WD My Cloud im Test: Privat-Cloud mit Flaschenhals

Flavio Trillo
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Die Begriffe „private Informationen“ und „Öffentlichkeit“ vertragen sich nicht. Wer aber unterwegs nicht auf wichtige Fotos, Videos und Dokumente verzichten möchte, brauch Cloud-Speicher. WD verspricht mit der My Cloud einen sicheren Hafen für private Daten.

Mit WD My Cloud habt ihr euren eigenen Cloud-Speicher im Heimnetzwerk und könnt auf Fotos, Videos und andere Dateien zufreigen und diese teilen, sofern ihr mit dem Internet verbuinden seid.

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Die Private Cloud: WDs zweiter Versuch

Es ist nicht das erste Mal, dass wir WDs Cloud-Lösung unter die Lupe nehmen. Während WD My Book Live (getestet von Sebastian) aber noch mit etwas umständlicher Bedienung und einem „unauffäligen“ aber „zweckmäßigen“ Äußeren daher kam, will die My Cloud mehr. 2, 3 oder 4 Terabyte (fest verbauter) Speicher verbergen sich in einem weißen Kunststoffgehäuse. Immer noch unverkennbar eine externe Festplatte, aber zumindest kein grau-schwarzer Klotz mehr neben silbernen bis weißen Macs auf dem Schreibtisch. Optisch auf jeden Fall angenehm.

Äußerlichkeiten und Software

Zur Verbindung stehen USB 3.0 (abwärtskompatibel zu USB 2.0) und ein Gigabit-Ethernet-Anschluss zur Verfügung. Dazu Netzstrom und ein Kensington-Sicherheitssteckplatz. Insgesamt nichts außergewöhnliches, aber auch auskömmlich. Über den USB-Port können wir die interne Festplatte direkt befüllen. Außerdem lassen sich so externe Festplatten mit eigener Stromversorgung oder USB-Sticks anschließen und ebenfalls als Cloud-Speicher nutzen. Leider kann man das Gehäuse nicht öffnen und die Festplatten tauschen — jedenfalls nicht ohne Gewalt und ohne die Garantie aufs Spiel zu setzen. Ob übers iPhone, iPad, den iPod touch oder Mac/PC: Zugriff erhält man mithilfe der App My Cloud. Man bekommt sie im App Store (kostenlos), beziehungsweise auf den Webseiten von WD.
Entwickler: Free

Einfach und übersichtlich: Cloud-Konfiguration für jedermann

Die Konfiguration erfolgt aus dem Heim-Netzwerk über eine Web-Oberfläche. Das Dashboard erreichen wir im heimischen Netzwerk über die URL wdmycloud.local. Einfacher geht es mithilfe des kleinen Programms WD Quick View. Die Bedienoberfläche ist äußerst übersichtlich und gut zu verstehen. Hier richten wir Benutzer und Freigaben ein, ganz ohne Netzwerkkenntnisse.

Neue Ordner sind von Hause aus als „öffentliche Freigaben“ konfiguriert. Das heißt nicht, dass sie jeder sehen kann. Nur wer sich mit den korrekten Benutzerdaten an der My Cloud anmeldet, kann sie sehen oder bearbeiten. Allerdings ist das nur einigermaßen sicher, wenn jedem Benutzer auch ein Kennwort zugewiesen wurde. Ist dies nicht der Fall, kann jeder mit Kenntnis des Benutzernamens im Netzwerk auf eure Daten zugreifen.

Die Einstellung „private Freigabe“ bedeutet, nur einzelne Anwender sehen den Ordner. Welche, bestimmt ein kleiner Schalter. Wie gesagt — alles kinderleicht.

Den Zugriff von außerhalb des Heimnetzes erhält nur, wer den richtigen Code eingibt. Dieser wird für jeden Cloud-User ein Mal generiert und in der mobilen App als Zugangsschlüssel verwendet. Mit „Safepoints“ können wir den aktuellen Stand der My Cloud (Daten und Einstellungen) sichern. Dazu ist allerdings eine weitere Festplatte — oder eine weitere WD My Cloud nötig.

Die Verbindung zu den „externen“ Clouddiensten müssen wir mit der WD My Cloud nicht komplett kappen. In der mobilen App sind Verbindungen zu Dropbox, Google Drive oder Skydrive schnell geknüpft. Die Datenmigration von den herkömmlichen Cloud-Diensten zum privaten Wolkenspeicher ist so ein Kinderspiel. Von Mac oder PC kommt man über ein weiteres Programm (nach der Einrichtung der My Cloud nun schon mindestens das dritte im Bunde) oder über eine Web-Anmeldung. Diese erfordert Java 7.

Zusatzfeatures: Wozu die Cloud noch gut ist

Was kann man also mit der WD My Cloud alles anstellen? Nun, abgesehen von dem vordergründigen Datei-Sharing gibt es noch ein paar Zusatzfunktionen. Nett ist die Fähigkeit, als Time-Machine-Laufwerk im WLAN zu fungieren. Außerdem können wir für jeden Ordner einzeln das Media-Streaming aktivieren. So werden darin gesicherte Musik, Filme und Fotos direkt an DLNA-fähige Endgeräte gesendet. Auch mit iTunes-Mediatheken kann die My Cloud umgehen. Eine gute Sache, nutzt man so in einem Haushalt mit mehreren Computern, Tablets oder Smartphones ganz einfach einen zentralen Musikspeicher.

WD My Cloud: Fazit — Sehr gut, mit kosmetischem Potential

Ein Wermutstropfen ist das Design der iOS-Anwendung. Sie erinnert in Zeiten von iOS 7 doch noch all zu stark an den Look der Vorgängerversion iOS 6. Da ist Anpassung vonnöten. Außerdem ist die Anzahl der notwendigen Programme zur Verwaltung des heimischen Wolkenspeichers. Neben den hier genannten steht auch noch WD SmartWare zur Verfügung — sie steuert automatische Backups und ist damit vor allem für PC-Anwender interessant. Letztlich hat so eine heimische Cloud aber doch nicht nur Vorteile. Die gesamte Benutzererfahrung, wie viel Spaß die Cloud unterwegs macht, hängt nämlich von einem Flaschenhals ab: Der eigenen Internetverbindung. Ist hier die Upload-Geschwindigkeit nicht ausreichend (in meinem Fall nur 1 Mbit/s), müssen Fotos erst komprimiert, Videos sorgfältig nach Größe ausgewählt werden. Bei allen Sicherheitsbedenken, die mit dem Umleiten der eigenen Daten über Dropbox, Google Drive und andere US-Unternehmen einhergehen: Den Komfort des schnellen Zugriffs auf die Daten von überall gibt man auf, wenn der eigene Upstream nicht schnell genug ist. Berücksichtigt man dies und ist mit ausreichend Bandbreite auch für Uploads ausgestattet, ist die WD My Cloud eine recht feine Sache. Sobald man herausgefunden hat, welche Software man wirklich benötigt, fällt die Bedienung leicht. Sie hat sich gegenüber der WD My Book Live noch verbessert, ist einfacher zu bedienen und auch für Anfänger gut geeignet. Die WD My Cloud ist ab sofort in drei Speichergrößen erhältlich: Vorteile + Einfache Bedienung + iTunes-Mediaserver, Time-Machine-Unterstützung + USB 3.0 Nachteile – Recht viel unterschiedliche Software – könnte zentraler sein

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