Das Militär will verstärkt Spieler rekrutieren – und viele von ihnen wehren sich

Marina Hänsel 3

Sind Spieler die besseren Rekruten? Welche Vorteile bringt ein E-Sportler in eine militärische Karriere mit? Dänemark testet die Fähigkeiten von Spielern im Kampf – und will in Zukunft mehr von ihnen rekrutieren.

Während die deutsche Bundeswehr schon mehrere Jahre in Folge einen Auftritt auf der gamescom pflegt, geht das dänische Militär nun aktiv auf eSportler zu. Nach einer Studie mit dem eSport-Team Astralis wollen sie herausgefunden haben, dass Spieler tatsächlich sehr gute Rekruten abgeben, „Spieler sind sehr gut darin, ruhig unter Druck zu bleiben, sie reagieren schneller als andere junge Menschen, können schnell Entscheidungen treffen, arbeiten gut im Team, können sich wunderbar orientieren und sind begabt darin, Dinge zu visualisieren.

Diese herausragenden Fähigkeiten machen Spieler und eSportler attraktiv für das Militär, berichtet die dänische Zeitschrift DR. Mehr noch hat das Verteidigungsministerium in Dänemark angefangen, mit dem Verband für elektronische Sportarten eng zusammenzuarbeiten, um „einen Fuß in das Gamer-Segment zu bekommen“.

Jährlich grüßt die Bundeswehr: GIGA GAMES hat auf der gamescom 2018 mit einem Vertreter der Bundeswehr gesprochen, und ihn danach gefragt, was genau die Werbeplakate mit Sprüchen wie „Multiplayer at it’s best!“ bedeuten. Das Interview kannst du in Daniels Artikel zum Thema lesen.

Sind Spieler tatsächlich die besseren Rekruten? Gänzlich ist das noch nicht geklärt, wenngleich schon in allerlei Ländern das militärischen Auge auf der Spielerschaft landete:

Wir sind noch immer begierig, herauszufinden, ob Gamer als Soldaten funktionieren. Sie haben Kernfähigkeiten, die uns interessieren, aber es gibt durchaus noch andere Anforderungen, die erfüllt werden müssen, um als Soldat zu funktionieren. Wir könnten nichts sicheres dazu sagen“, heißt es in der dänischen Studie, die von The Local übersetzt wurde.

„Multiplayer at its best!“

Es mag richtig sein, dass sich einige Spieler gewisse Fähigkeiten aneignen, die in verschiedenen Berufszweigen Vorteile mit sich bringen. Inwieweit diese dann angeworben werden, und ob offensichtlich ist, für was sie angeworben werden, ist aber sicherlich ein Schlüsselmoment in der Kommunikation zwischen Spielern und Militär. Dennoch darf bezweifelt werden, ob die deutsche Bundeswehr diesen Moment korrekt abpassen konnte, als sie auf der gamescom 2018 mit den Slogans „Multiplayer at its best!“ und „Mehr Open World geht nicht!“ geworben hat:

Auch geht es nicht nur um die Frage, ob Spieler bessere Rekruten abgeben – sondern ebenso darum, ob sie das wollen würden. Auf Reddit fallen die Reaktionen auf das Bündnis zwischen eSport-Verein und Verteidigungsministerium in Dänemark kritisch aus:

Es gibt keinen Spawn-Punkt. Denkt darüber nach.

Und du tötest echte Leute, und manchmal auch Unschuldige. Nennt mich ein Weichei, aber diese Überschrift ist ein großes ‚Ihh‘ für mich.

Das dänische Militär sieht Rekruten mit Spielerhintergrund momentan besonders in den Bereichen Fluglotsen, Piloten und Radarbetreiber. Wie das Verteidigungsministerium jedoch angedeutet hat, wird auch Ausschau danach gehalten, ob Spieler gute Soldaten abgeben würden.

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