CyanogenMod: Eine Custom ROM erobert die Android-Welt

Eine der Stärken von Android ist große Community von Nutzern, die ihre Geräte nicht einfach bloß verwenden, sondern auch tiefergehend anpassen möchten, zum Beispiel mit völlig anderen Android-Versionen. Unter all den Projekten, ragt eine Custom Firmware heraus, die für fast jedes verbreitete Gerät existiert: Die CyanogenMod. Wir erklären, was es damit auf sich hat, welche Funktionen die Custom-ROM bietet und welche Versionen es gibt.

CyanogenMod – Was ist das?

CyanogenMod ist das wichtigste und am meisten verbreitete Custom ROM (korrekt müsste es eigentlich „Custom Firmware“ heißen) für Android-Smartphones, Tablets und weitere Geräte. Derzeit (Dezember 2013) ist sie laut Gründer Steve Kondik auf rund 10 Millionen Geräten weltweit installiert. Die Zahl wächst rasant – im Juli 2012 lag die Zahl noch bei 2,7 Million Installationen. Laut eines Wired-Artikels gibt es selbst im Hause Google einige Fans, die sich CyanogenMod auf ihr Android-Device installiert haben.

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Die CyanogenMod ermöglicht, dass auch Besitzer älterer Smartphones und Tablets in den Genuss aktueller Android-Versionen kommen – selbst lange, nachdem die Hersteller ihren Support eingestellt haben. Sogar einige Geräte, die überhaupt nicht für den Betrieb mit Android vorgesehen waren, können mit der CM ausgestattet werden, etwa das HP TouchPad oder das HTC HD2. CyanogenMod basiert auf dem Open Source-Zweig von Android (AOSP). Das bedeutet dass man beim Installieren der CyanogenMod Herstelleroberflächen und -Anpassungen verliert und stattdessen ein relativ originäres Android erhält. Natürlich ist auch CyanogenMod selbst quelloffen verfügbar und kann unter Einhaltung der Lizenzbedingungen nach Lust und Laune modifiziert, kompiliert und geforkt (also abgespalten und in ein eigenes Projekt überführt) werden. Ein bekannter auf CyanogenMod basierender Fork ist beispielsweise AOKP.

Geschichte der CyanogenMod

Die CyanogenMod begann als Projekt des US-Amerikaners Steve Kondik, Nickname „Cyanogen“, der sein T-Mobile G1 mit weiteren Funktionen ausstatten und den Kernel optimieren wollte. Heute arbeitet an der CyanogenMod ein globales und lose verbundenes Entwicklerteam. Neben einer Kerngruppe von Entwicklern, die unter der Leitung von Steve Kondik zur Cyanogen Inc. firmiert sind, und die sich allgemein um die Funktionen, deren Portierung auf neue CM-Versionen sowie die Prüfung externer Code-Einreichungen kümmert, gibt es diverse Teams und Einzelpersonen, die als „Device Maintainer“ fungieren, also als Verantwortliche(r) für die Portierung von CM auf ein bestimmtes Gerät oder eine Gerätegruppe. Bekannte Unterteams sind unter anderem TeamHacksung für Samsung-Smartphones und TeamXperia für die Smartphones von Sony und Sony Ericsson.

Die Entwickler haben die Intention, so viele Teile der CyanogenMod wie möglich quelloffen zur Verfügung zu stellen. Das gelingt nicht immer, meistens müssen auch so genannte Binary Blobs, also bereits kompilierte Pakete aus den Original-Firmwares für einzelne Geräte integriert werden, so etwa für Grafiktreiber mancher Chiphersteller oder Baseband-Treiber generell. Diese Blobs zur Zusammenarbeit mit dem restlichen Teil der CyanogenMod zu bewegen, ist eine der zeitraubendsten Aufgaben für die Programmierer. Wo es möglich ist, werden diese Blobs deshalb durch Open Source-Code ersetzt.

CyanogenMod-Features

Zusätzlich zu den Funktionen von Android und diversen Performance-Optimierungen integriert die CyanogenMod noch weitere Features. Darunter etwa eine Theming-Engine, mit der die komplette System-UI optisch umgestaltet werden kann. Ebenfalls enthalten sind ein Software-Equalizer, zahlreiche zusätzliche Bedienungsoptionen, ein anpassbarer Lockscreen und vieles mehr. Zuletzt wurden diverse Security-relevante Funktionen und eine neue Kamera-App in CM integriert. Eine kleine Übersicht auf CM-spezifische Funktionen erhält man in unserem Artikel „20 Tricks für die CyanogenMod“.

