Brachiale Smartphone-Revolution oder nur ein kleines Hardware-Upgrade? Mit dem OnePlus 9 Pro will das Unternehmen seinen Nutzern einen großen Wunsch erfüllen. Denn die größte Schwäche soll nun endlich Geschichte sein. Aber stimmt das auch? GIGA konnte das neue Top-Smartphone bereits eine Woche lang testen – hier ist unser Fazit!

 

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OnePlus 9 Pro: Hat sich der Kamera-Fokus bezahlt gemacht?

Schlanke Software, eine saubere Verarbeitung, hohe Leistung und eine solide Akkulaufzeit – OnePlus hat sich in den letzten Jahren vor allem dadurch bei seinen Fans einen Namen gemacht. In einem Bereich konnte man den direkten Konkurrenzprodukten von Samsung, Apple oder Google jedoch nie das Wasser reichen: der Kamera. Fotos und Videos machten zwar eine robuste Figur, überragend waren sie jedoch nie.

Um das zu ändern, hat sich OnePlus mit dem schwedischen Kamera-Hersteller Hasselblad zusammengetan. Doch hat sich der Aufwand wirklich gelohnt? Ist die größte Schwäche von OnePlus endlich Geschichte? Nach der ersten Woche mit dem OnePlus 9 Pro stellen wir fest: Verbesserungen zum inzwischen fast zwei Jahre OnePlus 7 Pro sind zwar zu erkennen – ein Unterschied wie Tag und Nacht sollten potenzielle Käufer jedoch nicht erwarten:

Die Aufnahme des in die Jahre gekommenen OnePlus 7 Pro wirken neben dem OnePlus 9 Pro recht blass. Die Bilder des brandneuen Smartphones bieten sattere Farben und mehr Dynamik – dennoch bleibt der Wow-Effekt aus. (Bild: GIGA)

Auf den ersten Blick wirken die Bilder des OnePlus 9 Pro nun etwas schärfer und bieten mehr Details in dunklen Bildbereichen. Zudem werden die Bildverzerrungen des Weitwinkels besser vom neuen Modell ausgeglichen. Auch das Auftreten von chromatischen Aberrationen wurde reduziert – im Bild unten vor allem in den Baumkronen zu erkennen.

Was jedoch direkt ins Auge fällt, ist das aggressive Scharfzeichnen der Fotos. Während die Bilder des OnePlus 7 Pro beim Ranzoomen etwas unscharf und weichgezeichnet wirken, schärft der Automatik-Modus des 9 Pro die Bilder zu stark nach. OnePlus, hier müsst ihr nochmal ran!

Auf der linken Seite ein Foto mit der Hauptkamera des OnePlus 7 Pro, auf der rechten eines mit der des neuen OnePlus 9 Pro. Unterschiede lassen sich zwar erkennen, doch eine echte Offenbarung ist die neue Kamera nicht (Bild: GIGA) 

Im Videomodus gibt es ebenfalls Verbesserungen. So macht die Videostabilisierung einen sehr soliden Eindruck, zudem wirken Farben im Vergleich zu den Aufnahmen des OnePlus 7 Pro noch einmal eine Ecke satter.

Alles in allem hat OnePlus in Sachen Kamera mit dem OnePlus 9 Pro zwar also durchaus noch eine Schippe draufgelegt, eine echte Offenbarung ist das Ergebnis unter dem Strich nach der ersten Woche jedoch nicht. Mal schauen, ob sich unser Eindruck im Laufe des Tests noch ändert.

Nach der ersten Woche haut uns die Kamera des OnePlus 9 Pro noch nicht aus den Latschen. Ein Upgrade ist die neue Smartphone-Knipse zwar dennoch, OnePlus muss jedoch noch ordentlich nachbessern. (Bild: GIGA)

OnePlus ist auf seine Kooperation mit Hasselblad mächtig stolz. Wie genau die beiden Unternehmen zusammengearbeitet haben, wird euch im Video gezeigt: 

OnePlus + Hasselblad: Die Zusammenarbeit

OnePlus 9 Pro: Nichts weiter als ein simples Smartphone-Upgrade?

Doch wenn schon die Kamera nicht für Begeisterungsstürme sorgt, kann das OnePlus 9 Pro mindestens in den anderen Bereichen überzeugen? Die klare Antwort: Jein. Zwar werden sich OnePlus-Veteranen direkt mit dem Smartphone vertraut fühlen, wenn sie es zum ersten Mal in die Hand nehmen – aber auch hier fehlt ein echter Wow-Faktor, der uns den Atem raubt.

Das neue OxygenOS 11 bietet eine runde Android-Erfahrung mit allerlei Personalisierungsmöglichkeiten, scheint aktuell jedoch noch mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen. So wurde uns etwa in einigen Fällen der Mini-Player der Netflix-App nicht angezeigt, wenn wir die App minimierten – der Sound lief aber dennoch weiter. Nur ein Neustart der App konnte das Problem lösen.

Auch beim OnePlus 9 Pro kommt wieder ein Edge-Display zum Einsatz. Im Vergleich zu den Vorgängern fällt die Krümmung jedoch deutlich moderater aus. (Bild: GIGA)

Weitere Probleme bereitet die variable Bildwiederholfrequenz des 120-Hz-Displays. Diese sorgt zwar für einen geringeren Stromverbrauch, bei manchen Apps ist die Hertz-Anzahl jedoch unverständlicherweise stark eingeschränkt. So läuft YouTube etwa nur mit 60 Hz. Gepaart mit unregelmäßigen Frametimes sorgt das beim Scrolling für ein unglaublich hakeliges Gefühl.

Aber es gibt auch Positives zu berichten. So arbeitet der unter dem Display liegende Fingerabdrucksensor jetzt so schnell wie noch nie, die Lautsprecher klingen noch voller, wärmer und sind lauter und dank schnellem 120-Hz-Display und aktuellem Snapdragon 888 fühlt sich das Handy insgesamt wirklich sehr reaktionsschnell an. Dank neuer Schnellladetechnik ist das Handy zudem ruck, zuck aufgeladen – sowohl drahtlos als auch kabelgebunden.

Dank des Wireless Chargers kann das OnePlus 9 Pro auch kabellos erstaunlich schnell geladen werden. Das Zubehör ist jedoch alles andere als günstig – der UVP liegt bei 69,90 Euro. (Bild: GIGA)

Vorläufiges Fazit

Im Vergleich zum OnePlus 7 Pro fühlt sich das neue OnePlus 9 Pro nach der ersten Woche zwar definitiv nach einem leichten Upgrade an – doch unterm Strich gibt es aktuell keine neue Funktion, die einen so richtig aus den Socken haut. Ob das den hohen Einstiegspreis von 899 Euro für die Version mit 8 GB RAM und 128 GB internen Speicher rechtfertigt? Ein abschließendes Urteil wollen wir uns dazu noch nicht erlauben. Das gibt es dann im finalen Testbericht.