Jeder, der einmal einen Computer zusammengebaut hat, kam früher oder später zu der Frage, wie viel Strom der PC und seine Komponenten doch letztendlich benötigen, um zu funktionieren. Hier erklären wir euch, wie und wo ihr dies herausfinden könnt. Los geht’s!

Es sei gesagt, dass viele Hersteller sowie unabhängige Seiten ihren eigenen Netzteilrechner anbieten. Hier stellen wir euch ein paar davon vor und zeigen euch außerdem, worauf ihr noch bei der Auswahl eines Netzteils (auch PSU genannt) achten solltet.

Ups! Diese Fehler solltet ihr vermeiden:

So funktionieren Netzteilrechner

Beim Berechnen der Leistung eines Netzteils, angegeben in Watt (W), habt ihr das Ziel, die benötigte Leistung für euren PC herauszufinden. Jede der PC-Komponenten benötigt genügend Strom, um einwandfrei zu funktionieren. Ein Netzteilrechner summiert die Leistung der Komponenten auf und gibt dann die insgesamt benötigte Leistung wieder. Ihr solltet aber zuzüglich der berechneten Leistung noch circa 15% bis 25% dazurechnen, weil der Wirkungsgrad von Netzteilen nie 100% ist, sondern, je nach Verarbeitung und Preisklasse, von 75% bis 90% variiert.

Beispiel: Ihr habt nach Angabe der Leistung aller Komponenten 300 W berechnet, somit ist der Gesamtstromverbrauch bekannt. Addiert ihr noch etwa 50W drauf, also 300 W + 50 W, erhaltet ihr einen ausreichenden Puffer für etwaige Aufrüstungen in der Zukunft. Rechnet ihr nochmal bis zur Nennleistung nochmal etwa 20% drauf, also 350 W + 70 W, erhaltet ihr schon einen Wert, an dem ihr euch orientieren könnt, um ein Netzteil auszuwählen. Hier wären es etwa 420 W. Bei der Wahl der Nennleistung rundet ihr auf, nicht ab, um genug Puffer zu garantieren. 

Der Puffer dient zur Sicherheit, um zu gewährleisten, dass ihr genug Leistung parat habt, falls ihr euer System später mal erweitern wollt ohne das Netzteil auszutauschen. Netzteile sind in diesem Bereich in der Regel mit 450 W und 500 W auf dem Markt erhältlich. Hierbei lohnt es sich, Kaufberatungen zu lesen.

Wie wählt ihr euer Netzteil

Ihr wisst nun ungefähr, wie viel Gesamtleistung euer System benötigt. Doch worauf kommt es bei der Wahl eines Netzteils noch an? Worauf genau solltet ihr Acht geben? Im Internet werdet ihr oftmals die Theorie vorfinden, dass die 80 Plus Zertifizierung ein Richtwert für ein qualitativ hochwertiges Netzteil ist, doch das ist eine Irreführung. Qualitativ hochwertige Netzteile müssen nicht unbedingt eine 80 Plus Zertifizierung haben. Ist jedoch eine gekennzeichnet, ist das definitiv kein schlechtes Zeichen.

Nun stehen euch beispielsweise zwei Netzteile zur Auswahl: Zum einen ein AeroCool Xpredator 400W und zum anderen ein SilverStone Strider Essential Series 500W Netzteil. Welches wählt ihr?

Das AeroCool 400W Netzteil hat eine 80 Plus Bronze Zertifizierung, das andere nicht. Sie beide haben fast die gleiche Stromstärke und somit eine identische Leistung auf dem +12 Volt Kanal und genau darauf solltet ihr zuerst schauen, denn sie ist für die Versorgung des Prozessors und Mainboards zuständig. 

Das ist ein guter Vergleich zwischen zwei Netzteilen, denn hierbei zeigen wir euch, dass es nicht auf die Nennleistung ankommt, die groß bedruckt auf dem Netzteil und der Verpackung drauf steht, sondern dass ihr das Kleingedruckte lesen solltet.

