Mac OS X 10.7 Lion

Apple neueste Raubkatze setzt dieser Tage zum Angriff an. Das Ziel: die Brieftasche der Mac-User, beziehungsweise die Festplatte der bereitwilligen „Opfer“. Wie in der Quartalskonferenz von Peter Oppenheimer angekündigt, erblickte OS X Lion* am 20. Juli offiziell das Licht der Welt. Wir fassen die wichtigsten Funktionen des Systemupdates in Kürze zusammen.

Vorweg: In diesem Artikel können wir nicht alle Neuerungen des Löwen im Einzelnen vorstellen, richtet sich der Bericht doch in erster Linie an Laien und Neueinsteiger. Deshalb sei an dieser Stelle auf die zwölfteilige Preview-Reihe von macnews.de verwiesen, ebenso auf die zahlreichen Zwischenberichte, die stückweise mehr und mehr Funktionen enthüllten – genau richtig für Insider.

Systemweite Neuerungen
Der Kreis schließt sich: Ursprünglich wurde das ehemalige iPhone OS (heute iOS) aus Mac OS X entwickelt. Für normale Nutzer war dies jedoch nur teilweise nachvollziehbar, erfordert die Anpassung eines komplexen Betriebssystems auf einen kleineren Bildschirm doch umfassende Änderungen – die Verwandtschaft zum „großen“ Mac OS X war somit meist nur für den Kenner auf Entwicklerseite sichtbar. Heraus kam dabei allerdings ein sehr innovatives Bedienkonzept, das maßgeblich zum heutigen Erfolg der iOS-Plattform beitrug. Da ist es für Apple nur konsequent, Teile dieser Idee wiederum an den großen Bruder Mac OS X zurückzugeben. Sehr deutlich wird dies beispielsweise beim neuen Launchpad. Mit einem Knopfdruck erblickt der Anwender alle seine Programme im Vollbildmodus, kann diese auswählen, frei anordnen oder aber auch in Ordner stecken – ganz iOS-like.

Fortgesetzt wird diese Art der Systemnavigation durch Mission Control. Die Kommandozentrale des Macs vereint die bisherigen Tools Exposé, das Dashboard, Spaces und (neu) Programme im Vollbildmodus in einer zentralen Ansicht – der User erhält so schnell Zugriff auf die jeweiligen Elemente. Apropos Vollbildmodus: Auch diese Art der Programmnutzung wurde dem iOS entlehnt, unterstützt zunächst von den systemeigenen Anwendungen wie dem neuen Apple Mail 5, iCal, der Vorschau oder iLife-Apps wie iPhoto. Entwicklern steht es frei auch die eigene Software daraufhin anzupassen.

Um all dies sinnvoll nutzen zu können, versteht sich Mac OS X Lion auf erweiterte Multitouch-Gesten (Streichen, Auf- und Zuziehen, Scrollen etc.). Man sollt also entweder über ein MacBook mit entsprechendem Trackpad verfügen, oder aber – wenn nicht schon vorhanden – seinem Rechnerliebling eine Magic Mouse oder ein Magic Trackpad spendieren. Nicht unerwähnt bleiben sollte ferner der einfache Datenaustausch über AirDrop. Dateien werden so ohne jedwede Konfiguration über WLAN zwischen Lion-Usern übertragen – nett, wenn auch der vergleichbare Datenaustausch bisher über Bluetooth nicht minder schwierig, aber langsamer war.

Auch FileVault wurde überarbeitet: Apples Verschlüsselungstechnik arbeitet nun auf Volumebene (auch für externe Laufwerke) und wurde nochmals sicherer. Gleichfalls neu in Lion: Finde meinen Mac – das Äquivalent zur Lokalisierungs- und Fernsperrfunktion des iPhones. Da bisher kein Mac über ein GPS-Modul verfügt, erfolgt die notwendige Ortung über sich in der Nähe befindlicher WiFi-Netzwerke. In der Stadt funktioniert dies meist zuverlässig und relativ präzise, auf dem freien Land hingegen dürfte es problematisch werden.

