Mit dem OnePlus 10 Pro hat das chinesische Unternehmen, das mittlerweile in Oppo integriert wurde, ein Top-Smartphone vorgestellt, bei dem es einige neue Funktionen gibt. Andere Features fehlen dafür. Ich habe das Smartphone einige Wochen in meinem Alltag verwendet und bin zwiegespalten.

OnePlus 10 Pro im Test: Fazit

GIGA-Wertung: 7.9 / 10

Das OnePlus 10 Pro hat mich im Test mit seiner hohen Performance, dem guten Display und der langen Akkulaufzeit überzeugt. Auch die Ladegeschwindigkeit ist auf der Höhe der Zeit. Von der Hasselblad-Kamera habe ich mir etwas mehr erwartet. Auch die Zoomfähigkeiten sind im Vergleich zu anderen Flaggschiff-Smartphones eher eingeschränkt. Die Software bietet keine großen Besonderheiten und arbeitet solide. Hier erlaubt sich OnePlus keine Schwächen.

Unverständlich ist das Weglassen der IP-Zertifizierung, die es beim OnePlus 9 Pro noch gab und beim T-Online-Modell des OnePlus 10 Pro in den USA sogar gibt. OnePlus sagt, dass das Smartphone wasserdicht gebaut wurde, man sich die Kosten für die IP-Zertifizierung aber gespart hat. Passiert also ein Wasserschaden, zieht ihr den Kürzeren, denn offiziell gibt es ja keine IP-Zertifizierung. Auch die starke Hitzeentwicklung beim Spielen und der davon kommende Leistungsverlust sind unschön.

Insgesamt ist das OnePlus 10 pro ein solides Android-Smartphone, das zu einem Preis von 899 Euro insgesamt gut abschneidet. Es fehlt aber auch irgendwie die Besonderheit, die ihr beispielsweise beim Pixel 6 Pro (Test) von Google bekommt. Das Handy kostet genau so viel, doch dort bekommt ihr einen Periskop-Zoom und einzigartige Software-Features, die sonst kein anderes Handy besitzt. Wenn ihr euch das OnePlus-Handy kaufen wollt, macht ihr aber trotzdem nichts falsch.

Vorteile:

  • Display
  • Design
  • Performance
  • Akkulaufzeit
  • Update-Garantie von 4 Jahren

Nachteile:

  • Keine IP-Zertifizierung
  • Keine Möglichkeit zur Speichererweiterung

Optisch schnörkellos

Das OnePlus 10 Pro besitzt ein 120-Hz-Display. (Bildquelle: GIGA)

OnePlus hat beim Design des OnePlus 10 Pro keine Experimente gemacht. Von der Front sieht das Smartphone wie der Vorgänger aus. Es kommt ein 6,7-Zoll-Fluid-AMOLED-Display zum Einsatz, das mit 3.216 x 1.440 Pixel sehr hoch auflöst und eine variable Bildwiederholfrequenz von 1 bis 120 Hz unterstützt. Die Darstellung würde ich als sehr gut bezeichnen. Es läuft auch alles flüssig. Das Smartphone hat viel Leistung und das spürt man auch. Beim Scrolling kommt es nie zu unnötigen Rucklern oder Verzögerungen.

Die Kamera des OnePlus 10 Pro setzt sich optisch deutlich ab. (Bildquelle: GIGA)

Erst wenn ihr das OnePlus 10 Pro von der Rückseite betrachtet, seht ihr die massive Kamera mit den drei Sensoren und einem LED-Ring. Das Design wurde als Herdplatte oder Ähnliches verspottet, doch ich find es gar nicht so schlecht. Die Kamera ist deutlich von der Rückseite abgesetzt, fügt sich durch den Übergang in den Rahmen aber doch schön ins Design ein.

OnePlus hätte das Design etwas entschärfen können, indem das Unternehmen eher in Richtung Kamera-Design vom iPhone 13 Pro gegangen wäre. Also mehrere Ebenen, aber beispielsweise ein durchsichtiger Werkstoff. OnePlus hat beim 10 Pro sogar die zwei Sensoren angehoben. Doch man sieht es einfach nicht, weil fast alles Ton in Ton untergeht.

Ansonsten bekommt ihr mit dem OnePlus 10 Pro ein wirklich hochwertiges Smartphone. Unser Testgerät besitzt die grüne Rückseite mit glattem Finish. Ich persönlich würde aber die dunkle Version mit der rauen Oberfläche wählen. Das erinnert mich extrem stark an das OnePlus One, welches ich vor Jahren besessen habe. Das Handling des Handys ist insgesamt sehr gut. Es liegt angenehm in der Hand, wirkt nicht zu schwer und der Fingerabdrucksensor im Display sitzt auf einer angenehmen Höhe.

Display könnte heller sein

Die Helligkeit des Displays vom OnePlus 10 Pro könnte in einigen Situationen etwas heller sein. (Bildquelle: GIGA)

Das Display des OnePlus 10 Pro soll eine Helligkeit von bis zu 1.300 Nits erreichen. Das ist sehr viel, doch trotzdem habe ich immer das Gefühl, dass der Bildschirm in jeder Situation etwas zu dunkel wirkt. Obwohl ich oft manuell nachjustiert habe, scheint die Software meine Vorlieben nicht zu speichern und daraus zu lernen. Und auch im direkten Vergleich mit anderen High-End-Smartphones ist das OnePlus 10 Pro auf maximaler Helligkeit nicht so hell wie die Konkurrenz.

Wir reden hier nicht von einem zu dunklen Display, sondern von dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass ihr auf einem Samsung Galaxy S22 Ultra die Inhalte des Bildschirms im direkten Sonnenlicht noch gut erkennen könnt, während es da beim OnePlus 10 Pro schon etwas schwieriger wird. Das Display ist gut, doch die Konkurrenz ist besser.