GApps

Die Entwicklung der CyanogenMod ging bereits auf dem ersten in der Breite verfügbaren Android-Smartphone los, dem HTC Dream/T-Mobile G1. Bereits recht früh musste sich Entwickler Steve Kondik jedoch einen Rüffel von Google abholen, denn neben den quelloffenen Anteilen verteilte er in seiner Custom ROM auch die Google Apps für Android, zum Beispiel den Market (heute: Google Play Store) und die Gmail-App. Seitdem werden die Google Apps als von CyanogenMod abgetrenntes Paket verteilt, die man zusätzlich herunterladen und flashen muss. Dies hat den Vorteil, dass auch solche Menschen Android in Form der CyanogenMod verwenden können, die die enge Anbindung an Googles Dienste sonst scheuen.

Vor- und Nachteile von Custom-ROMs wie CyanogenMod

Vorteile Nachteile
Einer der vielen Vorteile von Custom-ROMs ist, dass diese ganz ohne unerwünschte Apps, sogenannte Bloatware, die von einigen Herstellern oder Mobilfunkbetreibern auf den Geräten „unlöschbar“ vorinstalliert werden, auskommen. Wer etwaige softwareseitige Modifikationen an seinem Smartphone vornimmt, muss in der Regel in Kauf nehmen, dass der Geräte-Hersteller die Garantieleistungen verweigert.
Wer sich für CyanogenMod oder eine andere Custom-ROM entscheidet, kommt unter anderem in den Genuss vieler Funktionen und Extras, die Stock-Android nicht vorzuweisen hat. Mit einem gerooteten bzw. entsperrten Gerät geht man unter Umständen ein Sicherheitsrisiko ein. Beispielsweise in Bezug auf die Berechtigungen verschiedener Anwendungen.
CyanogenMod steht nicht nur für viele Funktionen, sondern auch für eine unschlagbare Performance. Gerade aus Geräten, die normalerweise mit einer Hersteller-Oberfläche ausgestattet sind, lässt sich so deutlich mehr Leistung herauskitzeln. Um sich nicht versehentlich eine von Schädlingen befallene Version von CyanogenMod herunterzuladen, sollte man die ROMs im Zweifel nur von der offiziellen Webseite beziehen.
Zu guter Letzt ist eine Custom-ROM sowohl von Seiten des Systems als auch der Oberfläche sehr individualisierbar und quelloffen, womit etwaige Anpassungen kein Problem darstellen. Viele Versionen von CyanogenMod befinden sich in einem stetigen Entwicklungsstadium. Bei der ROM-Auswahl sollte man deshalb genau darauf achten, ob es sich bei der gewünschten ROM bereits um eine stabile Version handelt.

CyanogenMod-Versionen

Jeder größere Versionssprung bei Android entspricht einer neuen „großen“ CyanogenMod-Version, zum Beispiel:

Die CyanogenMod 8 wurde vom Team bewusst ausgelassen, da Google den Quellcode für das nur auf Tablets zielende Android 3.x „Honeycomb“ erst zum Release der Nachfolgeversion freigab. Da die vordere Versionsnummer der CM immer mit dem Anfangsbuchstaben des Codenamens der aktuellen Androidversion korrespondiert, besitzen die drei Jelly Bean-Iterationen Android 4.1, 4.2 und 4.3 die Versionsnummern 10, 10.1 und 10.2 – da J der 10 Buchstabe des Alphabets ist.

Seit Januar 2014 steht CyanogenMod in Version 12, die auf Basis der neuesten Android-Geschmacksrichtung 5.0 Lollipop entwickelt wird, in Form von ersten Nightly-Versionen zum Download bereit. Dabei handelt es sich um täglich neu kompilierte und noch sehr unfertige bzw. entwicklungsbedürftige Versionen. Ursprünglich hatte das Entwickler-Team erste Nightly-Builds auf Lollipop-Basis bereits für Ende 2014 angekündigt. Allerdings musste dieser Termin aufgrund des kurzfristig von Google veröffentlichten Bugfix-Updates auf Android 5.0.1 verschoben werden.

Nightly Builds, M-Builds, Release Candidates und Stable Versions

Auf dem offiziellen Download-Port get.cm kann man die CyanogenMod für insgesamt mehr als 300 Geräte herunterladen. Die Versionen sind nicht nur gestaffelt nach CM-Version, sondern auch deren Status.

