Urahn des iPad und iPhone: Apple Knowledge Navigator

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Die Krux mit den Zukunftsvisionen: Wer erinnert sich nicht an all die ambitionierten Vorhersagen diverser Sci-Fi-Autoren und selbsternannter Zukunftsforscher. In der Realität des frühen 21. Jahrhunderts entpuppen sich diese Fantasien aus der Vergangenheit zumeist als Hirngespinste. Der Apple Knowledge Navigator ist da eine seltene Ausnahme, denn dieser hypothetische Zukunftsentwurf beschreibt unsere Gegenwart, bestehend aus iPhone, iPad, iCloud und Co, sehr treffend.

Urahn des iPad und iPhone: Apple Knowledge Navigator

Rückblick: Stand der Technik der 80er Jahre

Wir schreiben das Jahr 1987: Die Mehrzahl der Computer-Nutzer quält sich noch durch die Kommandozeile – DOS gilt mittlerweile als Branchenstandard. Grafische Benutzeroberflächen findet man dagegen schon bei Apple, Amiga und Atari – eine Minderheit. Windows steckt noch in den Startlöschern und gilt eher als Witz, denn als Kopie der zuvor genannten Systeme. Mobile Rechner sind eine Seltenheit, die Masse der Anwender greift auf Desktop-PCs zurück. Mobiltelefone gelten als Spielzeug der oberen Zehntausend, finden Verwendung bei fiktiven Börsen-Verbrechern wie Gordon Gekko und funken noch analog.

Musik kaufte man sich im Plattenladen, Filme sah man im Kino oder auf VHS und Nachrichten gab es im Fernsehen, Radio und gedruckt auf Papier. Das Internet war allein den Nerds und Hackern vorbehalten – das WWW noch unbekannt. Kurzum: Eine bizarre Welt, aus der Sicht der spätgeborenen „iTeens“.

Vision: Eine Idee reift bei Apple

1987 hieß der Apple-CEO nicht Steve Jobs, sondern John Sculley. Selbiger wurde Jahre zuvor von Jobs noch bei Pepsi abgeworben. Zum Dank oblag es Sculley – im Auftrag des Vorstands – den egomanischen Mitbegründer Apples 1985 vor die Tür zu setzen. Nun hatte der ehemalige Zuckerwasserverkäufer die alleinige Macht auf der Obstplantage und durfte seine eigenen Ideen und Visionen zu Papier bringen. In seiner Autobiografie „Odyssey“ beschrieb er seinen Entwurf des persönlichen Computers für das frühe 21. Jahrhundert – genannt Knowledge Navigator.

Dieser Rechner nahm vom heutigen Blickwinkel betrachtet eine Vielzahl von Entwicklungen vorweg. Allen voran die weltweite Vernetzung auf Basis hypertextueller Informations-Datenbanken – heute verstehen wir darunter das World Wide Web. Eine Technologie die schon wenige Jahre nach Konzeptvorstellung Einzug hielt und dem Internet zum eigentlichen Durchbruch verhalf.

Zur Visualisierung seiner Idee des Knowledge Navigator wurde im selben Jahr ein Werbevideo von Apple in Auftrag gegeben, dass der abstrakten Idee Form und Funktion gab...

Check: Knowledge Navigator vs. iPad und Co

Nicht wenigen Betrachtern des Konzeptvideos beschleicht ein Déjà-vu, schaut man sich auf dem heutigen Schreibtisch um. Die Vision der 80er des letzten Jahrhunderts ist heute größtenteils schon Realität – faszinierend, würde es ein grünblütiger Alien mit spitzen Ohren formulieren. Noch grotesker: Apples Vision spielt am Mittwoch, den 16. September 2009 – fast eine Punktlandung in der Voraussage. Werfen wir einen Blick auf die Details im Film.

Die Form: Ein Tablet
Der Knowledge Navigator im Video ist ein Tablet – ein flacher, mobiler Touchscreen-Rechner. Unzweifelhaft holte man sich die Inspiration hierfür bei bestehenden Konzepten von Alan Key (Dynabook). Dabei gleicht dieser Tablet in Bedienung einem iPad – schließlich finden wir keinen Stift, stattdessen dient die Hand der Steuerung. Noch nicht bei Apple umgesetzt wurde jedoch ein klappbares Display. Das Sony Tablet P ist da schon einen Schritt weiter.

Künstliche Intelligenz: Sprachassistent
Im Film sehen wir einen persönlichen Agenten, der jedes Wort seines Benutzers versteht, Termine organsiert, Informationen sucht und bereitstellt. Auch wenn Sprachverständnis und Synthese noch nicht dem Niveau des Knowledge Navigator entsprechen, mit Siri beschreitet Apple die ersten Schritte in diese Richtung.

Kommunikation: Videokonferenz
Ein Videoanruf über FaceTime ist für iPhone- und iPad-Nutzer heutzutage eine Selbstverständlichkeit – damals eine kühne Zukunftsvision. Kurios: Während des Gesprächs im Video werden Dateien gemeinsam geteilt und bearbeitet. Das frühere iChat und heutige „Nachrichten“ (Messages) in OS X 10.8 Mountain Lion beherrschte schon die artverwandte Funktion iChat Theatre – FaceTime auf iPhone und iPad wartet da noch auf ein Update.

Bedienhilfen: Texte und Co
In einem weiteren Video zur Zukunft der Computerindustrie (aus dem Jahr 1988) hat Apples Knowledge Navigator einen weiteren Aufritt. In einer Szene des Informationsvideos (ab Minute 3:35) sehen wir einen älteren Mitbürger der einen Text Wort für Wort dem Navigator vorliest, um so besser Lesen zu lernen – Analphabetismus kann auch heute noch ein Problem darstellen. Gegenwärtig beherrscht iOS die Funktionalität des Vorlesens (Bedienhilfen, VoiceOver). Spezielle Apps für Legastheniker nehmen sich der Problematik im Besonderen an – beispielsweise .

Des Weiteren nutzt der Herr die eingebaute Webcam zum scannen eines Textes – kein Problem für diverse Apps dieser Tage (zum Beispiel ). Ebenfalls erwähnenswert: Die aktuelle Entwicklung bezüglich QR-Codes.

Moral von der Geschicht

Es ist erstaunlich wie treffsicher der Knowledge Navigator die Entwicklung der nächsten zwei Jahrzehnte vorwegnahm. Noch erstaunlicher ist, dass Sculleys Vision vorbehaltlich seines Urhebers von Steve Jobs adaptiert wurde und mit iPhone und iPad schlussendlich in die Hände der Menschen gelang.

Apropos: Mit dem Newton im Jahre 1993 sollten die ersten Ideen Sculleys zum Knowledge Navigator tatsächlich umgesetzt werden. Er war einer der ersten PDAs, einen weitreichenden Erfolg konnte er jedoch nicht für sich verbuchen. Sculley musste im selben Jahr seinen Schreibtisch in Cupertino räumen und Steve Jobs veranlasste als eine seiner ersten Amtshandlungen nach seiner Rückkehr die Einstellung der Newton-Produktreihe (1998).

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