Pan Filmkritik: Nicht gut, sogar ziemlich schlecht, letztlich egal, aber auch irgendwie nicht scheiße

Tobias Heidemann 15

Pan“ ist kein guter Film. So, wäre das schon mal geklärt. Bleibt offen, ob es sich bei Joe Wrights („Wer ist Hanna“) computerbeschleunigtem Peter Pan-Prequel um einen richtig schlechten Film handelt. Glaubt man den aktuellen Pressestimmen, muss man diese Frage wohl mit einem dicken, fetten „Ja“ beantworten. Hugh Jackmans Bösewicht ist ein ober-peinliches Desaster, Rooney Mara krass fehlbesetz und der Film selbst ein banaler CGI-Brei aus holpriger Komödie und affigem Abenteuer. So die vielerorts vorgebrachte Kritik am Un-Film. Stimmt irgendwie alles. Mit zwei zugedrückten Augen darf man in „Pan“ trotzdem ein bisschen grenz-debilen Spaß haben. Wir sagen es auch nicht weiter.

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Peter Pan wird nie erwachsen. Und genau deshalb wird Hollywood wohl auch noch in 100 Jahren Filme über den fliegenden Jungen produzieren. Kaum ein Kinojahr kommt ohne eine neue Adaption des märchenhaften Stoffes von J. M. Barrie aus, dessen Leben und Autorenschaft zuletzt selbst immer mehr zum Thema der zahlreichen Verfilmungen wurden.

Die Gründe für das nicht nachlassende Interesse an seiner Person teilt sich der kleine Peter mit großen Figuren wie „Dracula“ oder „Sherlock Holmes“. J. M. Barries Geschichte vom Nimmerland spricht mit dem Thema ewiger Kindheit, oder besser gesagt, unserer Sehnsucht nach einem Ort der ewigen Kindlichkeit etwas menschlich Universelles an, das jede Generation für sich neu entdecken kann. „Pan“ gelingt es diese Besonderheit der Vorlage auf geradezu spektakuläre Weise zu umschiffen.

Der Film kann sich trotz seiner eigentlich interessanten Prämisse – erzählt wird quasi die Origin-Story von Peter – weder in den inspirierenden Rückenwind der Vorlage stellen, noch fügt er ihr auch nur ein winziges Quäntchen Neues hinzu. Kurz, erzählerisch ist „Pan“ eine ziemliche Frechheit.

Die denkbar konventionellste Blaupause eines Abenteuerfilms wurde hier von offenbar selbst sehr gelangweilten Fachleuten ausgebreitet, um darauf dann mit ein paar ausgestopften Archetypen und ein paar Millionen Dollar an computergenerierten Effekten „Film für die ganze Familie“ zu spielen.

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Pan Filmkritik: Ein Film für die ganze Fam…argh kotz!

Der Plot geht dabei ungefähr so: Gefangenschaft – Flucht – Kampf – Ende. Und die Figuren so: Zweifelnder Held, starke Prinzessin, ein Schurke und natürlich der Witzbold. Fertig ist der generische Abenteuerfilm von der Stange. „Pan“ fühlt sich die meiste Zeit an wie ein blödes Ausmalbild. Man weiß immer, wo man als nächstes landen muss und am Ende sieht das Bild auch noch ziemlich kacke aus.

Geht man nun allerdings mit dieser gelassenen Erwartungshaltung ins Kino, oder besser noch, ins Heimkino, kann einem „Pan“ mit all seinem albernem Tam Tam aber auch durchaus flüchtigen Spaß bereiten. Dabei sind es vor allem die obskuren und angreifbaren Entscheidungen des Films, die ihn mitunter sogar sehr unterhaltsam machen.

Allem voran der episch over-actende Hugh Jackman, der seinen Blackbeard mit wehenden Fahnen über die Grenzen des guten Geschmacks hinweg stolzieren lässt. Wenn sich Jackman zum Beispiel wie ein geiler Gockel auf der Reling seines fliegenden Piratenschiffes zu einem „Smells Like Teen-Spirit“ brüllenden Kinderchor in eine denkbar bescheuerte Position bringt, dann hat das was.

Was genau „das hat“, das kann der Autor dieser Kritik leider auch nicht beantworten. Immerhin dürfte es eine der beknacktesten Drehbuch-Ideen des Jahres sein. Aber es hat eben etwas. Was es schon fast wieder bedauerlich macht, dass ausgerechnet dieses bisschen Seele, das sich der Film erlaubt, zum einem der Hauptkritikpunkte wurde.

Ganz ähnlich verhält es sich mit Rooney Maras Tiger Lilly, die bereits im Vorfeld für ethnische Unruhen im Netz sorgte, da ihre Herkunft nicht jener der Figur aus der Vorlage entspricht. Ein durchaus berechtigter Einwand, der mit dem Endprodukt aber nichts zu tun. Bleiben wir also fair. Im Film guckt Mara nämlich meist nur süß verspuhlt durch die CGI-Botanik und wirft dabei mit Äxten um sich. Das kann man jetzt total doof finden, über die gelangweilte Performance von Michelle Rodriguez in „Fast & Furious 7“ hat sich allerdings auch keine Sau beschwert.

Fazit

„Pan“ ist kein guter Film. Beinahe hätte es sogar für einen richtig schlechten gereicht. Das Peter Pan-Thema wird mit Füßen getreten, die Handlung ist so spannend und brechbar wie eine Steuererklärung und an allem klebt der faulige Geruch kreativer Gleichgültigkeit.

Doch die totale Empörung, die man bei dieser uninspirierten CGI-Überdosis aus dem Giftschrank abgegriffener Ideen eigentlich erwartet hätte, die bleibt irgendwie aus. „Pan“ ist gefällig und wahrscheinlich konventionell genug, um sich irgendwie an der totalen Verärgerung vorbei zu mogeln.

Mein Vorschlag: Warten bis „Pan“ sich beim nächsten „Sonntagabend-Highlight“ eines Privatsenders als alternativlos aufdrängt und dann denken: „Na, so scheiße war der nun auch wieder nicht.“ Nur ein Vorschlag. Wer „Pan“ komplett ignoriert, fährt aber auch goldrichtig.

rating4

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