Dual Universe ist komplexer als Minecraft, obwohl es noch in den Kinderschuhen steckt

Marina Hänsel 5

Industrieller, Minenarbeiter, Pilot, Innenarchitekt – was wollt ihr sein? In Dual Universe könnt ihr das fast so frei entscheiden, wie im echten Leben. Die womöglich vielversprechendste Antwort auf Eve Online hat mich auf einen Trip durch ihr seltsam leeres Sonnensystem eingeladen, und ich bin mit einem neugierigen „Ay, Captain!“ an Board gegangen.

Die Vision vom Science-Fiction-MMO Dual Universe ist es, 1 Millionen Spieler gemeinsam in einer Welt, einem Sternensystem, spielen zu lassen. Das könntet ihr in allgemeiner Gamer-Mundart Single-Shared-MMO nennen, ein MMO also, bei dem alle Spieler gleichzeitig auf demselben Server umherkrabbeln. Mit anderen Worte: Das, was EVE Online macht. Und in dem Ausmaß tatsächlich nur EVE Online, dessen Protagonisten kleine Punkte auf einem Gitternetz sind, begleitet von Textblöcken und vielen vielen vielen anklickbaren Punkten, die coole Dinge tun.

Denn Rechenleistung ist hier der Clue: Derart viele Spieler in ein Universum zu stecken ist eine fantastische, aber nahezu unmögliche Idee. Wer soll das alles berechnen? Wie soll das Spiel stabil bleiben? Ganz besonders, wenn es eben keine abgespeckte Grafik hat, sondern euch ganze Planeten besuchen lassen möchte. Dual Universe hat Planeten. Und Monde. Und First-Person- sowie Third-Person-Perspektive, in der ihre eure Astronauten durch ein großes, leeres Sonnensystem steuern könnt. Nahezu unmöglich? Das MMO antwortet mit 30.000 Spielern auf einem Server in der Alpha, und dem Ziel, auf 50. 000 Spieler in der Alpha 2 zu erhöhen. Die läuft bereits seit Juli, und ich durfte zusammen mit Entwickler Novaquark ins Spiel beamen und mir ein Bild von den Fortschritten machen.

Ihr schreibt das Spiel, nicht die Entwickler

Meine Reisen durch den Weltraum haben mich schon Anfang des Jahres nach Dual Universe verschlagen. Damals habe ich über 1 Millionen Spieler in einem Universum gesprochen, über Raumschiffe und über Planeten, die ihr komplett abbauen könntet. Jetzt, ein halbes Jahr später, hat sich nichts verändert – und doch ist es anders. Das Gras ist grüner. Das Wasser wässriger. Die Wolken wolkiger. Die Stadt, in der ihr startet, ist größer. Also haben Novaquark Texturen verbessert und ein paar nette Gebäude hinzugefügt? Nah, nicht ganz, „Das, was du siehst, haben alles die Spieler in Alpha 1 und Alpha 2 gebaut“, erklärt mir Olivier Derache, seines Zeichens PR-Manager von Novaquark.

Warte. Alles das hier? Diese ganze Stadt? „Oh nein, das hier sind nur ein paar ausgewählte Objekte und Gebäude, die wir hier zeigen.“ Oh. Dual Universe ist noch nicht einmal aus der Alpha herausgekrochen, wird aber jetzt schon von der Community geformt: Spieler basteln unterschiedlichste Raumschiffe, Gebäude; sie dekorieren Büro-Räume und bauen Bagger. Ja, ich habe einen Space-Bagger gesehen und er funktionierte sogar halbwegs.

Was bedeutet es für ein Spiel, zehn- oder gar hunderttausende Spieler auf einem Server zu beherbergen? Im Falle von Eve Online bedeutet es spielerbetriebene Unternehmen und Organisationen, die ihre ganz eigenen Geschichten schreiben. Dual Universe will es dem Sci-Fi-MMO gleichmachen, erweitert das Konzept aber um eine Survival-Komponente:

„Du kannst alles bauen, was du willst. Es ist komplexer als Minecraft, du kannst etwa die Formen anpassen.“

Bauen und Abbauen gehört zu den Grundprinzipien des Spiels. Ihr schürft nach einem wertvollen Metall, verkauft es auf dem Markt und könnt euch dafür genau das Bauteil leisten, was eurem Raumschiff gefehlt hat. Das wiederum werdet ihr brauchen, immerhin wartet ein ganzes Sonnensystem da draußen – angefüllt mit zehn Planeten und etlichen Monden, die ihr alle besuchen könnt.

