80 Arten zu sterben

Die Dishonored-Spiele folgen alle demselben Prinzip: Eine Reihe von Attentatszielen muss ausgeschaltet werden. Wer diese Personen sind, eröffnet sich dem Spieler teilweise zu Beginn des Spiels und auch im Verlauf der Missionen. Manchmal gilt es erst Rätsel zu lösen, um ein neues Areal mit einem neuen Ziel zu erschließen. Der Weg zum jeweiligen Ziel ist dem Spieler immer selbst überlassen. 

Das ist auf zwei Arten gemeint. Zum einen gibt es viele unterschiedliche Wege, die durch einen Levelabschnitt führen. Auch hier gibt es hin und wieder kleine Rätsel, die neue Wege eröffnen oder der Spieler erhält von einem NPC einen Hinweis, wo sich ein weiterer Weg befinden könnte. Zum anderen gibt es viele Wege ein Ziel auszuschalten. Durch Magie wie beispielsweise die Manipulation der Zeit, die geistige Übernahme eines NPCs, ein kräftiger Windstoß und noch vieles mehr ermöglichen schon viele Arten ein Ziel auszuschalten. Eine Handarmbrust, eine Pistole, Granaten oder eine Klinge sind die handfesteren Tötungswerkzeuge

Hier sind 80 Arten ein Ziel aus Dishonored 2 zu erledigen:

 

Dishonored: Die Maske des Zorns

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Dishonored: Die Maske des Zorns

Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, die Spiele komplett zu beenden, ohne einen einzigen Gegner zu töten. Zwar gibt es die Attentatsziele, die aus dem Weg geräumt werden müssen, das geht jedoch auch ohne selbst direkt für deren Tod verantwortlich zu sein. Von Bestechung, über öffentliche Diskreditierung oder dem Versehen mit dem Brandmal eines todbringenden Kults, jedes Ziel kann auf eine nicht (direkt) tödliche Art beseitigt werden.

In den Arealen des Spiels warten noch Händler und Nebenaufgaben auf den Spieler, und in den Gassen und Häusern der Städte verbergen sich Geheimnisse, die zum Erkunden einladen wollen. So können in der Welt zum Beispiel Knochenartefakte gefunden werden, die unterschiedliche positive Effekte auf den Charakter haben. Eine Kombination aus bis zu sechs Artefakten ermöglicht es, den Spielstil zu verfeinern. Waffen-Upgrades gibt es beim jeweiligen Technik-Spezialisten zu kaufen, zuerst müssen aber die Blaupausen gefunden werden. Die magischen Fähigkeiten werden mit Runen verbessert, auch deren Auffinden lädt zum Erkunden der Level ein.

Kein Teil der Reihe schreibt dem Spieler einen bestimmten Spielstil vor. Ob auf leisen Sohlen ohne einen Mord oder als brutale Killermaschine, beide Stile und alles dazwischen, bieten durch Waffen, Equipment, Fähigkeiten und die vielen Herangehensweisen an ein Ziel jede Menge Spaß. Das Vorgehen und die Entscheidungen des Spielers haben Auswirkungen auf den Spielverlauf und auch auf das Ende. Geht ihr gewaltsam vor, erhöht sich der Chaos-Faktor des gesamten Spiels, die Folge sind mehr Gegner und ein eher brutales Ende der Geschichte. Dieser Faktor wird auch durch euren Umgang mit NPCs in Nebenaufgaben beeinflusst. 

Dishonored schickt den Spieler in ein Areal und markiert das Ziel. Danach heißt es: Mach mal! Diese Spiele leben von der Freiheit und dem Raum für Kreativität, den sie dem Spieler geben.

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Die Entwicklung war ein mutiger Schritt

Der Mix aus Genre und Szenario machte aus Dishonored eine sehr nischige Spielreihe. Viktorianischer Steampunk ist nicht gerade ein Mainstream-Thema, noch dazu verfolgten die Arkane Studios ihr ganz eigenes Design des Szenarios. Auf die klassischen Elemente wie Nieten und Messing wurde verzichtet, und statt „Steam“ gab es Walfischöl. Das Stealth-Genre hat durch Assassin's Creed oder Hitman zwar sehr populäre Vertreter und auch die „Metal Gear Solid“-Reihe erfreut sich großer Beliebtheit. Auch nicht ungenannt bleiben dürfen Reihen wie Deus Ex oder Watch Dogs. Mit Ausnahme von Assassin's Creed sind diese Spiele aber alle in der Gegenwart oder der Zukunft angesiedelt. Die Thief-Reihe hat eine zumindest ansatzweise mit Dishonored vergleichbare Stimmung, ist aber beim Reboot 2013 an sich selbst gescheitert. 

