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Balkonkraftwerk-Speicher von Bluetti im Test: Nicht zeitgemäß

Der Balkonkraftwerk-Speicher von Bluetti konnte im Test nicht überzeugen. (© GIGA)
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Das Angebot an Balkonkraftwerk-Speichern ist mittlerweile riesig. Jeder Hersteller mit Rang und Namen bietet eine eigene Lösung an. Bluetti hat 2023 ein Balkonkraftwerk-System mit Akku-Speicher angekündigt. In den letzten Wochen konnte ich das System ausprobieren. Im Vergleich zur Konkurrenz hängt das Produkt aber weit zurück, da es die Grundfunktion nicht einmal abdeckt. Es dürfte sich dadurch kaum rentieren.

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Bluetti-Balkonkraftwerk-Speicher im Test: Fazit

Balkonkraftwerk-Speicher haben sich in extrem kurzer Zeit sehr schnell weiterentwickelt, weil die führenden Hersteller direkt auf das Feedback der Tester und Kunden gehört haben. Entstanden sind schöne All-in-One-Lösungen, die sich einfach anschließen lassen und hervorragend funktionieren. Das Bluetti-System hängt technisch hingegen weit zurück. Besonders gravierend ist die fehlende Möglichkeit, gleichzeitig den Solarstrom ins Hausnetz einzuspeisen und den Überschuss im Akku zu speichern. Es kann entweder nur der Akku geladen oder nur ins Hausnetz eingespeist werden. Das können alle anderen Konkurrenten viel besser. Laut Bluetti wird an dem Problem gearbeitet, doch bisher ist keine Lösung da.

Wenn ihr die Energie aus dem Akku nutzen wollt, dann müsst ihr entweder den ganzen Tag am Handy hängen und alles manuell auf die jeweilige Situation anpassen oder Energie verschenken. Und genau das will man mit einem Akku-Speicher ja gerade nicht tun. Smarte Features fehlen komplett. In der App lässt sich auch kaum etwas einstellen und Änderungen werden erst nach Minuten übernommen.

Positiv zu erwähnen ist, dass ihr USB-Anschlüsse zur Verfügung habt und der Speicher um einen zweiten Akku erweitert werden kann. Doch insgesamt kann ich den Kauf wegen der gravierenden Einschränkung beim Laden und Entladen nicht empfehlen. Die Konkurrenz ist Bluetti in dem Sektor weit überlegen und bietet viel bessere Lösungen an. Ich hoffe, dass Bluetti bei der zweiten Generation aus den Fehlern lernt und ein System entwickelt, das so funktioniert, wie es soll.

Bluetti verlangt für das von mir getestete Set mit einem Akku 1.653 Euro (bei Bluetti anschauen).

Bluetti verlangt für den von uns getesteten Balkonkraftwerk-Speicher 1.653 Euro. (Bildquelle: Bluetti)

Da sind noch keine Solarmodule dabei. Ich wüsste nicht, wie ihr das Geld über die 10 Jahre zurückbekommt. Andere Hersteller sind günstiger und die Systeme funktionieren, wie sie sollen.

Vorteile:

  • Speicher erweiterbar
  • Bei Stromausfall (teilweise) nutzbar

Nachteile:

  • Kabelsalat
  • Kann nicht gleichzeitig einspeisen und laden/entladen
  • Keine smarten Features
  • Keine Akku-Heizung
  • Keine Steckdose
  • Schwache App
  • Alte Batterien nicht kompatibel

Großer Kabelsalat

Der Akku-Speicher von Bluetti erzeugt einen riesigen Kabelsalat. (Bildquelle: GIGA)

Der Akku-Speicher für Balkonkraftwerke von Bluetti ist zwar nicht wirklich kompliziert aufzubauen, weil die Anleitung den Prozess ganz anschaulich beschreibt, doch ihr bekommt danach einen riesigen Kabelsalat. Im Titelbild seht ihr das System ohne angeschlossene Solarmodule. Schon allein die Verbindung zwischen dem Akku, dem PV-Controller und Wechselrichter sieht sehr unübersichtlich aus. Kommen dann noch die Solarmodule und das Stromkabel hinzu, dann ist das Chaos perfekt.

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Mich erinnert das an die Systeme der ersten Generation. Auch da hat man einen echten Kabelsalat bekommen. Neuere Lösungen von EET oder Zendure sind da viel weiter. Alles ist im Akku integriert und lässt sich noch einfacher anschließen. Zudem sieht es auch einfach aufgeräumter aus.

App-Einrichtung mit Problemen

Nachdem ihr den Aufbau geschafft habt, müsst ihr die App einrichten. Das wirkte für mich im ersten Moment ganz einfach, doch ich habe einen Fehler gemacht. Ihr müsst nämlich während der Einrichtung des Solar-Ladecontrollers D100S direkt den A80-Wechselrichter einbinden. Das hat bei mir zunächst überhaupt nicht geklappt, sodass die beiden Geräte als einzelne Produkte in der App auftauchten und nicht zusammengearbeitet haben. Nachdem ich Kontakt mit dem Hersteller hatte und wohl ein Firmware-Update auf mein Testgerät gepusht wurde, hat die Einrichtung dann geklappt.

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Nur wenn es so in der Bluetti-App aussieht, arbeitet das System korrekt. (Bildquelle: GIGA)

Erst wenn die Geräte als ein PV-System in der App auftauchen, kann man auch die Einspeiseleistung vorgeben. Vorher wird einfach die gesamte Leistung des Akkus mit voller Power ins Hausnetz gespeist.

Kann nur laden oder einspeisen

Der Bluetti D100S kann entweder nur Energie in den Akku oder zum Wechselrichter freigeben. (Bildquelle: GIGA)

Die oben genannten Nachteile sind dabei für mich noch Kleinigkeiten, mit denen ich irgendwie leben könnte. Das größte Problem des Bluetti-Systems besteht darin, dass der Akku nur geladen oder entladen werden kann. Die Energie kann also nur in eine Richtung fließen.

Normalerweise ist es so, dass ihr in der App anderer Systeme den Strombedarf eures Haushalts einstellt und nur die überschüssige Energie in den Akku fließt. Ihr deckt damit euren normalen Strombedarf am Tag über die Solarmodule ab und könnt den Rest speichern und am Abend und in der Nacht nutzen. Hier geht das nicht.

Die gesamte Energie der Solarmodule geht entweder nur in den Akku oder nur ins Hausnetz. Das ist einfach nicht zeitgemäß und keine gute Lösung. Statt dass ihr einfach den normalen Strombedarf am Tag über die Solarmodule abdeckt und nur die überschüssige Energie in den Akku speichert, wie es bei allen anderen Balkonkraftwerk-Speichern der Fall ist, geht hier zunächst alles in den Akku und sobald dieser voll ist, direkt ins Hausnetz.

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Der Wechselrichter von Bluetti arbeitet immerhin sehr effizient. (Bildquelle: GIGA)

Zudem könnt ihr nicht zusätzlich Energie aus dem Akku ziehen, um eine geringe Solarleistung aufzufüllen. Gegen 17:30 Uhr habe ich meist noch um die 30 bis 40 Watt auf den Solarmodulen, brauche aber mehr, weil ich TV gucke, koche oder zocke. Auch wenn ich dann die Einspeisung aus dem Akku auf 17:00 Uhr ändere, führt das System diese Änderung nicht aus. Es werden munter weiter die paar Watt von den Solarmodulen eingespeist, statt mir zusätzlich Akku-Speicher bereitzustellen. Erst wenn keine Solarenergie mehr vorhanden ist, kommt die Leistung aus dem Akku.

Es gibt immer nur die Wahl zwischen Solar oder Akku – aber nicht beides zusammen wie bei der Konkurrenz. Dadurch habt ihr tagsüber trotzdem hohe Stromkosten und nachts nur eine geringe Ersparnis, weil ihr die ganze Energie gar nicht verbrauchen könnt. Ich wüsste nicht, wie sich dieses System jemals amortisieren kann.