Leistung ist hervorragend – solange ihr nicht spielt

Die Performance des OnePlus 10 Pro ist hervorragend. (Bildquelle: GIGA)

Bei der Performance des OnePlus 10 Pro gibt es im normalen Gebrauch absolut nichts zu meckern. Wie ich oben bereits erwähnt habe, läuft das System sehr schnell. In Kombination mit dem 120-Hz-Display macht die Nutzung wirklich sehr viel Spaß. Alles läuft flüssig, die Apps und Spiele laden schnell – genau so muss es sein.

Spielt ihr aber länger mit dem Smartphone, wie ich Diablo Immortal, wird das Handy so warm, dass die Leistung stark einbricht. Und dabei spielt es keine Rolle, welches Energieprofil ihr verwendet. Nach 30 bis 45 Minuten sinkt die Leistung so deutlich, dass das Spiel nicht mehr flüssig läuft und ich wirklich Probleme bekommen habe. Selbst mit niedrigsten Grafikeinstellungen läuft das Spiel nicht besser. Das kann nur an einer unzureichenden Kühlung liegen.

Keine Überraschungen bei der Software

Bei der Software gibt es beim OnePlus 10 Pro keine Überraschungen. (Bildquelle: GIGA)

Nach der Integration von OnePlus in Oppo wurde entschieden, dass die beiden Betriebssysteme Oxygen OS und Color OS zusammengeführt werden. Oxygen OS war immer einer der wichtigsten Vorteile von OnePlus-Handys, denn man kann wirklich viel einstellen. Auf dem OnePlus 10 Pro läuft aber weiterhin Oxygen OS 12.1 auf Basis von Android 12. Die Oberfläche erinnert stark an das pure Android, mit einigen zusätzlichen Einstellungen.

Was ich nicht so schön finde, sind die Icons. Ihr habt keine Möglichkeit dort das Design von purem Android zu wählen. Stattdessen werden die Icons alle verändert. Ansonsten bekommt ihr ein solides Betriebssystem mit einigen Einstellungsmöglichkeiten – aber ohne Besonderheiten. Bloatware ist im Grunde nicht vorinstalliert – zumindest würde ich TikTok und Netflix nicht dazuzählen. Es gibt einige OnePlus-Apps und natürlich die Anwendungen von Google.

Kurios: Ich habe zu Beginn keine Möglichkeit gefunden, wie ich das Handy ausschalten kann. Der Powerbutton startet den Google Assistant und in den Schnelleinstellungen gibt es keine Option zum Ausschalten oder Neustarten des OnePlus 10 Pro, obwohl das bei jedem anderen Smartphone der Fall ist. Tatsächlich müsst ihr die Lautstärketaste nach oben und den Powerbutton gleichzeitig drücken. Der Software-Button muss in den Schnelleinstellungen nachgerüstet werden, die aktuelle Lösung ist nämlich überhaupt nicht intuitiv.

Kamera kann nicht mithalten

Von der Hasselblad-Kamera des OnePlus 10 Pro habe ich etwas mehr erwartet (Bildquelle: GIGA)

Wenn ein Smartphone-Hersteller mit einem Namen wie Hasselblad wirbt, dann erwarte ich auch hervorragende Fotos. Die Kamera des OnePlus 10 Pro geht absolut in Ordnung, wenn ihr keine zu hohen Ansprüche habt. Stimmen die Lichtbedingungen, dann gelingen auch alle Fotos. Sobald es aber etwas dunkler wird, bekommt das Smartphone schon leichte Probleme. Der Nachtmodus sitzt nicht immer, sodass ihr eure Bilder, die ihr in der Dunkelheit macht, kontrollieren solltet, ob diese etwas geworden sind.

Beim Zoom kann das OnePlus 10 Pro mit den großen Konkurrenten nicht mithalten. Es fehlt ein Periskop-Zoom. Der 3,3x-Zoom reicht aus, um Objekte etwas näher zu holen, doch zu stark solltet ihr den Zoom nicht beanspruchen, denn die Bildqualität nimmt sichtbar ab. Das ist aber bei allen Smartphones so, die ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch digital vergrößern.

Ganz neu ist der Ultraweitwinkel mit 150°-Sichtfeld. Ihr bekommt eine Fisheye-ähnliche Aufnahme. Die Bildqualität geht in Ordnung, reißt aber auch niemanden vom Hocker. Nachfolgend habe ich einige Beispielbilder für euch:

Akkulaufzeit überzeugt

Das OnePlus 10 Pro ist mit dem 80-Watt-Netzteil in wenigen Minuten wieder vollständig aufgeladen. (Bildquelle: GIGA)

Der Akku des OnePlus 10 Pro ist im Vergleich zum Vorgänger etwas angewachsen und misst jetzt 5.000 mAh. Damit kommt ihr auch bei intensiver Nutzung locker über den Tag und habt noch ein gutes Polster für einen längeren Abend oder den nächsten Tag. Bei moderater Nutzung kam ich sogar auf zwei bis drei Tage. Beim Zocken mit hoher Helligkeit sind es dann eher so vier Stunden. Durch das beiliegende 80-Watt-Netzteil ist das Handy aber auch wieder in Minuten komplett aufgeladen. Optional könnt ihr das OnePlus-Handy auch kabellos aufladen.

Wertungen im Detail

KategorieWertung (max. 10)
Nachhaltigkeit8
Verarbeitung, Haptik und Design9
Display8
Kameras7
Software8
Performance7
Telefonie und Audio8
Speicher8
Akku und Alltag9
Gesamt7.9

Hinweis: Die Kategorie „Nachhaltigkeit“ wird zu 10 Prozent auf die Gesamtnote gerechnet.