Neue Funktionen speziell für „Lion-Programme“
Möchte der Anwender die folgenden Funktionen nutzen, so müssen die Programme zwangsweise entsprechend an Mac OS X Lion angepasst werden. Keine leichte Aufgabe, denn längst sind noch nicht alle Entwickler soweit, wie unser Artikel zur Thematik verrät. Doch ist dies, wie so oft, nur eine Frage der Zeit.

Sehr sinnvoll ist beispielsweise die Neuerung Auto Save: Dateien werden automatisch während der Arbeit gesichert und gehen auch bei einem unerwartenden Systemabsturz (zum Beispiel durch Stromausfall) nicht verloren. Bisher musste eine solche Funktion jeweils direkt im Programm verankert sein, hierfür wurden dann weitere Kopien des Dokuments erzeugt. Mit Auto Save wird darauf verzichtet und Mac OS X übernimmt komplett die Kontrolle. Ebenso inkludiert sind eine Rückkehrfunktion und eine automatische Sperre gegen versehentliche Änderungen.

Konsequent weitergedacht wird Auto Save durch Versionen – TimeMachine für Dokumente. Änderungen an der Datei werden stündlich „mitgeschrieben“ beziehungsweise mit jedem Aufruf, wer möchte kann dann in TimeMachine-Manier die einzelnen Versionen seines Dokumentes durchforsten und wiederherstellen. Sehr praktisch im Tagesgeschäft dürfte ebenso Resume sein: Man kennt es, der Mac wird neu gestartet (entweder nach Systemupdate oder zwangsweise durch Absturz), anschließend öffnet man alle Programme und Dateien „von Hand“. Resume macht diese mehrfachen Schritte obsolet, denn der Mac startet so, wie man ihn zuvor „verlassen“ hat. Übrigens: Dies funktioniert auch im speziellen beim Start angepasster Programme – sämtliche zuvor geöffnete Dokumente finden sich wieder.

Serverintegration
Wer die mannigfaltigen Serverfunktionen von Mac OS nutzen wollte, musste bisher auch die Server-Version erwerben – mit knapp 500 Euro wahrlich kein Schnäppchen und für Privatanwender somit meist indiskutabel. Nun, die gute Nachricht ist, dass die Trennung zwischen Client- und Server-Version nach altem Muster mit Mac OS X Lion mehr oder weniger aufgehoben wird. Allerdings wird man dennoch zusätzlich zur Kasse gebeten (Kostenpunkt 39,99 Euro*), denn die Gerüchte bestätigten sich, dass man für die Freischaltung der Serverfunktionen gezwungen wird, sich im Mac App Store ein Server-Update herunterzuladen.

Vorraussetzung für diese Erweiterung wird ein schon installiertes Mac OS X Lion sein. Schade, denn beispielsweise die neue, drahtlose Dateifreigabe für das iPad, würde sicherlich auch viele Privatnutzer interessieren. Mit dieser könnte man unter anderem Keynote-Dokumente auf dem Mac am iPad sichten, kopieren und somit im Netz gemeinsam verwenden. Andererseits halten sich die Kosten für die immense Funktionserweiterung doch stark in Grenzen, vergleicht man den zuvor genannten, dreistelligen Euro-Betrag für die ursprüngliche Version von Mac OS X Server (Snow Leopard).

Offene Fragen: Rosetta, Front Row und Co
Doch nicht nur neue Funktionen finden sich in Mac OS X Lion, denn Apple speckt auch gerne ab. So enthielten die bisherigen Entwicklerversionen weder Java, noch die Rosetta-Umgebung. Die Medienoberfläche Front Row geriet zuletzt immer mehr in Vergessenheit, kaum ein Update wurde dieser Funktion spendiert und auch die hierfür sinnvolle Apple Remote findet sich nur noch gegen Aufpreis bei den aktuellen Rechnern beziehungsweise das MacBook Air verzichtet mittlerweile gänzlich auf deren Unterstützung.

