Android ohne Google? EU-Bürger bekommen freie Wahl

Simon Stich

Freie Wahl bei Browser und Suchmaschine: Nach Druck der Europäischen Union möchte Google seine Android-Kunden in Europa nun doch fragen, ob sie nicht lieber ein Produkt der Konkurrenz nutzen möchten. Der Konzern will so einer heftigen Millionenstrafe entgehen – die Fehler von Microsoft auf dem Desktop sollen sich wohl nicht wiederholen.

Android ohne Google? EU-Bürger bekommen freie Wahl

Statt Google: Nutzer bekommen mehr Auswahl bei Android

Google stellt bekanntlich nicht nur das mobile Betriebssystem Android her, sondern installiert auch die eigene Suchmaschine sowie den Chrome-Browser gleich mit. Da der Konzern in vielen Teilen der Welt über eine ausgesprochen große Marktmacht verfügt, könnten Konkurrenten so leicht ins Abseits geraten. Um einer Strafe der EU-Wettbewerbshüter zu entgehen, haben sich beide Seiten nun auf eine Lösung geeinigt, berichtet WinFuture.

In Zukunft möchte Google seine Android-Nutzer fragen, ob sie die Google-Suchmaschine und den Google-Browser Chrome haben möchten. Produkte der Konkurrenz, wie zum Beispiel die Suchmaschine von Microsoft (Bing) oder der Browser von Opera, sollen gleichberechtigt angeboten werden. Sollte der Konzern diese Ankündigung in nächster Zeit in die Tat umsetzen, wird von Brüssel keine Millionen-Rechnung nach Mountain View geschickt.

Freie Wahl: Google will auch  existierende Android-Nutzer befragen

In der Ankündigung im offiziellen Google-Blog heißt es etwas überraschend, dass die freie Wahl bei Browser und Suchmaschine nicht nur bei neuen Android-Smartphones eingeführt werden soll. Auch existierende Nutzer mit Android werden allem Anschein nach nachträglich gefragt, ob sie umsteigen möchten. Wie das genau geschehen soll, ist der Ankündigung leider nicht zu entnehmen. Es ist aber gut möglich, dass EU-Bürger mit Android-Smartphone bald einen Dialog mit Auswahlmöglichkeiten präsentiert bekommen.

Google möchte die Wahlfreiheit nur in der EU anbieten. In anderen Gebieten müssen Android-Nutzer Apps der Konkurrenz auch künftig selbst herunterladen. Innerhalb der EU besteht natürlich jetzt schon die Möglichkeit, auf den Browser und die Suchmaschine von Google zu verzichten. Nutzer müssen hier aber selbst aktiv werden.

In der aktuellen Android-Version werden Nutzer noch nicht gefragt, mit welchem Browser und welcher Suchmaschine sie arbeiten möchten. Alle Details zu Android 9 Pie gibt es hier im Video:

Android 9.0 P im Überblick.

Nicht wie Microsoft: Google will Millionenstrafe entgehen

Dass Google überhaupt relativ unkompliziert und ohne Klagen auf die Forderungen der EU-Wettbewerbshüter eingeht, dürfte viel mit Microsoft zu tun haben. Die EU-Kommission verurteilte Microsoft schon 2004 wegen des „Missbrauchs einer beherrschenden Stellung“ bei PC-Betriebssystemen zu einer Strafe von 497 Millionen Euro. Damals ging es um den Windows Media Player, der mit Windows ausgeliefert wurde. Ähnliche Strafen wurden 2006 (280 Millionen Euro) und 2008 (899 Millionen Euro) verhängt.

Noch mehr Fakten zu Microsoft findet ihr in der Bilderstrecke:

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19 interessante Fakten über Microsoft.

Auch bei Browsern musste Microsoft in der Vergangenheit tief in die Tasche greifen. 2013 wurde gegen EU-Auflagen verstoßen, die für eine freie Wahl des Browsers bei Windows 7 sorgen sollten. Letztlich musste der Konzern wegen eines „technischen Fehlers“ erneut 561 Millionen Euro Strafe zahlen. Bei einer derartig konsequenten Haltung der EU ist es also kaum verwunderlich, dass Google nun relativ schnell reagiert – zumal der Konzern schon am eigenen Leib gespürt hat, dass es nicht bei leeren Drohungen der EU-Wettbewerbshüter bleibt. Die verzahnte Lizenzierung von mobilen Google-Diensten im Paket kostete Google 4,3 Milliarden Euro. Das Android-Lizenzierungsmodell wurde dann entsprechend umstrukturiert.

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