Wie teuer Gaming sein kann, beweist dieses Exemplar:

Wie ist der Rechner aufgebaut?

Bei Kalkulatoren für Netzteile aus dem Internet müsst ihr eure Komponenten auswählen und aufzählen und außerdem angeben, was ihr zusätzlich an Extras angeschlossen habt. Dazu gehören beispielsweise Soundkarten, RGB-Beleuchtung, weitere Lüfter und so weiter – denn ohne solche Bauteile funktioniert ein PC auch. Jedoch werden diese Extras nicht bei jedem Netzteilrechner gefragt, in dem Fall addiert am Schluss der Berechnung etwas mehr Leistung dazu.

Diese Punkte müssen angegeben werden:

  • Beim Prozessor: Hersteller AMD oder Intel, Serie beispielsweise Ryzen 5 oder i7, Generation R5 3000-er oder i5 9000-er Gen., genaue Modellbezeichnung wie beispielsweise AMD Ryzen 5 3600 oder intel i5 9500
  • Wieviele CPUs betreibt ihr? → also keine Kernanzahl, sondern wieviele Prozessoren physisch auf dem Mainboard stecken, im Normalfall eine CPU
  • Wird die CPU übertaktet?
  • Bei der Grafikkarte gibt es ebenso zwei Hersteller zur Auswahl: AMD oder Nvidia, Serie zum Beispiel Raedon oder GeForce, Generation beispielsweise XT oder GTX, Modellbezeichnung zum Beispiel AMD Raedon XT 5700 oder Nvidia GTX 1070
  • Beim Arbeitsspeicher kommt es weniger auf die Kapazität oder Frequenz an – Gebt an ob es sich um DDR3 oder DDR4 Speicher handelt und wieviele Slots belegt sind.
  • PCIe Steckplätze für erweiterte Karten wie Soundkarten, Netzwerkkarten, RAID-Controller oder TV-Tuner müsst ihr auch angeben – das sind Extras
  • Festplatten und optische Laufwerke – gemeint sind sowohl SATA-Eingänge aber auch NVMe M.2 SSDs.
  • Aufladung von Geräten über USB: Ladet ihr beispielsweise euren Laptop an einem der Ausgänge?
  • Prozessorlüfter und Wasserkühlung respektive Pumpe für Wasserkühlung (12V) oder Flüssigkeitskühlung und weitere Gehäuselüfter

... wenn euch die Stromrechnung egal ist:

Webseiten für Netzteil-Kalkulatoren

Auf diesen Webseiten findet ihr Kalkulatoren für die Berechnung der benötigten Leistung für euer Netzteil:

  • Universeller Netzteilrechner: Auf der Webseite Netzteilrechner.de stoßt ihr auf einen übersichtlich strukturierten Kalkulator, der euch etwas detaillierter nach euren Komponenten abfragt.
  • Weiterer unabhängiger Kalkulator: unter Netzteil-rechner.net findet ihr einen weiteren benutzerfreundlichen Kalkulator, der euch ebenfalls nichts überflüssiges fragt
  • Only 4 Gamers: Auf der Seite Only4gamers.de wird euch zusätzlich erklärt, worauf es bei der Wahl eines Netzteils speziell für Gamer ankommt.
  • be quiet! Netzteilrechner: Der PSU-Kalkulator des Netzteilherstellers be quiet! ist übersichtlich gestaltet, weshalb dort ebenfalls keine unnötigen oder überflüssigen Parameter einzugeben sind
  • Seasonic Calculator: Leider lässt sich die Seite Seasonic.com nicht ganz auf deutsch umstellen, kann jedoch für jeden das beste Netzteil finden.

Natürlich könnt ihr die Werte eurer PC-Komponenten auch manuell zusammen rechnen. Beachtet dabei aber, dass ihr nichts vergesst!