23 Jahre nach dem Release von Final Fantasy 7 zieht Square Enix alle Register: Ein Remake steht in den Startlöchern und haucht dem ikonischen Klassiker mit atemberaubender Grafik, einem veränderten Kampfsystem und zahlreichen frischen Features neues Leben ein. Als alteingesessenes „Final Fantasy“-Fangirl hat Redakteurin Laura der Neuinszenierung auf den Zahn gefühlt und verrät euch in ihrem Test, wie sie sich spielt und ob ihr dem Remake eine Chance geben solltet.

 

Final Fantasy VII Remake

Facts 

Wir schreiben das Jahr 1997. Das erste Handy mit Farbdisplay kommt auf den Markt, „Men in Black“ stürmt die Kino-Charts und Final Fantasy 7 erscheint exklusiv für die PSOne.

Auch wenn Final Fantasy 1 – 6 auf dem NES und dem SNES debütierten, entschied sich Square (damals noch ohne Enix), getrennte Wege mit Nintendo zu gehen. Der Grund der Trennung? Vor allem die starke Einschränkung durch die Nutzung von Spielemodulen, an denen Nintendo bis heute festhält. Wusstet ihr, dass auf ein damaliges N64-Modul bis maximal 64 MB passen, während auf einer CD über 650 MB Platz ist? Und Square brauchte gleich drei davon!

Auf besagten drei CDs mit mehr als 40 Spielstunden war der siebente Teil der Kultserie vor allem für damalige Verhältnisse ein Mammutprojekt, an dem hunderte von Entwicklern beteiligt waren. Das mag aus heutiger Sicht nicht ungewöhnlich klingen – in den 90ern hingegen, in denen Videospiele als Unterhaltungsmedium weit hinter Film und Fernsehen lagen, war Final Fantasy 7 ein wichtiger Schritt nach vorn, der den Weg für kommende (japanische) Rollenspiele ebnete und sie auch im Westen salonfähig machten. Mit einem Metascore von 92 gehört dieser Klassiker noch heute zu den besten Spielen. Folglich stellt sich die Frage: Wieso möchte Square Enix ein so gutes Spiel noch besser machen und ist das überhaupt möglich?

Was ist Final Fantasy 7 Remake?

Genau wie das Original entführt euch Final Fantasy 7 Remake auf den Planeten Gaia. In den Schuhen des Söldners Cloud Strife kämpft ihr an der Seite der Widerstandsgruppe „Avalanche“, um die Machenschaften eines Megakonzerns namens „Shinra“ zu durchkreuzen. Die Story ist aktueller denn je: Von der Kapitalismuskritik bis hin zu der eigennützigen Ver(sch)wendung von Ressourcen.

Obgleich das Remake die Dauer eines vollständigen Spieles erreicht, handelt es sich bei diesem Teil lediglich um die Geschehnisse, die Cloud und seine Gruppe in Midgar erleben. Während Midgar im Original in sechs bis sieben Stunden abgehandelt ist, bekommt ihr im Remake die volle Dröhnung Trostlosigkeit. Angereichert mit sowohl neuen Dialogen, Charakteren und Schauplätzen als auch einem Hybrid-Kampfsystem, das Echtzeit-Action mit befehlsbasierten Elementen verbindet, erlebt ihr die Story eines der wohl ikonischsten Spiele in einem ganz neuen Gewand.

Final Fantasy 7 - Remake: Die vollständige Eröffnungssequenz.

Test-Fazit zu Final Fantasy 7 Remake

Final Fantasy 7 Remake ist anders als das Original. Denn auch wenn es dem Kern der ursprünglichen Story folgt, ist das Szenario rundherum ausgeschmückter, wenn auch nicht farbenfroher. Es ist eine komplette Neuinszenierung, die dem Original alle Ehre macht. Als erster Akt erzählt die Neuauflage zwar noch nicht viel, wirft aber große Schatten von dem voraus, was passieren wird.

Sattelt eure Chocobos, packt ein paar Phönixfedern ein – ihr werdet sie brauchen, wenn ihr mit gebrochenem Herzen auf der Couch liegt – und macht euch bereit für ein Abenteuer, das ihr lange Zeit nicht vergessen werdet. Denn egal, ob ihr Neueinsteiger oder alteingesessene Fans der Serie seid: Die Neuauflage berührt. Sie erschüttert und hinterlässt eine Leere, die nur vom nächsten Teil gefüllt werden kann.

