Gefeiertes Horrorspiel verschwindet plötzlich von Steam & YouTube – wegen Winnie Puuh-Debakel?

Marina Hänsel 1

Der Horrorschocker Devotion hat ein wahres Wechselbad an Gefühlen hinter sich: Erst feiert ihn die ganze Welt, und ganz besonders China – dann wird er plötzlich gebannt. Nicht, weil Devotion zu krass oder zu brutal sei, sondern wegen politischen Easter-Eggs. Mittlerweile ist das Spiel auch für uns auf Steam und YouTube verschwunden – reicht die chinesische Zensur bis zu dir und mir?

Devotion wurde angepriesen, von Kritikern in den Himmel gelobt; es wurde mit Hass-Kommentaren und Drohungen überschüttet, es wurde zensiert und verändert und schließlich gebannt. Das kleine, kaum mehr als dreistündige Horrorspiel erzählt die traurige Geschichte einer taiwanisches Familie in den 80ern, und die hat absolut nichts mit den immens negativen Reaktionen gegen das Spiel zutun. Der Grund für den Bann in China, aber auch die Zensur gewisser Passagen im Spiel, sind politische Easter-Eggs – allen voran ein Vergleich zwischen Winnie Puuh und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

Dabei handelt es sich nicht um komplexe politische Texte, sondern allein um die Erwähnung eines chinesischen Memes, das sich auf Kosten von Xi Jinping amüsiert. Nachdem das Easter-Egg gefunden wurde, hat sich Entwickler Red Candle Games nicht nur entschuldigt, auch löste der chinesische Publisher des Spiels den Vertrag auf – Devotion wurde mit Negativ-Kommentaren bombardiert, bis es schließlich vom chinesischen Steam verschwand.

Nun ist das Spiel global unerreichbar auf Steam, und es gibt noch keinen Hinweis darauf, wann oder ob es zurückkehren wird. Auch der offizielle YouTube-Kanal von Entwickler Red Candle Games ist plötzlich mit gelöschten Videos überschwemmt – was ist da los?

Während du und ich in unserer kleinen Blase der westlichen Welt umherschlendern, ist die politische Zensur in China – und nicht nur da – absolut real. Ich kann gar nicht beschreiben, wie unwohl ich mich bei diesem Gedanken fühle: Devotion ist ein wundervolles, ehrliches und kreatives Horrorspiel, das ich über die letzten Tage noch spielen konnte. Niemand sollte dem Spiel vorschreiben können, welche Inhalte es zeigt; ob es Bezug auf politische Memes nimmt oder auf Missstände aufmerksam macht.

Misstände, die mit dem plötzlichen Verschwinden von Devotion auf Steam und YouTube auch für uns real werden. Der Entwickler Red Candle Games lässt vermerken, sie müssten sich um „Steam-Dinge“ kümmern – deswegen habe er Devotion von der Seite verschwinden lassen. Ich nehme an, diese „Steam-Dinge“ beinhalten die Zensur aller politischen Kommentare im Spiel, und ich bin absolut nicht glücklich darüber.

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Wie Devotion mundtot gemacht wurde – und das wegen Winnie Puuh

China und der knuddelige Winnie Puuh stehen auf Kriegsfuß. Nachdem im Herbst 2018 vermehrt Memes aufgetaucht sind, die den chinesischen Präsidenten Xi Jinping mit Winnie Puuh vergleichen, wurde der Bär mehr oder weniger verboten. Offiziell gibt’s zwar keine Mediensperre, dafür wurde der Disney-Film Christopher Robin über Puuh in China aber gar nicht erst gezeigt. Selbst Kingdom Hearts 3 mit Puuh als Nebencharakter hatte Probleme.

Die taiwanische Horror-Mär Devotion nimmt in einem Easter Egg Bezug auf das skandalöse Meme – zwei Schriftzeichen auf einem Blatt Papier stellen Xi Jinping und Winnie Puuh gegenüber:

Devotion wird zensiert, dann gebannt – und mit schlechten Reviews überschüttet

Auf Steam wird der höllische Albtraum über eine taiwanische Familie in den 80ern mit Hass-Reviews überschüttet, und das wegen Winnie Puuh. Devotion-Entwickler Red Candle Games haben sich bereits für den Umstand entschuldigt und ausgesagt, sie wollten niemanden beleidigen – dann jedoch wurden weitere politische Nachrichten im Spiel gefunden, wie die South China Morning Post berichtet. Etwa ein Zeitungsartikel, in dem der Name „Baozi“ mit einem Verbrecher gleichgesetzt wird. Überraschung: Der chinesische Präsident Xi Jinpin ist auch unter dem Spitznamen Baosi bekannt.

Zuerst hat China das Spiel zensiert und die Schriftzeichen mit einem einfachen „Frohes Neues Jahr!“ ersetzt. Nachdem weitere politische Kritiken im Spiel offensichtlich wurden, konnten chinesischen Spieler plötzlich nicht mehr auf das Spiel über Steam zugreifen. Indessen hat der chinesische Publisher Indievent, der für Devotion in China zuständig war, sich von Red Candle Games gelöst – damit ist das Spiel erfolgreich mundtot gemacht worden.

Red Candles Devotion ist ein emotionaler, durchweg kluger Horror-Walking-Simulator, der das Schicksal einer stark religösen Familie im Taiwan der 80er verdeutlicht. Nach Winnie Puuh, dem Bann und den Hass-Reviews auf Steam gingen die Spielerzahlen rapide nach unten, wie und ob Red Candle Games sich davon erholt, bleibt noch offen.

Du hast Devotion schon durch und wartest auf den nächsten Schocker? Hier eine kleine, gruselige Liste:

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Gleichsam könnte das Devotion-Debakel aber noch sehr viel mehr für die Freiheit chinesischer Spieler bedeuten: Perfect World ist der größte chinesische Gaming-Konzern und arbeitet zusammen mit Valve daran, eine externe Steam-Plattform einzig für chinesische Spieler zu entwerfen. Steam war bis jetzt eine Seite, auf der jeder auch all jene Spiele kaufen konnte, die im eigenen Land nicht so gern auf der Ladentheke gesehen werden. Sollte China-only-Steam erscheinen, werden dort Titel wie Devotion oder andere ungern gesehene Spiele sicher nicht auftauchen.

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