  • Nightly Builds sind täglich aktualisierte Versionen, die automatisch aus dem aktuellen Codestamm kompiliert werden. Hier ist die Aktualität am höchsten, aber auch die Gefahr für Bugs und Instabilitäten.
  • M-Builds sind monatliche Versionen, die zwar noch den Status „experimentell“ haben, aber größtenteils als stabil gelten.
  • Release Candidates sind Versionen, die nicht mehr um neue Funktionen angereichert werden. Sie werden nur noch auf Fehler geprüft, bis sie in die finale Phase übergehen.
  • Stable Versions sind dann die, die als endgültig alltagstauglich gelten.

Die beiden Begrifflichkeiten „Stable Versions“ und „Release Candidate“ (RC) finden seit dem Release des neuen M6-Build der CyanogenMod 11 keine Verwendung mehr in der CyanogenMod-Welt. Grund dafür ist die Tatsache, dass vor allen Dingen die Bezeichnung “Stable” vielen Nutzern ein nicht gewährleistetes Maß an Stabilität und Sicherheit suggerierte, weshalb das CyanogenMod-Team diese erklärungsbedürftigen Versionsbezeichnungen durch Snapshots ersetzt hat. Somit verbleiben nur noch die Nightly- und Monthly-Builds. Bereits zuvor hatte sich das Entwickler-Team dazu entschlossen, die sogenannten Milestone-Releases einzustellen, um mehr Klarheit und Transparenz bei der ROM-Auswahl zu schaffen.

Wer sich über den momentanen Stand und das aktuelle Changelog der CyanogenMod interessiert, kann diese auf der Website changelog.bbqdroid.com nachvollziehen.

CyanogenMod flashen

Wer sich dafür entscheidet, CyanogenMod auf sein Gerät zu flashen, verliert dabei in der Regel seine Gerätegarantie. Der Vorgang ist für die meisten Geräte verschieden, setzt aber in der Regel voraus, dass der Bootloader entsperrt, das Gerät gerootet und ein Recovery-Modul installiert wird. Danach begibt man sich in das Recovery-Menü, zumeist durch eine spezielle Kombination der Hardwaretasten beim Start des Gerätes und installiert die vorher auf den internen Speicher des Gerätes kopierten ZIP-Files (Firmware und GApps) über die entsprechenden Menüeinträge. Zur Sicherheit sollte man dann noch einen „Full Wipe“ durchführen – also das Gerät komplett auf Werkszustand zurücksetzen.

Auf GIGA//Android haben wir einige detaillierte Flashanleitungen der CyanogenMod für verschiedene Smartphones vorbereitet.

CyanogenMod 11S – Was ist das?

Wer sich für Custom-ROMs und CyanogenMod interessiert, wird möglicherweise bereits auf CyanogenMod 11S gestoßen sein. Dabei handelt es sich um eine eigens für das OnePlus One Smartphone angepasste Version der beliebten Custom-ROM, die im Rahmen der Kooperation zwischen dem Smartphone-Start-up OnePlus und der Cyanogen Inc. entwickelt wurde. Im Gegensatz zu den herkömmlichen CM-Versionen kommt CyanogenMod 11S mit einer Google-Zertifizierung daher und bietet somit eine standardmäßige Anbindung an den Google Play Store. Außerdem gibt es jede Menge zusätzliche Funktionen, wie beispielsweise die Möglichkeit, das Display des Smartphones per Doppeltippen aufzuwecken. Ferner gewähren OnePlus und Cyanogen Inc. eine zweijährige Update-Garantie für CyanogenMod 11S.

Bereits seit November vergangenen Jahres bahnt sich allerdings ein baldiges Ende der einst so hoffnungsvollen Partnerschaft zwischen OnePlus und der Custom-ROM-Schmiede Cyanogen an. Grund für die Streitigkeiten zwischen den beiden Start-ups ist eine exklusive Partnerschaft, die Cyanogen mit dem indischen Geräte-Hersteller Micromax eingegangen ist. Damit liegen die Exklusivrechte für die Verwendung des CyanogenMod-OS nun nicht mehr bei OnePlus, infolgedessen das OnePlus One schon bald nicht mehr in Indien verkauft werden darf. Seither arbeitet OnePlus nun schon an einer eigenen Android-ROM für sein Smartphone, die bereits Anfang 2015 in einer ersten Alpha-Phase zum Download bereitgestellt wurde.

CyanogenMod – Weblinks

Dieser Artikel ist ursprünglich auf androidnext.de erschienen. androidnext und GIGA ANDROID sind jetzt eins. Mehr erfahren.
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