Euer Schiff muss nicht hübsch sein, um fliegen zu können. Aber durch die endlosen Möglichkeiten, die das Bausystem bietet, könnt ihr trotzdem eurer Fantasie freien Lauf lassen. TIE-Fighter, Raumschiff Enterprise oder lieber ein ganz neues Design? Falls das Anfertigen von Raumschiffen genau euer Ding ist, könntet ihr diesen Job in Dual Universe übernehmen – und den ganzen lieben langen Tag nichts anderes tun.

Das ist nur ein Beispiel. Gen Ende meines Ausflugs ins Sonnensystem von Dual Universe zeigt mir Derache eine industrielle Anlage. Die können Spieler seit den Beginn der Alpha 2 im Juli selbst bauen: Maschinen, die mit Öfen und Behältern verbunden werden, um Rohstoffe in große Menge weiterzuverarbeiten. Wie Minecraft-ig! Der Prozess geht in Echtzeit vonstatten und setzt sich auch dann fort, wenn ihr das Spiel verlasst. Derache zeigt mir dazu einen Schaltplan im Spiel, eine Art Karte, mit der ihr kontrollieren könnt, welche Behälter wie verbunden wurden. Das ist auch praktisch, denn die Map verrät mir gleichsam, ob irgendwelche Prozesse gerade nicht funktionieren – möglicherweise habe ich diese eine Kiste falsch angeschlossen?

Gut, dass die Entwickler auch daran gedacht haben. Nur haben sie das gar nicht – denn kurz darauf wird mir erklärt, wie diese Karte wurde von den Spielern angefertigt und programmiert wurde. Das mag nur ein Detail sein, und doch verdeutlicht es wunderbar, wie Dual Universe funktioniert. Während Novaquark daran arbeitet, die Server stabil zu halten und das Spiel mit Werkzeugen auszustatten, sind es die Spieler selbst, die hier eine Welt erschaffen. Ähnlich zu EVE Online – nur, dass Dual Universe mehr Möglichkeiten bieten wird, sollte das Konzept tatsächlich funktionieren.

Das könnte dich auch interessieren:

Bilderstrecke starten
18 Bilder
No Man's Sky früher und heute: Eine Reise durch die Zeit.

Der nächste Schritt nach EVE Online?

„Der Traum von Dual Universe ist alt: Eine virtuelle Welt zu erschaffen, in der ihr als Spieler eine Art zweites Leben führen könnt. Keine NPCs, nur Spieler. Keine Missionen, aber Aufgaben, die ihr von anderen Spielern bekommt. Keine Story, außer jene Geschichte, die ihr als fiktive Gesellschaft schreibt. Wenn alle Spieler auf einem Sandbox-Server Platz haben, bilden sich ganz von selbst gesellschaftliche Strukturen. Wie in EVE Online: Es klingt vielleicht verrückt, aber da gibt es von Spielern geführte Organisationen und Unternehmen, die ganz wie im echten Leben funktionieren. Mit Mitarbeitern, Chefs, CEOs und einer Human Resources-Abteilung, die neue Spieler rekrutiert. Das ist wie ein zweiter Job, und warum auch nicht? Warum sollten Menschen sich anders verhalten, nur weil sie gerade in einer virtuellen Welt agieren?

Die meisten Spiele können euch nicht derart viele Freiheiten bieten, und sobald ihr in einem MMO auf verschiedene Welten und Server aufgeteilt werdet, seid ihr zu wenige, um eine Gesellschaft bilden zu können. Dual Universe will euch aber nicht nur eine Masse an Spielern geben, wie EVE Online – es will euch auch eure eigenen Städte bauen lassen. Das ist absolut verrückt, wenn ihr mich fragt. Und toll. Sollte das Konzept aufgehen, erhascht ihr hier vielleicht einen kleinen Ausblick auf jene Spiele, die in Zukunft auf uns warten. Und ja: Ich rede von dem Genre an virtuellen Welten, vor dem uns Dystopien zuweilen warnen.“

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung