Zu den neuen iPhone-12-Features gehört das magnetische und drahtlose Ladegerät MagSafe – und das sollte nicht unterschätzt werden. GIGA-Redakteur Stefan hat es getestet: Sowohl mit Original-Apple-Netzteil, als auch mit einem Drittanbieter-Netzteil.

 

Kaufberatung

Facts 

Apple MagSafe im Test: Unser Fazit

Kabelloses Laden ist die Zukunft – und Apple zeigt mit MagSafe, wie es mit iPhone 12 (mini, Pro, Max) im Idealfall auszusehen hat. Durch die magnetische Halterung verbinden sich Handy und Ladegerät mit einem leichten „Klack!“ immer perfekt und können nicht ohne Weiteres verrutschen. Das Laden ist ausreichend schnell, man kann währenddessen das iPhone in der Hand weiternutzen. Die Verarbeitungsqualität ist makellos, zudem hält sich die Wärmeentwicklung beim Laden in Grenzen. Das futuristische Ladeerlebnis ist kostspielig, denn wer sich die Kombo aus MagSafe (43,85 Euro) und Apple 20-Watt-USB-C-Netzteil (24,35 Euro) zulegen möchte, darf mal eben 68,20 Euro aus dem Portemonnaie kramen.

Das Verbindungskabel am MagSafe lässt sich nicht abnehmen – man sollte es stets vor Belastungen schützen, um einem eventuellen Kabelbruch vorzubeugen. Apple-Veteranen kennen das bereits: Das MagSafe für die Apple-Laptops (erstmals vorgestellt 2006) war in der Hinsicht wohl der geistige Vorreiter. Ich hätte mir hier lieber einen modularen Aufbau gewünscht. Insgesamt ist das neue MagSafe Ladegerät kein Pflichtkauf für iPhone-Nutzer, sondern eher ein wirklich gut umgesetzter „Zubehör-Luxus“. Anders ausgedrückt: Muss man nicht unbedingt haben – aber wenn man es mal hat, dann will man nicht mehr darauf verzichten.

Vorteile:

  • Schickes Produktdesign und sehr gute Verarbeitung
  • Magnetisches Andocken stellt sicher, dass jeder Ladevorgang problemlos stattfindet (nur bei iPhone 12 / mini / Pro / Pro Max)
  • Wärmeentwicklung hält sich in Grenzen

Nachteile:

  • Ladegeschwindigkeit kann nicht mit direktem Laden per Lightning-Buchse mithalten
  • Kabel nicht austauschbar

MagSafe 2020 für iPhone im Test: Wertung

  • Design & Verarbeitungsqualität: 9/10
  • Funktionen & Leistung: 7/10

Gesamt: 8 / 10

Apple MagSafe Ladegerät

Apple MagSafe Ladegerät

Apple MagSafe: Design & Verarbeitung

Ein nahtloses Aluminium-Gehäuse mit sanft gerundeten Kanten, in der Mitte ein Kunststoff-Ladepuck, daran ein stabil ausgeführtes Kabel (fest verbaut) mit USB-C-Stecker am Ende: Das MagSafe wirkt minimalistisch und hochwertig, wie man es von Apple erwartet. Keine Schnörkel, Logos oder RGB-Leuchten – mir gefällt's, das darf auch ohne Handy dauerhaft auf dem Schreibtisch verweilen.

Das schlichte Design bedeutet aber auch: Es lässt sich immer nur 1 iPhone oder 1 AirPods-Case laden. Wer sich im Zubehörbereich umschaut, findet mittlerweile sehr günstige und große Ladestationen, die beispielsweise iPhone, Apple Watch und AirPods gleichzeitig aufnehmen – die sind dann aber auch ein „Blickfang“ aus Plastik, den man sich vor der voreiligen Platzierung im gepflegten Yuppie-Haushalt nochmal durch den Kopf gehen lassen sollte. Ich für meinen Teil bevorzuge das stylische Apple MagSafe.

Zur Langzeithaltbarkeit kann ich noch nichts endgültiges sagen, aber der Ersteindruck stimmt mich zuversichtlich – das dürfte eine Weile halten, wenn man es pfleglich behandelt.

Die magnetische Andockfunktion hält das iPhone 12 sicher in Position. Sie ist sogar stark genug, dass man es daran hochhalten kann – wozu auch immer man das tun sollte ...

