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E-Auto-Erfolg auf der Kippe? Jetzt kommt's drauf an

Das Kabel zum Ladeport soll bald ein alltäglicherer Anblick sein als der Schlauch einer Zapfsäule. Doch der Weg bis dahin ist noch lang. (© IMAGO / Emmanuele Contini)
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E-Autos sollen Verbrenner von den Straßen verbannen. Doch der durchschlagende Erfolg lässt noch auf sich warten. Während die Stromer immer wieder vor teilweise massiven Rückschlägen stehen, gibt es aber auch Anzeichen, die hoffen lassen – eine Bestandsaufnahme.

Elektroauto oder Verbrenner? Vor dieser Frage stehen inzwischen immer mehr Autokäufer – zumindest wenn die noch deutlich höheren Preise der Stromer dem Umstieg nicht kategorisch im Weg stehen. Was für den Einzelnen gilt, trifft ebenso auf die aktuelle Situation zu. Denn das Ende der Verbrenner scheint derzeit genau so wenig in Stein gemeißelt wie der Siegeszug der Elektroautos.

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E-Auto vs. Verbrenner: Das spricht aktuell für Stromer

Abgesehen vom noch fernen Verbrenner-Verbot in der EU gibt es schon heute Zeichen, dass Elektroautos nicht nur nicht mehr wegzudenken sind, sondern Verbrennern oft auch etwas voraus haben. Aktuelles Beispiel gefällig? EU-weit wurden im Juni 2023 erstmals mehr reine E-Autos neu zugelassen als Diesel. Die elektrischen Pkw haben damit in großen Teilen Europas zum ersten Mal eine Klasse von Verbrennern überholt.

Einerseits ein Grund zur Freude, zeigt der Monatssieg doch, dass E-Autos für immer mehr Menschen zum Pkw der Wahl werden. Andererseits ist das auch nur eine Momentaufnahme, die sich schnell wieder umkehren könnte. Dazu kommt: Die E-Autos haben eben Diesel-Fahrzeuge hinter sich gelassen. Benziner sind hingegen noch in weiter Ferne. Da Diesel in der Regel teurer in der Anschaffung sind, haben sie bei der Kundschaft auch mehr Ähnlichkeit zu den E-Autos. Der Sieg der Stromer zeigt also indirekt auch ihr Problem: Elektroautos sind immer noch viel zu teuer im Vergleich zu Benzinern.

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E-Autos kommt aber immerhin zugute, dass Fahrerinnen und Fahrer mit großer Mehrheit gute Erfahrungen mit ihren neuen Stromern machen. In einer aktuellen Umfrage des NDR haben etwa nur 12 Prozent angegeben, dass sie mit der Reichweite unzufrieden wären.

Selbst bei der längeren Ladedauer – verglichen mit einem kurzen Tankstopp – macht sich die Mehrheit keinen Kopf mehr. 46 Prozent wünschen sich, dass es bei E-Autos deutlich schneller geht.

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Diesel und Benzin gegen Strom: Viele Probleme stehen noch vor Elektroautos

In der gleichen Umfrage zeigt sich aber eines der großen Probleme von E-Autos: Die Mehrheit der Befragten will keins. 57 Prozent der befragten aus Norddeutschland würden demnach auch beim nächsten Autokauf noch nicht auf den voll elektrischen Antrieb setzen. Bei den Gründen steht der viel zu hohe Kaufpreis an erster Stelle.

Das schwache Interesse kommt bei den deutschen Herstellern inzwischen an. Profitierten VW, Mercedes, BMW und Co. bisher noch von der extrem guten Auftragslage aus den letzten Jahren, gehen derzeit deutlich weniger neue Bestellungen ein – um genau zu sein, viel zu wenige. Insidern zufolge sind die Aufträge für neue Elektroautos branchenweit bis zu 50 Prozent zurückgegangen. Das ist schon weit mehr als nur ein Warnschuss.

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Der Konkurrenzdruck – vor allem aus China – macht die Situation für deutsche E-Autos umso prekärer:

E-Autos aus China: Keine klassischen China-Schnäppchen! Abonniere uns
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Nicht nur aus diesem Grund, aber auch deswegen, sehen Experten das Ziel der Bundesregierung bereits scheitern: 15 Millionen E-Autos bis 2030 auf deutsche Straßen zu kriegen, scheint schon heute kaum noch zu schaffen. Die Gründe überschneiden sich: Mangelnder Ausbau der Ladeinfrastruktur und die Unfähigkeit – oder der Unwille – vieler Hersteller, auch erschwingliche Elektroautos auf den Markt zu bringen, gehören dazu.

Die Rufe aus Beobachterkreisen werden lauter, dem Plan nicht länger beim Scheitern zuzusehen. Überarbeitete Maßnahmen und ganz neue Anreize müssten her, um das ehrgeizige Ziel durch einen Sprung an Neuzulassungen doch noch erreichen zu können.

Endgegner Tesla: BMW, VW und Mercedes müssen sich warm anziehen

Mit diesen Problemen nicht genug, warnt auch der renommierte Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer vor einem alten Schreckgespenst deutscher Hersteller: Tesla. Der E-Autobauer aus den USA könnte Mercedes, VW und BMW in den kommenden Jahren noch weiter abhängen – und sein unerreichbar wirkendes Ziel von 20 Millionen E-Auto bis 2030 locker schaffen – pro Jahr wohlgemerkt!

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Den innovativen Produktionsplänen und schieren Mengen von Tesla hätten die deutschen Autobauer einfach nichts entgegenzusetzen, so Dudenhöffer. Bestenfalls könnten sie noch von Teslas Gigafactory in Grünheide lernen, so der Autopapst. Obendrein könnte Tesla die Preise seiner E-Autos Chef Elon Musk zufolge sogar noch weiter drücken – und damit für deutsche Hersteller endgültig die Daumenschrauben anziehen.

Mobilität – da tut sich was: E-Autos, elektrische Fahrräder, E-Scooter, das Deutschlandticket für 49 Euro in Bus und Bahn – all das bewegt uns im doppelten Sinn. Und was hat sich in Sachen Mobilität sonst so getan?

Zum Schluss gibt es dann noch einen Dämpfer für die E-Auto-Ambitionen von der EU – indirekt zwar, aber potenziell umso schlagkräftiger. Vom Verbrenner-Aus rückt man zwar noch lange nicht ab, dafür gibt es aber eine bemerkenswerte Ausnahme: Wie unter anderem von der FDP gefordert, zeigt sich die EU-Kommission jetzt offiziell offen für E-Fuels. 

Statt um E-Autos um jeden Preis und ausnahmslos ab 2035, geht es jetzt darum, dass ab dem Stichtag nur noch Pkw neu zugelassen werden können, die CO₂-frei fahren. Das wäre auch bei Verbrennern kein Problem, wenn sie denn nur nachhaltig erzeugte E-Fuels tanken können. Die lange geforderte – und durchaus umstrittene – Technologieoffenheit ist also bei der EU-Kommission inzwischen angekommen.

Durchmarsch der E-Autos kommt zu erliegen: Jetzt kommen bange Jahre

Derzeit lässt sich kaum absehen, welche Abzweige der Weg der Autoindustrie in den nächsten Jahren noch nehmen wird. Trotz EU-Entscheid dürfte aber immer offener zu Tage treten, dass BEVs längst nicht so sicher im Sattel sitzen, wie viele bisher angenommen hatten. Die kommenden Monate und wohl noch Jahre müssen sich Industrie wie Verbraucher wohl mit einer teuren und vor allem nervenaufreibenden Unsicherheit arrangieren.

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