Moment. Indizierung. Das ist doch, wenn ein Spiel verboten wird, oder?

Nun ja: nicht ganz. Eigentlich sowas von überhaupt nicht. Eine Indizierung besagt, dass ein dementsprechendes Spiel einem Bewerbungsverbot unterliegt, nicht an Personen unter 18 Jahren abgegeben und auch nicht im deutschen Versandhandel angeboten werden darf. Also im Grunde genommen nichts Anderes als „keine Jugendfreigabe“ und „nicht bei Media Markt und Amazon erhältlich“.

Dying Light Release: Zombies auf dem Weg ins Hinterzimmer
Dying-Light-Release: Zombies auf dem Weg ins Hinterzimmer

Nehmen wir mal an, Dying Light wäre im Jahre 1997 für PC und Playstation erschienen (nicht für das Nintendo 64, ich bitte euch!). Nach einem Downgrading der Grafik und der Spielwelt hätten uns dennoch packende Parkour-Action, pixelige Protagonisten und ein womöglich umständliches Speichersystem erwartet. Hach, damals... Nun,„hätte“, denn im Jahr 1999 als die Backstreet Boys aktuell und Buffalo-Schuhe modisch waren, wäre Dying Light ohne auch nur mit der untoten Wimper zu zucken sofort auf dem Index gelandet – Alterskennzeichnung hin oder her.

Damals hat ein Alterskennzeichen der USK nämlich nicht vor Indizierung geschützt. Und damals hätte ich ein Problem gehabt, hätte ich mir dieses Spiel kaufen wollen. Ich hätte auf meinen nächsten Österreich-Urlaub mit der Familie warten müssen, um mir das Spiel im Ausland zu holen. Vielleicht hätte ich auch auf einer dubiosen Videospiel- und Filmbörse in einer zweckentfremdeten Turnhalle ein Vermögen für eine raubkopierte Version des Spiels bezahlt. Kurzum: es wäre wirklich schwierig gewesen, an das Spiel ranzukommen.

Zurück ins Zeitalter, in dem ich mit meiner Handykamera Kinofilme drehen und mit dem 3D-Drucker Autos bauen kann.

Oh, Snap! Dying Light hat keine Freigabe bei der USK bekommen, die Kennzeichnung wurde verweigert! Wahrscheinlich hat das Gremium feststellen müssen, dass zu viele Indizierungskriterien der BPJM, wie sie per Gesetz festgelegt sind, erfüllt werden. Das ist schade, aber dazu kommen wir später.

Nun kann ich am 30. Januar nicht einfach so meinen PC einschalten und mir das Spiel bei Steam herunterladen. Und ich kann am 30. Januar auch nicht in Jogginghosen zu Saturn laufen, um mir das Spiel zu holen. Mist. Aber hey, 2015 sei Dank! Wenn der Saturn mich schon nicht will, dann geh ich halt zu Drogerie Müller in deren Multimedia-Abteilung und frage die nette Verkäuferin dort gezielt nach dem Spiel. Sollten sie es nicht da haben, kann ich es einfach bestellen. Easy, oder?

MOOOOOOMENT! Ein indiziertes Spiel?  Mache ich mich da nicht strafbar? Macht sich Drogerie Müller da nicht strafbar?

Nein. Weder ich mache mich strafbar noch der gute Herr Müller. Warum? Nun, wie vorhin schon erwähnt herrscht für indizierte Spiele ein Bewerbungsverbot. Nichts und niemand hindert eine volljährige Person daran, in einen Laden zu gehen und das Spiel „unter der Ladentheke“ zu kaufen. Jetzt ist es leider so, dass vor allem die nördliche Hälfte der Nation nicht sehr viele Möglichkeiten hat, dem Herrn Müller einen Besuch abzustatten. Und tatsächlich ist es so, dass diese Taktik beispielsweise bei Media Markt, Saturn oder Gamestop wenig Erfolg hat. Auf dem freien Markt darf jeder natürlich auch selbst bestimmen, was er verkauft. Deshalb ist es bei eben genannten Läden leider auch Praxis, keine indizierten Titel zu führen – womöglich will man entweder sein Image nicht ankratzen oder man will es dem Verkaufspersonal nicht zumuten, dass es sich wirklich mit den angebotenen Produkten auseinandersetzen muss. „Dein Light? Nee, dit ham wa nich. Weeß ick doch nüsch wat se da mit injeziert meinen!?“.

Alternativ kann auch ein Gang zur Videothek (ja, teilweise gibt es sowas noch!) helfen, um euch zu gewünschtem Produkt zu führen, dort können Titel nämlich ebenfalls bestellt und an volljährige Personen abgegeben werden. Nur eben nicht im Regal, sondern auf Nachfrage. Von einer endlosen Liste an ausländischen Versandanbietern von eurem heimischen Internetanschluss aus mal ganz abgesehen.

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Dying Light Release: erste Schlangen bilden sich vor süddeutschen Drogerie-Filialen

Wenn in euch ein kleiner Steve Jobs ruht und ihr physische Trägermedien ohnehin hart bedeutungslos findet, gibt es natürlich auch online Möglichkeiten, an offizielle Keys für das gewünschte Spiel zu kommen. Voraussetzung bei all dem: ihr seid volljährig. Aber das sollte sich wohl von selbst verstehen.