AMD ist auf dem Kriegspfad. Erst bot man Intel dank neuer Prozessoren die Stirn, nun hat der Chiphersteller bereits das nächste „Opfer“ im Visier: Erzrivale Nvidia. Was zur Hölle ist da gerade los bei AMD?

PC-Revolution im Alleingang: AMD greift von zwei Seiten an

AMD ist zurück – und zwar so richtig! Innerhalb der letzten paar Jahre hat sich der Chiphersteller die Gunst der PC-Spieler zurückerkämpfen können – während Intel immer weiter ins Hintertreffen geraten ist. Zuletzt konnte man dem Rivalen sogar die Gaming-Krone stibitzen.

Nun scheint sich diese Sensation zu wiederholen. Denn seit der Präsentation der neuen RX-6000-Grafikkarten von AMD wissen wir: Auch Nvidia wird es dieses Mal deutlich schwerer haben – vor allem im High-End-Sektor. Während eines rund 30-minütigen Livestreams stellte AMD gleich drei neue GPUs vor: die RX 6800, die RX 6800 XT sowie die RX 6900 XT.

Den kompletten Livestream könnt ihr euch hier ansehen:

AMD Radeon RX 6000: Offizielle Vorstellung der neuen Grafikkarten

Während die ersten beiden Modelle in etwa das Leistungsniveau der RTX 3070 bzw. RTX 3080 erreichen, schafft es AMD mit der RX 6900XT sogar der Nvidia GeForce RTX 3090 die Butter vom Brot zu nehmen, wie die ersten Gaming-Benchmarks in 4K zeigen:

AMD vs. Nvidia: Benchmarks der neuen RX-6000-Grafikkarten im direkten Vergleich mit Nvidia RTX 2000 / 3000 (Bild: AMD)

Mit diesen Leistungswerten hatte kaum einer gerechnet. In der Vergangenheit ging man in der Gerüchteküche davon aus, dass selbst das Top-Modell von AMD es gerade einmal so mit der RTX 3080 aufnehmen kann. Nun liefert sich AMD hingegen mit der RX 6900 XT einen Schlagabtausch mit Nvidias rund 1.500 US-Dollar teuren RTX 3090 – und verlangt dafür lediglich 999 US-Dollar!

Zugegeben, Käufer der AMD Radeon RX 6900 XT müssen sich mit 16 GB statt 24 GB VRAM zufriedengeben und bekommen nur GDDR6 statt GDDR6X-Speicher geboten – in einigen Spielen dürfte dieser Nachteil jedoch durch die neue „Infinity Cache“-Technologie aufgefangen werden.

Die neue AMD Radeon RX 6900 XT – ein echter Hingucker! (Bild: AMD)

Die Preise der anderen beiden Karten können sich zwar sehen lassen, echte Preisbrecher sollte man jedoch nicht erwarten. Die RX 6800 wird für 579 US-Dollar an den Start gehen und kostet damit etwa 80 US-Dollar mehr als die RTX 3070, die ein ähnliches Leistungsniveau bietet. Immerhin die RX 6800 XT wird für 649 US-Dollar angeboten und unterbietet damit die RTX 3080 um rund 50 US-Dollar.

Ob sich AMD mit den neuen RX-6000-Karten wieder ein paar Plätze in der Top 10 zurückerobern kann? 

Weiter so, AMD! Das wird Intel und Nvidia eine Lehre sein

Doch viel wichtiger als der Preis der neuen AMD-Karten ist ihre Leistungsfähigkeit. In den vergangenen Jahren hat sich AMD immer wieder damit zufriedengegeben, fast nur Grafikkarten für den Einsteiger- und Mittelklasse-Sektor zu produzieren – den High-End-Bereich überließ man Nvidia beinahe kampflos. Mit der neuen Generation scheint sich das jedoch zu ändern. AMD trifft Nvidia unvorbereitet und macht dem Konkurrenten den bisherigen Titel als „beste Anlaufstelle für Gaming-Enthusiasten“ streitig.

AMD drängt Intel immer weiter in die Ecke – das sind die Gründe:

AMD vs. Intel: Wie sich Intel die Butter vom Brot klauen lässt

Was zur Hölle ist also gerade bei AMD los? Binnen kürzester Zeit hat es der „Underdog“ der Hardware-Branche geschafft, nicht nur einen, sondern gleich zwei seiner Rivalen in echte Bedrängnis zu bringen – und das ist verdammt gut so! Am Ende belebt Konkurrenz schließlich das Geschäft – und das wirkt sich positiv auf die Preisgestaltung der neuen Produkte aus.

Während ich mir letztens noch sicher war, dass ich meine RTX 2080 SUPER schon bald gegen eine RTX 3080 oder RTX 3090 austauschen werde, hat sich meine Meinung nach der Vorstellung der neuen AMD-Grafikkarten geändert. Jetzt heißt es erstmal abwarten und Tee trinken – zumal die RTX-Grafikkarten gerade sowieso alle restlos ausverkauft sind.

Scheint so, als würde meine RTX 2080 SUPER doch noch etwas länger in meinem PC verweilen ... (Bild: GIGA)

Dieser Umstand dürfte sich spätestens mit dem Start der neuen AMD-Grafikkarten ändern. Alle drei GPUs gehen am 18. November 2020 an den Start. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass AMD nicht mit den gleichen Problemen wie Nvidia zum Start zu kämpfen hat. Immerhin hat man bereits einige Vorkehrungen getroffen, um das zu verhindern.

Fakt ist: AMD hat zum ersten Mal seit etlichen Jahren sowohl im CPU- als auch im GPU-Bereich wieder Produkte zu bieten, die sich nicht nur an Preis-Leistungs-Fetischisten und Content-Creator richten, sondern auch eine echte Wahl für alle Hardcore-Gaming-Enthusiasten darstellen. Und ganz unter uns: So kann es gerne weitergehen!

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.