Seit Jahrhunderten streiten sich die Philosophen, ob die Maus oder etwa der Controller das bessere Eingabegerät sei. Ein PC-Spieler fasst gänzlich unparteiisch zusammen.

 

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Steam Controller

Als Freund des Anachronismus bin ich überzeugt, dass Immanuel Kant die Idee für den Kategorischen Imperativ erst bekam, als er das erste Mal einen Shooter auf der Konsole gespielt hat. Teufelszeug. Niemals. Es kann gar nichts Falscheres geben. Shooter gehören auf den PC, denn nur dort lassen sie sich auch vernünftig steuern. Damit hat Kant zwar nicht komplett unrecht, trotzdem wollte ich die Gelegenheit nutzen, das Thema noch einmal etwas nüchterner zu betrachten.

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Wie Kant bin auch ich maßgebend mit dem PC sozialisiert worden. Obwohl es mir laut Gesetzgeber an Lebensjahren mangelte, erlag ich bereits früh den Reizen von Titeln wie Half-Life, Counter-Strike, Quake, DOOM, Jedi Knight und was sonst noch so alles Anfang der 2000er Jahre verboten werden sollte. Gespielt wurden diese traditionell mit einer Mischung aus Maus und WASD-Tasten. Daumen auf die Leertaste, kleiner Finger auf SHIFT und fertig ist die Laube.

Dem PC bin ich bis heute treu geblieben. Bis zu diesem Jahr sogar ausnahmslos, denn abgesehen von einer handvoll wirklich lohnenswerter Exklusivtitel bot mir der PC alles, was ich zur Glückseligkeit benötigte. Großmütig war ich dazu bereit, auf Red Dead Redemption und Co. zu verzichten und stattdessen auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.

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Das änderte sich erst mit meiner Zeit bei GIGA GAMES, denn zu den unangenehmen Pflichten eines Games-Redakteurs gehört es auch, nicht nur das zu spielen, was ich spielen will, sondern viel mehr das, was ich spielen muss. Und das umfasst wohl oder übel auch PlayStation-Exklusivtitel, Testmuster, die zuerst für Konsolen erscheinen und Betas, die nicht auf dem PC angeboten werden. Also musste eine PS4 Pro ins Haus.

Bereut habe ich den Kauf bisher nicht, denn ohne Frage stehen mir durch die Konsole eine Vielzahl ausgezeichneter Titel zur Verfügung. PlayStation Plus und die monatlichen Gratis-Titel habe ich als Service sehr zu schätzen gelernt und die meisten Titel lassen sich auch durchaus vernünftig steuern. Solange es sich eben nicht um Shooter handelt.

Zugegeben, das ein oder andere Genre ist wie maßgeschneidert für Controller oder profitiert zumindest von ihnen. Die Kämpfe in NieR: Automata fühlen sich für mich fantastisch an, Rennspielen verleiht die nuancierte Steuerung per Analog-Stick mehr Präzision und Watch Dogs 2 wird mit dem Controller gleich zu einem viel besseren Spiel: Wer nämlich auf die zahlreichen unbenutzbaren, da mit dem Controller zu bedienenden Schusswaffen verzichtet, genießt nicht nur eine dem Spiel wesentlich angemessenere Weltverbesserer-Atmosphäre, sondern profitiert auch vom wesentlich spannenderen und motivierenden Stealth-Gameplay.

Demgegenüber ist die Präzision von Maus und Tastatur hingegen ideal für jene Genres, in denen Millimeter und Sekundenbruchteile über Sieg und Niederlage entscheiden, neben Shootern vor allem Echtzeitstragie und MOBAs. Ich bin noch immer erstaunt, dass inzwischen auch Aufbau-Strategiespiele auf Konsolen angeboten werden, die Abwesenheit jeglicher relevanter Echtzeit-Strategiespiele auf PlayStation 4 und Xbox One scheint mir in meiner Behauptung jedoch Recht zu geben.

Während Strategie also insbesondere im Turnier-Bereich auf dem PC daheim ist, haben sich Shooter im eSport inzwischen auch auf der Konsole etabliert. Zurecht, denn auch ich gebe zu, dass geübte Spieler mit dem Controller eine beachtliche Präzision an den Tag legen können. Schließlich ist es ja auch möglich, mit den Füßen zu malen oder mit verbundenen Augen einen Zauberwürfel zu lösen. Nicht unbedingt die naheliegendste und effektivste Art und Weise, aber umso beeindruckender, wenn es jemand beherrscht.

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Gut, Spaß beiseite: Ich erinnere mich noch gut, wie ich mich erfolglos durch meine ersten Counter-Strike 1.5 Matches gequält habe und es Jahre gedauert hat, bis ich wie heute in der Lage bin, mit der Desert Eagle auf de_dust2 ein paar schnelle Headshots auszuteilen. Übung macht den Meister und in eben jener Situation befand ich mich erst jetzt wieder in der Beta von Call of Duty WW2, die mich regelmäßig zum Respawnen zwang.  „Ich kann, weil ich will, was ich muss“, um noch einmal zu Kant zurück zu kommen. Am Ende des Tages ist es eine reine Erfahrungs- und Gewohnheitssache und wenn ich in nächster Zeit doch beruflich gezwungen bin, den ein oder anderen Shooter auf der Konsole zu spielen, hilft im Singleplayer ja zumindest das Auto-Aim kräftig mit. Denn im Gegensatz zum PC, für den es vernünftige und präzise Eingabegeräte gibt, ist das auf den Konsolen offenbar noch immer eine Notwendigkeit. „Wer sich zum Wurm macht, soll nicht klagen, wenn er getreten wird.

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Alexander Gehlsdorf
Alexander Gehlsdorf, GIGA-Experte für Magic the Gathering, Tests, Star Wars und Wortspiele.

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