern durch den fehlenden Ingame-Voice-Chat extrem erschwert, zum anderen sehe ich einen zu großen Vorteil bei gut ausgerüsteten Squads. Der Modus hat noch zwei weitere Probleme. Die KI-Gegner sind nicht sonderlich schwer, stehen aber im Weg, wenn ihr Festplatten sichern wollt. Sie attackiere euch teilweise schon wenn ihr ins Match startet. Ihr müsst also kämpfen und verschwendet Munition an die übrigens wiederkehrenden Kugelfresser. Wenn dann ein anderes Squad angreift, habt ihr ein Problem. Vielleicht habt ihr den Aufklärer dabei. Gäbe es einen Voice Chat, könnte er euch warnen.

Das andere Problem sind die bewaffneten Fahrzeuge, die eindeutig zu stark sind. Das beste Mittel ist eine M5-Rakete, womit ihr mit dem Scanner für Festplatten schon zwei von vier möglichen Gadgets habt, vorausgesetzt ihr könnt die Anti-Fahrzeug-Waffen bezahlen. „Hazard Zone“ könnte mit Balancing und ein paar mehr Features, die auf längere Zeit motivieren und für mehr Abwechslung sorgen, durchaus seine Fans finden.

„Portal“

Die Neuauflagen der Maps aus den drei älteren Spielen gehören zu den großen Stärken von Battlefield 2042 und das ist auch ein großes Problem. Wenn mit das Beste an einem Spiel die mitgelieferten Neuauflagen von drei Vorgängern sind, dann stimmt etwas mit dem neuen Spiel nicht. Trotz ein paar Einschränkungen macht selbst eine bald 20 Jahre alte Map wie die Schlacht in den Ardennen unfassbar viel Spaß. Ich denke, DICE würde viele Fans glücklich machen, wenn sie diese Sparte von „Portal“ weiter ausbauen würden. Der Nostalgie-Faktor funktioniert ganz fantastisch.

Das volle Potenzial wird „Portal“ erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen, wenn die Community alles aus dem Editor rausholt.

Die Rückkehr zu den alten Battlefield-Spielen zählt zu den Highlights des neuesten Ablegers. (Bild: Electronic Arts)

Gesamtfazit

Battlefield 2042 hat in allen drei Spielerfahrungen zwar eine solide Grundlage gelegt, stellt aber zum jetzigen Stand ein unausgereiftes Spiel dar. Gerade „All-Out Warfare“ bleibt weit hinter den Erwartungen zurück und auch hinter dem, was die Trailer vermuten ließen. DICE muss noch viel Arbeit in sein neues Battlefield stecken und sich vor allem um die vielen Bugs kümmern, die das Spiel maßgeblich einschränken. Hinzu kommt, dass Battflefield völlig den Bezug zur eigenen Größe verloren hat und gerade dieser Gigantismus das Spiel zurückhält. Für mich war Battlefield 2042 dieses Jahr einfach noch nicht bereit für den Release. Glücklicherweise bieten „Hazard Zone“ und „Portal“ Spielerfahrungen, die durchaus Spaß machen.

Battlefield 2042 startete am 12. November 2021 in den Early Access, der Release erfolgt am 19. November 2021. Es gibt Crossplay zwischen den Plattformen PS5, Xbox Series X|S und PC sowie davon getrennt zwischen den Plattformen PS4 und Xbox One.

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Wertung
6.9/10
“Battlefield 2042 ist in weiten Teilen unausgereift und wird aktuell von der frischen Idee „Hazard Zone“ und dem Nostalgie-Fest „Portal“ getragen. Bugs und Performance-Probleme verhindern überhaupt den Versuch einer Annäherung mit „All-Out Warfare“. Zumindest das Potenzial für ein besseres Spiel ist da.”