Mit Assassin's Creed scheuten die Arkane Studios aber nicht den Vergleich. Sie hatten sogar die Courage, Die Maske des Zorns im selben Monat auf den Markt zu bringen wie Assassin's Creed 3 und stellten sich mit einer neuen IP einer bereits etablierten und sehr populären Marke.

Alles in allem also ein eher riskanter Start für die Reihe, darüber waren sich die Verantwortlichen bei den Arkane Studios aber bewusst. In einem Interview mit Rock, Paper, Shotgun verriet Gründer Raphaël Colantonio im Jahr 2013 auf die Frage nach dem kommerziellen Erfolg des ersten Tells:

„Es ist eine Bestätigung für uns, denn Dishonored war die Art von Spiel, die wir immer machen wollten. So etweas ist immer schwierig zu verkaufen. Sind solche Spiele zugänglich genug? Ist der Markt bereit dafür? Versteht der Publisher die Idee dahinter? Waren wir gut darin? Ich weiß es nicht.“

Indie-AAA, eine einzigartige Mischung

Die Neuinterpretation von Steampunk, die großen Freiheiten beim Gameplay und das hohe Maß an Kreativität machten das Nischenprodukt wohl einzigartig genug, um nicht unterzugehen. Gerade die vielen Möglichkeiten das Spiel zu durchqueren und an die Ziele zu gelangen geben Dishonored einen hohen Wiederspielwert

Im ersten Teil ging die Freiheit sogar so weit, dass das Spiel nach wenigen Minuten beendet werden konnte. Das war zwar nicht beabsichtigt, funktionierte aber tatsächlich. Wir erfahren aus der Noclip-Dokumentation über die Arkane Studios, dass es Spielern gelang, den Attentäter Daud zu erledigen, bevor dieser die Kaiserin ermordet und die Geschichte des ersten Spiels in Gang bringt.

Durch die Fähigkeit, die Zeit anzuhalten, konnten sie mit Objekten, die durch Magie in der Luft schwebten, dorthin gelangen, wo die Attentäter herkommen, ohne die Zwischensequenz auszulösen, welche dann zum Mord führt. Am Ziel angekommen töteten sie Daud einfach und das Spiel fror kurz ein, um dann einfach schwarz zu werden. Es scheint fast, als akzeptiere es, dass der Spieler einen Weg gefunden hat, es anders, auf eine nicht vorgesehene Weise zu beenden.    

Die Dishonored-Spiele sind nicht perfekt und hatten vor allem auf technischer Seite einige Mängel. Gerade der zweite Teil hatte auf dem PC erhebliche Grafik-Probleme. Trotzdem halten die meisten Reviews fest: „So gut war Stealth schon lange nicht mehr.“ 

Es gibt noch eine weitere Sache, die Dishonored besonders macht. Es ist einfach nur ein Singleplayer-Spiel ohne irgendwelchen Season Pass-Schnickschnack. Schon 2012 bekamen viele Spiele einen Multiplayer aufgedrückt, um langfristig Profit zu generieren. „Games as a Service“ - ihr alle kennt es. Wie Game Director Harvey Smith in einem Interview mit Kotaku erzählte, gab es aber von Publisher-Seite (Bethesda) keinen Zwang dem Spiel etwas in der Art anzutun. Redakteur Jason Schreier fasste es 2012 so zusammen:

„Es ist beides, eine Original-IP und eine reine Singleplayer-Erfahrung. Es ist das Einhorn der Gaming-Industrie.

Das letzte oder das nächste Einhorn?

Über ein Dishonored 3 gibt es aktuell nichts zu berichten. Die IP scheint bei Bethesda gerade zu ruhen. Die Arkane Studios arbeiten aktuell an Deathloop. Gameplay gibt es noch nicht, aus einem Trailer von der E3 2019 wissen wir nur, dass zwei Charaktere in einer Spirale des „Sich-gegenseitig-Tötens“ gefangen sind. Das Ganze kommt im 70er Jahre-Look daher und klingt zumindest ein wenig abgedreht und einzigartig - klingt nach den Arkane Studios. 

Deathloop: Ankündigungstrailer (E3 2019)

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