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In der App lässt sich das entsprechend auch nur ganz simpel über Zeitkonten einstellen, wann Energie gespeichert oder abgerufen werden soll:

Die Energie geht entweder in den Akku oder ins Hausnetz. (Bildquelle: GIGA)

Ich hab die Energiespeicherung zwischen 8 Uhr in der Früh und 18 Uhr am Abend eingestellt. Doch immer wenn ich den Akku lade, zahle ich am Tag ganz normal für Strom, statt diesen mit Sonnenenergie kostenlos abzudecken. Ihr könntet da natürlich händisch immer wieder ran, wenn ihr beispielsweise den TV oder die Waschmaschine einschaltet, doch das ist unnötig umständlich. Zudem hält sich das System oft nicht an die vorgegebenen Zeiten, wenn noch ein paar Watt auf den Solarmodulen sind. Für mich ist es so einfach unbrauchbar.

Es fehlt an Features

Die Bluetti-App ist sehr übersichtlich. Das gesparte Geld stimmt aber nicht wirklich, weil man die erzeugte Energie nicht ohne Verlust nutzen kann. (Bildquelle: GIGA)

Bluetti bietet für den Balkonkraftwerk-Speicher zudem keine smarten Steckdosen oder Smart-Meter an, die ihr nutzen könntet, um euren Energiebedarf zu ermitteln. Am Ende würde das aber sowieso kaum etwas bringen, weil ihr nicht gleichzeitig Energie über die Solarmodule und aus dem Akku bekommen könnt. Damals waren smarte Steckdosen noch geplant.

Die Akku-Speicher verfügen auch nicht über eine Heizfunktion, sodass der Einsatz nur bis 0 Grad Celsius möglich ist. Neuere Systeme haben mittlerweile immer eine Heizmatte verbaut, die den Einsatz bis -20 Grad Celsius ermöglichen. Bluetti sieht den Einsatz im Freien vor, sodass das auch ein kleiner Nachteil ist, wenn ihr den Akku im Winter nutzen wollt.

An der Front habt ihr immer USB-Anschlüsse und eine 12-Volt-Buchse. (Bildquelle: GIGA)

Löblich ist immerhin, dass Bluetti USB-Stecker und eine 12-Volt-Buchse verbaut hat, die ihr nutzen könnt, um euer Handy, Tablet oder Laptop aufzuladen. Bis zu 100 Watt kommen dort beispielsweise beim USB-C-Anschluss heraus. Es fehlt aber eine echte Steckdose, um bei einem Stromausfall auf die gespeicherte Energie zugreifen zu können. Eine Kühltruhe lässt sich über den 12-Volt-Anschluss aber betreiben.

Wie kann das System funktionieren?

Ich hatte mit dem Bluetti-Balkonkraftwerk im Testzeitraum viele Probleme, das System hat nicht richtig funktioniert und ich habe viel Energie verschenkt. Es gäbe in meinen Augen aber eine Möglichkeit, wie ihr das System doch noch irgendwie sinnvoll nutzen könntet. Hätte ich das System gekauft, würde ich nur ein Solarmodul an den Akku-Speicher anschließen und ein Solarmodul direkt an den Wechselrichter. So könnte ich den Strombedarf im Haus über den Tag mit einem Solarmodul abdecken und gleichzeitig den Akku für die Nacht mit dem zweiten Solarmodul laden. Genau das machen andere System aber eigentlich automatisch.

Dass ich mir so etwas ausdenken muss, um das System überhaupt irgendwie sinnvoll nutzbar zu machen, spricht leider dafür, dass diese Lösung nicht ideal ist. Bei mir ist der Akku schnell wieder rausgeflogen, denn es gibt viel bessere Lösungen von Zendure, EET, Anker oder EcoFlow. Letzteres nutze ich persönlich als XXL-Balkonkraftwerk.

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