Polizei bekommt ihr eigenes WhatsApp

Johann Philipp 1

Die Polizei im bayerischen Mittelfranken schickt sich bald Fahndungsfotos über einen eigenen Messenger-Dienst. Ab 2018 sollen alle Polizeibeamten in Bayern damit ausgerüstet sein. Innenminister Joachim Herrmann stellt seine Pläne heute vor. Auch Berlin hat Interesse. Hat die Funktechnik damit ausgedient?

Immer wieder hat die Polizei Probleme mit ihrem Funkverkehr. Beispielsweise beim Amoklauf in München: Über die neue Digitalfunktechnik konnte keine Verbindung mit der Leitstelle aufgenommen werden. Die Beamten nutzten ihre Privathandys und sogar WhatsApp um dringende Hinweise weiterzugeben. Doch das ist verständlicherweise verboten und kann zum Disziplinarverfahren führen. Eine Lösung muss her.

Polizei Messenger auf Dienstgeräten installiert

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Die Behörden arbeiten mit Vodafone und einem Anbieter für Messenger-Apps zusammen, die sich vor allem auf die Kommunkation in Unternehmen spezialisiert haben. Die App soll wie alle gängigen Messenger, Einzel- und Gruppenchats anbieten. Über sogenannte Channels können auch themenbasierte Gruppen erstellt werden. Über die App sollen Ermittlungshinweise, Fahndungsfotos, Videos und Einsatzbefehle übermittelt werden.

Wie sicher ist die Kommunikation

Die Behörden haben großen Wert auf den Datenschutz gelegt: Die Server des Dienstes stehen in Deutschland und können auch lokal mit den eigenen Servern der Polizei verbunden werden. Zur Anmeldung wird nicht die Handynummer benötigt, sondern eine verifizierte E-Mail-Adresse der Polizei. Wobei man fairerweise anmerken muss, dass die Kommunikation in Zukunft nicht ausschließlich über den Messenger laufen soll, sondern nur zusätzlich zur Funktechnik – und bekanntlich ist besonders der Analog-Funk, der immer noch häufig genutzt wird, auch nicht abhörsicher. Die alten Funkgeräte werden also auch weiterhin benutzt. Vielleicht wäre dieses Modell ja eine Alternative:

16.000 Handys auch für Berlin?

Bereits auf dem Münchener Oktoberfest wurde das System getestet und man habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, urteilt die bayerische Polizei. Bisher ist das Projekt deutschlandweit einmalig. Doch auch in Berlin gibt es massive Probleme mit dem Digitalfunk, sodass Innensenator Andreas Geisel derzeit prüfen lässt, ob das System auch für die berliner Polizei infrage kommt. Der Digitalfunk ist noch nicht flächendeckend im Stadtgebiet verfügbar. Es fehlen 44 weitere Funkstationen. Der Senat prüft nun, ob es günstiger wäre 16.000 Handys für die Streifenbeamten anzuschaffen.

Quelle: Polizei Bayern, Heise

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