TouchWiz, Sense und Co.: Standardoberfläche Holo UI muss unter ICS enthalten sein

Frank Ritter
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In einem aktuellen Posting im Android-Entwicklerblog erklärt Adam Powell vom Android-Framework-Team eine neue Anforderung an Hardwarehersteller für Geräte mit Android 4.0 „Ice Cream Sandwich“, welche der optischen Fragmentierung von Android Einhalt gebieten soll: OEM-Hersteller von Smartphones mit Google-Lizenz müssen zukünftig die „Holo UI“ in den Android-Varianten auf ihrem Gerät mitliefern, um Google Apps und den Android Market integrieren zu dürfen.

TouchWiz, Sense und Co.: Standardoberfläche Holo UI muss unter ICS enthalten sein

Ganz so drastisch, wie diese Anforderung im ersten Moment klingen mag, ist sie nicht. Google verbietet damit nämlich nicht, dass die Hersteller von Android-Geräten mit Oberflächen wie Motoblur, TouchWiz oder Sense „skinnen“ – ganz im Gegenteil.

Fangen wir von vorne an: Die designtechnisch recht unterschiedlichen Android-Benutzeroberflächen von HTC und Co. werden viel gescholten. Dabei ist es durchaus nachvollziehbar, dass sie existieren: Zum einen möchten die Hersteller, dass ihre Smartphones und Tablets – obwohl oder gerade weil sie dasselbe Betriebssystem wie die Konkurrenz verwenden – softwareseitig Merkmale der Erkennbarkeit durch Abgrenzung und Alleinstellung bieten. Zum anderen möchten sie auch über Betriebssystem-Grenzen hinweg Konvergenzen erzielen, um die eigene Marke zu stärken. HTC etwa hat Sense auch auf seine Windows Mobile-Telefone gebracht, Samsung integriert die TouchWiz-Oberfläche auch in Bada-Phones. Daran ist per se nichts Verwerfliches und der optischen Monotonie unter den ersten Honeycomb-Tablets weint sicher niemand eine Träne nach.

Diese visuelle Verschiedenartigkeit stellte bislang aber die Entwickler von Apps vor gewisse Schwierigkeiten. Denn sie müssen Anwendungen so gestalten, dass sie überall gut aussehen und gleich benutzbar sind; egal ob sie auf einem Samsung-, HTC- oder Motorola-Androiden laufen. Bis jetzt war das nicht unbedingt gesichert, denn die Benutzeroberflächen der Hersteller passten auch optische Standardelemente an – von Schriftarten und -größen über Schaltflächen, Ladebalken, Menü-Hintergrundfarben und vieles mehr. Das verwirrt den Nutzer. Folgendes von Android Police gezeigte Beispiel eines identischen Dialoges und Menüs unter Motoblur (links) und Ice Cream Sandwich illustriert die optischen Unterschiede auf unterschiedlichen Geräten recht gut.

ui-unterschiede

Das ändert sich auch mit Android 4.0 nicht. Auch bei neuen oder aktualisierten Geräten werden die meisten Hersteller nicht die „Holo UI“ verwenden, die von Google entwickelte Standard-Benutzeroberfläche von Ice Cream Sandwich. Aber: Google fordert mit der neu angekündigten Regel, dass die Hersteller diese zusätzlich in ihren Geräten mitliefern, damit wenigstens Apps von Drittanbietern die Möglichkeit haben, in Holo UI, also ICS-Standardoptik, angezeigt zu werden. Mit ein paar Zeilen Code können App-Entwickler somit ihre Applikationen so gestalten, dass sie über alle Geräte hinweg konsistent aussehen und funktionieren.

Diese Entwicklung ist letzten Endes für alle Seiten von Vorteil:

  • Die Gerätehersteller können ihre eigene Benutzeroberfläche jetzt in einer vom Standard-Android-Framework getrennten Codebasis pflegen und müssen nicht bei jeder Version ihre eigenen optischen Anpassung auf das Android-Standardskin „drüberbügeln“. Das vereinfacht die Programmierung von Geräteupdates.
  • Entwickler können für ihre Apps auf Wunsch auf ein Framework zugreifen, auf das sie sich verlassen können. Das vereinfacht deren Arbeit, weil keine Sonderfälle und Eventualitäten mehr bedacht werden müssen. Stattdessen schafft Google Standards, an denen Entwickler sich orientieren können, aber nicht müssen.
  • Der Benutzer erhält in der Tendenz mehr Apps mit einer konsistenten Oberfläche – über Gerätegrenzen hinweg. Das schafft Vertrautheit in der Bedienung von Apps und wirkt der Fragmentierung von Android entgegen.

Ihr seht: Diese neuen Anforderungen sind eine gute Sache für Android, von der auch Googles Hardwarepartner profitieren. Ein guter und geschickter Schachzug des Android-Teams. Oder seid ihr anderer Meinung? Wir freuen uns über eure Kommentare.

Google Developer Blog [via Android Police]

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