Der komplette Wegfall von Rosetta ist ebenfalls besiegelt. Fünf Jahre nach der Umstellung von PPC- auf Intel-Prozessoren dürften nur noch einige wenige Power-Mac-Kunden ihren G5-Maschinen die Treue halten, entsprechend dürften auch die meisten Programme nunmehr auf Intel-CPUs angepasst sein. Apple war nie verlegen, alte Zöpfe rigoros abzuschneiden – mit Lion haben alte PPC-Programme fortan ihre Schuldigkeit getan.

Verkaufsstart, Vertrieb? und Preise
Mac OS X Lion ist als Upgrade (Größe circa vier Gigabyte) von Mac OS X 10.6 Snow Leopard erhältlich. Eine echte „Vollversion“ gibt es nicht, ist doch eine bestehende Installation des Schneeleoparden für den Anwender notwendig. Dafür ist der Preis mit 23,99 Euro im Angesicht der vielfältigen Neuerungen ein wahres Schnäppchen. Überrascht zeigen wir uns vom neuen Vertriebsweg, denn Mac OS X Lion wird es ausschließlich als Download-Version im Mac App Store* geben.

Zwar gab es diesbezüglich im Vorfeld entsprechende Gerüchte, die radikale Umsetzung dieser Idee ohne klassischen Parallelvertrieb auf DVD und Co, sorgte dann doch für Verwunderung. Besonders Apple Händler werden darüber weniger erfreut sein, findet das einträgliche Update-Geschäft doch zukünftig ohne sie statt. Ebenso zeigt diese Vorgehensweise vom großen Selbstvertrauen Apples in die neue Servertechnik, schließlich muss der Hersteller mit einem enormen Ansturm am Veröffentlichungstag rechnen. Erfreulich: Anwender können zumindest immer noch eine startfähige DVD erstellen, beziehungsweise das entsprechende Disk-Image auf eine SD-Card oder einen USB-Stick aufspielen.

Wie schon erwähnt, erhält der Kunde auf Wunsch auch die vollständige Server-Funktionalität von Mac OS X Lion über den Mac App Store*. Vorausgesetzt wird eine bestehende Installation von Mac OS X Lion – Kostenpunkt günstige 39,99 Euro. Übrigens: Käufer eines neuen Macs, ohne Lion, erhalten das Update diesmal komplett kostenfrei – ohne die sonst übliche Bearbeitungsgebühr, die bei einem rein digitalen Vertrieb sicherlich auch schwierig zu rechtfertigen wäre. Stichtag hierfür ist der Erwerb des Macs ab den 6. Juni 2011.

Zum Abschluss noch einige Worte zu den Systemvorrausetzungen: Um für Mac OS X Lion gerüstet zu sein, muss der eigene Mac über einen Core 2 Duo, i3, i5, i7 oder Xeon-Prozessor verfügen und mindestens zwei Gigabyte Arbeitsspeicher besitzen. Somit müssen wie vermutet, Käufer der ersten Intel-Systeme auf Mac OS X Lion verzichten.

Fazit
Zweifelsohne: Der Löwe bringt allerlei nützliche Funktionen mit sich, vor allem Quereinsteigern aus der Welt des iOS wird der Mac nochmals schmackhafter gemacht. Wenn man den vielen positiven Erfahrungsberichten glauben darf, ist das “frühe” Update auch für Profi-Anwender kein Problem. Kinderkrankheiten oder Inkompatibilität bedeutender Programme sind bislang selten beobachtet worden.

Hinweis: Der ursprüngliche Artikel vom 5. Juni wurde nochmals am 6. Juni, am 30. Juni sowie am 22. Juli um zusätzliche Informationen ergänzt, beziehungsweise aktualisiert.

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