Das sind die Stärken von Final Fantasy 7 Remake

  • Absolut phänomenale grafische Umsetzung der Hauptcharaktere und Hintergründe bis ins kleinste Detail. Das Spiel ist ein Traum in 4K.
  • Nicht nur die Grafik, sondern auch eine Vielzahl von neuen Dialogen inner- und außerhalb von Videosequenzen ermöglichen eine intensivere Charakterbindung als im Original.
  • Die Musik ist der Wahnsinn. Altbekannte Kompositionen aus der Feder von Nobuo Uematsu fügen sich immersiv in das Spielgeschehen ein. Stücke, von sanftem Ballett bis hin zu aufregenden Uptempo-Stücken sorgen für Gänsehaut und einen Cocktail der Emotionen, den selbst Abstinenzler nicht ablehnen können.

Das sind die Schwächen von Final Fantasy 7 Remake

  • Dadurch, dass der erste „Akt“ der Reihe auf Midgar begrenzt ist, wirkt das Szenario eintönig und die Story zu linear.
  • Das aufgemöbelte Kampfsystem ist eine Gratwanderung: Während der Wechsel zwischen actiongeladenen Angriffskombinationen und taktischer Zeitlupe durchaus Spaß macht, ist die Kameraführung in Kämpfen gewöhnungsbedürftig.
  • Im Vergleich zu den Hauptcharakteren gewinnen die NPCs leider keinen Schönheitspreis.
Final Fantasy VII HD Remake inkl. Dynamic Theme "Sephiroth" [Playstation 4]

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Können wir über das Kampfsystem reden?

„Fortschritt, aber auf welche Kosten?“, fragt sich nicht nur die Bevölkerung von Midgar, sondern auch der Entwickler des neuen Kampfsystems. Im Gegensatz zum Original entfernt sich das Remake vom klassischen Rundenkampf. Stattdessen bietet es Echtzeit-Action mit taktischen Elementen, was das Spielerlebnis nicht nur zeitgemäßer, sondern auch attraktiver für eine neue Zielgruppe gestaltet, die mit rundenbasierten Kämpfen nichts am Hut hat.

Doch dieser Schritt birgt nicht nur Vorteile, sondern auch Risiken. In besonders hitzigen Kämpfen kommt die Kamera selten hinterher. Der Lock-On ist zwar hilfreich, gestaltet sich aber bei einer Vielzahl von Gegnern oftmals als hinderlich. Auf dem einfachen Schwierigkeitsgrad ist dies kein Problem – im normalen Modus hingegen ist die Kamera eher eine Herausforderung als eine Hilfe, an der Square Enix sicherlich noch etwas drehen muss, bis auch sie sich natürlich anfühlt.

Insgesamt könnt ihr zu Anfang zwischen drei unterschiedlichen Modi wählen: Klassisch, Einfach und Normal. Einfach und Normal erklären sich von selbst – der klassische Modus hingegen ist angelehnt an den ursprünglichen Rundenkampf. Während Cloud und Co. nämlich angreifen, blockieren und ausweichen, gebt ihr ihnen im Taktikmodus Kommandos, sobald ihre ATB-Balken voll sind. Mit dieser Auswahl an unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden ist für jeden etwas dabei.

Zwischen Schweiß, Schutt und Schrauben

In der Episodenform, in der das Remake erscheint, liegen Chancen, aber auch viel Spielraum, um daran zu scheitern. Während sich die Entwickler darauf konzentrieren können, sowohl die Charaktere als auch die Welt bis ins kleinste Detail auszuschmücken, um so eine erdrückende Atmosphäre zu erschaffen, seht ihr nur die verwinkelten Gänge der Slums, die Mauern von Fabriken und Reaktoren. Ihr seht Schweiß, Schutt und Schrauben.

Die erste Episode ist linear, da der grundlegende Handlungsstrang in Midgar wenig Freiheiten lässt. Habt ihr das Original gespielt, wird es euch vermutlich nicht so aufgefallen sein, denn damals habt ihr euch vielmehr daran erfreut, überhaupt durch so eine cool gerenderte Spielwelt zu schlendern. Heutzutage hingegen macht es weniger Spaß, durch viele kahle Reaktoren zu laufen und auch die eingeschränkten Wege der Slums bieten Frustrationspotenzial. Genau wie damals verbietet euch das Spiel zeitweilen einen anderen Weg zu nehmen. Die Gründe dafür sind inhaltlicher Natur, aber angenehm ist es trotzdem nicht. Vor allem, wenn ihr „Open World“-Spiele gewohnt seid.

Auch wenn die Geschehnisse in Midgar einem steinigen Pfad folgen, bringen eine Vielzahl von optionalen Aufträgen, die Jagd nach Sammelobjekten und das Abliefern von Kampfberichten, um neue Materia zu erforschen, Abwechslung ins Spielerlebnis. Denn obgleich die erste Episode linear verläuft – ihr werdet euch nicht langweilen. Versprochen.