MagSafe Funktionen & Leistung

Das iPhone 12 wird mit bis zu 15 Watt geladen, das iPhone 12 mini hingegen nur mit 12 Watt Maximum. Beides sind theoretische Spitzenwerte, die in der Praxis nicht unbedingt dauerhaft erreicht werden. „Der in einem bestimmten Moment an das iPhone 12 abgegebene Strom schwankt in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren wie Temperatur und Systemaktivität“, so Apple im offiziellen Support-Dokument. Das deckt sich mit der Aussage des chinesischen Zubehörherstellers Anker gegenüber GIGA zum selben Thema: „Es handelt sich um eine zyklische Anpassung: Wenn die Temperatur des Handys hoch ist, sinkt die Ladeleistung. Die Temperatur des Handys sinkt mit der niedrigeren Leistung – und dann steigt die Ladeleistung wieder an.“

MagSafe fürs iPhone: So funktioniert es (Herstellervideo)

MagSafe lädt auch ältere iPhone-Modelle, wenn diese über eine Wireless-Charging-Funktion verfügen (also iPhone X oder neuer) – das magnetische Andocken funktioniert aber nur bei den neuen iPhone-12-Modellen. Ebenfalls kompatibel sind die AirPods Pro und die AirPods mit kabellosem Ladecase (2. Generation).

Apple AirPods Pro

Apple AirPods Pro

Ein Tipp zur Nutzung: Wer eine iPhone-Lederhülle verwendet, sollte diese vor dem Laden mit MagSafe lieber abnehmen – es können sich nämlich durch den Druck mit der Zeit runde Abdrücke bilden. Ansonsten kann ich aber bestätigen, dass MagSafe auch durch normale Hüllen hindurch lädt (z.B. von Woodcessories) – dann aber aufgrund des Abstands mit schwächerer magnetischer Haftung. Die bleibt nur erhalten, wenn im Case ein zusätzlicher Magnet integriert ist (z.B. Apple Silikon Case mit MagSafe).

Das hier besprochene Ladegerät ist gewissermaßen ein „Referenzmodell“. Ist liegt auf der Hand, dass es nur der Auftakt einer ganzen Reihe MagSafe-kompatibler Produkte ist, die in Zukunft noch erscheinen werden. MagSafe ist kein kurzlebiger Trend, sondern der neue Standard bei Apple. So hat der namhafte Zubehörhersteller Belkin bereits ein 3-in-1-Ladegerät und eine Kfz-Lüftungshalterung mit MagSafe angekündigt.

Apple MagSafe: Original Apple-20-Watt-Netzteil vs. Anker PowerPort

Vor kurzem sind erste Berichte eingegangen, wonach die maximale Leistung von MagSafe nur mit dem Apple 20-Watt-Netzteil, aber nicht mit Netzteilen von Drittanbietern abgerufen werden könne – selbst dann, wenn diese laut Datenblatt eigentlich leistungsfähiger sind. Das wäre doch ganz schön ärgerlich!

Nachdem ein Anker-Pressevertreter uns gegenüber erklärte, dass man dieses Phänomen in eigenen Versuchen nicht bestätigen könne, wollte ich es selbst auch mal ausprobieren. Dazu habe ich das iPhone 12 jeweils auf 50 Prozent Batteriestand entladen. Alle Apps waren bei den Versuchen geschlossen, Begegnungsaufzeichnungen deaktiviert, das Handy auf Zimmertemperatur. Hier die Ergebnisse:

Batteriestand 50 Prozent, 15 Minuten Ladezeit

Batteriestand 0 Prozent (iPhone ausgeschaltet), 12 Minuten Ladezeit

  • Original Apple „20W USB-C Power Adapter“: 0 auf 11 Prozent in 12 Minuten.
  • Anker „PowerPort Atom PD 1 30W“:  0 auf 20 Prozent in 12 Minuten.

Ich kann also die angeblichen Einschränkungen bei Drittanbieternetzteilen nicht nachvollziehen. Ganz im Gegenteil – das Anker PowerPort Atom PD1 war in Versuch 2 sogar deutlich schneller. Selbst wenn man allerlei denkbare Faktoren mit einbezieht (Temperatur, Signalstärke Mobilfunk, Siri-Indexierung etc), dürfte das Anker-Netzteil aus meiner Sicht als mindestens gleichwertig mit dem 20-Watt-Charger von Apple einzustufen sein, wenn man die Verwendung an MagSafe vorsieht.

Apple 20W USB‑C Power Adapter

Apple 20W USB‑C Power Adapter

Anker PowerPort Atom PD 1, 30W mit Power Delivery und USB-C

Anker PowerPort Atom PD 1, 30W mit Power Delivery und USB-C

Am schnellsten lädt es sich am Ende doch per Lightning-Buchse. Verwendet man das Apple-20-Watt-Netzteil mit USB-C-auf-Lightning-Kabel direkt mit dem iPhone 12, so macht das MagSafe im Vergleich dazu in Sachen Geschwindigkeit keinen Stich. Auch hier können freilich Systembedingungen den Ladevorgang individuell beeinflussen – aber unterm Strich bleibt ein klarer Vorsprung. Wer es also eilig (und die Wahl) hat, sollte die „alte“ und kabelgebundene Fast-Charging-Methode bevorzugen. Das ist dann allerdings nicht so elegant und zukunftsweisend.

Wertung

8/10
“Apple MagSafe ist zuverlässig, leistungsfähig und sieht schick aus. Ein Pflichtkauf ist das magnetische iPhone-Zubehör aber nicht.”