Trials of the Blood Dragon im Test: Abgedrehte Stunt-Action

Lisa Fleischer 99

Wenn Trials ein waghalsiger Stuntman wäre, dann müsste Trials of the Blood Dragon der kleine, teuflische Bruder sein, vollkommen auf Drogen und in den 80er steckengeblieben. Ob dieser absolute Chaos-Charakter des neuen Spiels von RedLynx positiv oder eher negativ zu bewerten ist, verrate ich in meinem Test.

Trials of the Blood Dragon - E3 2016 - Launchtrailer.

Trials ist einfach zu umschreiben: knallharte Action, massig Motorräder und waghalsige Stunts auf vorgegebener Strecke. Daran hat sich bislang so gut wie nichts geändert. Mit Trials of the Blood Dragon, einer teuflischen Fusion aus Trials und dem abgefahrenen Spin-off Far Cry 3: Blood Dragon, bekommt ihr natürlich auch wieder so einige krasse Strecken geboten, an denen ihr euer Geschick beweisen könnt. Ihr bekommt aber auch massig neue Gameplay-Mechaniken, eine Optik, die all den Trash aus den 80ern nochmals aufleben lässt und eine Story, die verrückter nicht sein könnte.

Die Zukunft ist zurück – im Gewand der 80er

Dass Trials abgefahrenem Shit nicht abgeneigt ist, wissen wir spätestens seit dem Fusion-DLC Awesome Max, in dem wir mit Katzen auf Einhörnern verrückte Regenbogen-Welten unsicher gemacht haben. In Trials of the Blood Dragon wird es zwar nicht annähernd so tierisch, dafür aber doppelt so abgespaced. Das geht? Natürlich! Wir spielen Roxanne und Slayter, die Kinder von Rex Power Colt, dem berüchtigten Helden aus Far Cry 3: Blood Dragon. Die beiden ziehen zwölf Jahre nach dem zweiten Vietnamkrieg in den vierten Vietnamkrieg, um den Kommunisten die Vorherrschaft vor der Nase wegzuschnappen und die Allmacht Amerikas unter Beweis zu stellen.

Trials of the Blood Dragon Gameplay 3
Noch nicht abgefahren genug? Dann hilft ein Blick auf die Strecken. Auf Schlachtfeldern in Vietnam, dem Mars und in einer Trash-Horror-Hölle bewegen wir uns immer weiter in Richtung Wahnsinn. Und das alles in der selben knallbunten 80er-Jahre-Neon-Popkultur-Optik, die ihr aus Far Cry 3: Blood Dragon gewohnt seid. Da kann euch schon mal schwindelig werden.

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Präzises Trial-Gameplay, frustrierende Schusswaffen

Natürlich ist die Story im Spiel selbst recht dünn und weckt so gut wie gar kein Interesse. Bei Trials geht es ja aber auch seit jeher weniger um packende Geschichten als um das präzise Gameplay. Auch in Trials of the Blood Dragon habt ihr so einige Passagen, bei denen ihr waghalsige Stunts mit eurem Motorrad oder einem BMX-Bike meisten müsst. Allerdings kommt es mit so vor, als seien die Stunts weitaus einfacher zu meistern als in anderen Teilen. Das ist nett für Neueinsteiger, für langjährige Fans der Reihe ist es allerdings ein No-Go – Es sei denn, es ist euer einziges Ziel, euch an die Spitze der Rangliste zu katapultieren.

Trials of the Blood Dragon Gameplay 2
Wesentlich schwieriger sind da die Jump’n’Run-Passagen, die so das erste Mal in der Trials-Serie Einzug halten und ungefähr ein Drittel des Spiels ausmachen. Ihr könnt rennen, euch unter Hindernissen hinweg ducken, springen und sogar schießen. Dadurch, dass ihr in ungewohnter Weise mit dem rechten Analogstick zielt und gleichzeitig schießt, wird das Treffen der Gegner allerdings zur Glückssache. Und da es nahezu nicht abzuschätzen ist, wann ihr wie lange springen müsst, um die gewünschte Höhe zu erreichen, sorgt auch das Springen für regelmäßige Frustration.

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Trials of the Blood Dragon Gameplay 1

Raumanzug des Todes

Ein weiterer Frustfaktor ist der Raumanzug, dessen Flugrichtung ihr durch kurzes anstupsen des linken Analogsticks bestimmt. Das ist sehr gewöhnungsbedürftig und endete bei mir oftmals in wildem Herumgekreise. An sich nicht fatal, wäre da nicht diese eine Stelle, bei der ihr mit enormer Präzision und einer an euch geketteten Bombe durch viel zu schmal geratene Gänge schweben sollt. Das ist nicht schwierig, sondern nahezu unmöglich – und damit Frust pur!

Doch sobald ihr wieder einen fahrbaren Untersatz unter euch habt, geraten solche Mords-Passagen fast schon wieder in Vergessenheit. Denn das Fahren funktioniert auch mit neuen Mechaniken wirklich gut – so wie dem Enterhaken, mit dem ihr euch am Bike von Plattform zu Plattform schwingt. Und dann sind die Strecken auch noch optisch so spektakulär verrückt: Pfeiler brechen zusammen, ihr balanciert auf Augäpfeln oder versucht unversehrt durch die sich im Drogentrip ständig verändernde Stage zu kommen. Das sieht cool aus und sorgt sogar für den ein oder anderen Adrenalin-Schub.

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Mein Test-Fazit zu Trials of the Blood Dragon

Auch wenn Trials of the Blood Dragon so gut wie alles hat, was ich eigentlich nicht leiden kann: Balance-Spielchen, Trash-Horror, eine fehlende logische Geschichte und eine viel zu kurze Kampagne, hat mir das Spiel erstaunlich gut gefallen. Vielleicht, weil minus mal minus eindeutig plus ergibt. Vielleicht auch, weil mich der Spielspaß und der vielfältige Nonsense, der mir in den knapp fünf Stunden im Spiel geboten wurde, einfach in seinen Bann gezogen hat.

Natürlich ist Trials of the Blood Dragon kein vollwertiges Trials. Wer auf der Suche nach ebenso präziser Stunt-Action wie in Evolution und Fusion sucht, für den ist das neue Trials also eher weniger etwas. Wem allerdings bislang die Präzision in Trials ein wenig Angst gemacht hat, der ist mit Trials of the Blood Dragon gut beraten. Die vereinfachte Arcade-Steuerung verzeiht euch des Öfteren unpräzise Landungen und macht auch bei schwierigeren Passagen immer noch so viel Spaß, dass selbst Misserfolge nicht am Weiterspielen hindern.

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Trials of the Blood Dragon
Entwickler: Redlynx, Ubisoft Kiev
Preis: 14,99 €

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