Wie viele Episoden es insgesamt geben wird, lassen die Entwickler noch offen. Das Einzige, was klar ist: Sie werden lang. Allein dieser Akt zieht sich auf die Ausmaße eines ganzen Spiels. Bedeutet? Ihr werdet nicht nur zehn, sondern locker 40 Stunden mit ihm verbringen und hoffentlich jede Sekunde davon genießen.

Cloud hat nie besser ausgesehen

Final Fantasy: Advent Children, Crisis Core, Dissidia, Kingdom Hearts – die Liste von Spielen und Filmen, in denen Cloud Strife auftritt, ist sehr lang. Als einer der bekanntesten Charaktere des „Final Fantasy“-Universums stellt ihn das Remake besser denn je dar. Wie Federn fallen ihm die Strähnen seiner markanten Stachelfrisur ins Gesicht, seine kühlen von Mako getränkten Augen fesseln. Blickduelle möchtet ihr nicht gegen ihn führen.

Entwickelt mit der Unreal Engine 4, erfährt nicht nur Cloud sondern auch die Welt um ihn herum, ein wahnsinniges optisches Upgrade. Egal ob auf der PlayStation Pro oder der älteren Maschine – Sowohl Motion Blur, Tiefenschärfe als auch die Qualität der Schatten überzeugen. Auch die Performance bleibt bei stabilen 30fps. Das Einzige, was auffällt ist, dass Bump-Maps (die Texturebene, die für den Detailgrad zuständig ist) selten etwas verzögert laden und manche Hintergrund-Texturen etwas verwaschen aussehen.

Absolut beeindruckend ist auch das Beleuchtungsmodell, das egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit großartig aussieht. Während der Großteil des Spiels in geschlossenen Räumen stattfindet, erzeugen künstliche Spotlichter nahezu fotorealistische Interaktionen mit den vorhandenen Materialien: Von den Kleidern der Helden bis zum Metall ihrer maschinellen Gegner. So erdrückend das Licht die Szenerie in den kalten, dunklen Gebäuden darstellt, so erleichternd ist jeder Augenblick, in dem die Sonne scheint.

Es ist atemberaubend, wie die Entwickler ikonische Einstellungen des Originals in neuem Licht erstrahlen lassen. Was einst einfache „Low Poly“-Modelle vor vorgerenderten Hintergründen waren, lässt selbst den komplett 3D-animierten Film Advent Children von 2005 Staub schlucken. Final Fantasy 7 Remake ist ein Spiel mit kompletten Echtzeit-Renderings, von dem 1997 nicht einmal zu träumen war.

So unfassbar gut Cloud und seine Gang jedoch modelliert und animiert sind, hatten die meisten NPCs weniger Glück mit ihrem Aussehen. Selbst wenn vollkommen nachvollziehbar ist, dass der Fokus auf den Hauptcharakteren liegt, fällt so noch mehr auf, dass NPCs oft lieblos gestaltet sind und sich dementsprechend bewegen. Bei so einem gewaltigen Spiel ist dies allerdings zu verzeihen – der Aufwand wäre weder realisierbar noch gut für die Performance. Positiv sei jedoch erwähnt, dass nahezu alle Charaktere vertont sind. Selbst die Stimmen von Passanten, die ihr auf den Straßen Midgars streift, tragen zum düsteren Szenario bei und liefern wichtige Informationen.

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Final Fantasy 7 Remake: Alle Charaktere im Überblick

Ein Chocobo-Ritt der Gefühle

Ihr wisst, was passiert und möchtet das Spiel trotzdem spielen? Macht euch darauf gefasst, dass es nicht einfacher wird, die Geschehnisse um die Truppe herum zu verkraften. Hat das Original euch bereits das Herz gebrochen, nimmt es das Remake und reißt es in tausend Stücke. Stück für Stück für Stück.

Denn nicht nur die Grafik stellt die Charaktere menschlich und nahbar dar, auch die zusätzlichen Dialoge und Schauplätze intensivieren die Bindung, die ihr zu den einzelnen Akteuren entwickelt. Während Cloud zu Anfang kühl ist, öffnet auch er sich mit der voranschreitenden Story. Das Remake lässt euch spüren, dass er mehr ist, als der coole Emo-Antiheld, den ihr anfangs erwartet. Er vermittelt ein Gefühl von Echtheit, einer Wärme und Empfindsamkeit. Neben Cloud erfahrt ihr natürlich auch mehr über Aerith, Tifa, Barret und die anderen Mitglieder von Avalanche. Auch die Geschichte von Aeriths Mutter lässt kein Auge trocken. Geht schon einmal einen Vorrat Eiscreme kaufen, ihr werdet ihn brauchen.

Wie gut kennst du Final Fantasy? (Quiz)