Das beste Spiel des Jahres heißt Outer Wilds – und kaum jemand kennt es

Alexander Gehlsdorf 4

Kaum jemand kennt Outer Wilds, dabei ist das unscheinbare Projekt eines der besten Spiele des Jahres. Vielleicht sogar das Beste? Warum genau, das erklärt dir unser Redakteur Alex.

Das beste Spiel des Jahres heißt Outer Wilds – und kaum jemand kennt es

Bevor du weiter liest, möchte ich dich warnen. Outer Wilds ist ein Spiel, das umso besser ist, je weniger du im Vorfeld darüber weißt. Wenn du mir als vertraust, dann lies diesen Test nicht, sieh dir keine Videos an, sondern spiel einfach Outer Wilds. Es kostet 20,99 Euro im Epic Games Store und und ist jeden Cent wert. Außerdem ist es im Xbox Gamepass enthalten.

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Allen anderen möchte ich stets die Möglichkeit zur Umkehr bieten. Jeder Absatz wird ein bisschen mehr über das Spiel verraten. Dinge, die du am besten selbst herausfinden solltest. Denn die Welt von Outer Wilds zu erforschen ist eine der einzigartigsten Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren machen durfte. Sei also gewarnt! Ein Spoiler-freies Fazit findest du am Ende des Artikels.

Wird dir gefallen, wenn du dich gern von deiner eigenen Neugier motivieren lässt und die Serie Lost liebst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du an die Hand genommen werden möchtest und in Spielen ungern selbstständig denken möchtest.

Spoiler 1/10: Eine Begegnung der dritten Art

In Outer Wilds bin ich kein Mensch, sondern gehöre zu einem kleinem Raumfahrervolk auf einem fremden Planeten. Ich erwache an einem knisternden Lagerfeuer und bin voller Vorfreude: Heute ist endlich der große Tag, an dem auch mein erster Raumflug ansteht! Auf dem Weg zu deinem Raumschiff komme ich an einer Nomai-Statue vorbei, ein uraltes Volk  von Wissenschaftlern, die vor tausenden von Jahren in meinem Sonnensystem lebten. Seltsamerweise scheint die Statue mit mir Kontakt aufzunehmen … ?

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Spoiler 2/10: Das Universum liegt mir zu Füßen

Viel Zeit um die mir über die sonderbare Begegnung Gedanken zu machen bleibt mir jedoch nicht. Wenige Momente später startet mein, liebevoll aus Holz gezimmertes Raumschiff und das Sonnensystem steht mir zur Erkunden offen. Wohin soll es zuerst gehen? Zu den Hourglass-Twins, dem von Wasser bedeckten Planeten Giant’s Deep, dem in sich zusammen fallenden Planeten Brittle Hollow oder etwa dem mysteriösen Dark Bramble?

Spoiler 3/10: Ein jähes Ende

Ich entscheide mich für einen Zwischenstopp auf dem Mond meines Heimatplaneten Timber Hearth. Dort treffe ich nicht nur einen weiterem Raumfahrer sondern entdecke auch eine Ruine der Nomai. Ein spannender Fund! Schließlich erlaubt mit mein Übersetzungsgerät, die alten Texte der Wissenschaftler zu übersetzen. Woran sie wohl geforscht haben? Bevor meine eigenen Nachforschungen jedoch so wirklich losgehen, reißt mich ein beunruhigendes Geräusch aus der Konzentration. Die Sonne hat sich zu einer Supernova verwandelt. Wenige Momente später bin ich und mit mir jede andere Lebensform im Sonnensystem tot. Ist das das Ende von Outer Wilds? Nein, erst der Anfang, denn einen kurzen Augenblick später erwache ich erneut am Lagerfeuer auf Timber Hearth.

Spoiler 4/10: Und täglich grüßt…

Was ist passiert? Ich spreche mit meinen Freunden auf meinem Heimatplaneten, doch außer mir scheint sich niemand an den Weltuntergang zu erinnern? Habe ich alles nur geträumt? Ich starte erneut einen Ausflug in die Weiten des Sonnensystems. Dieses Mal hat der Planet Brittle Hollow mein Interesse gepackt. In dessen Kern klafft ein schwarzes Loch und alle paar Minuten wird ein Stück des Planeten hineingesaugt. Ich gebe mir alle Mühe nicht das selbe Schicksal zu  ereilen, während ich die Stadt erkunde, welche von den Nomai im Inneren des Planeten erbaut wurde. Doch meine Vorsicht ist irrelevant: Nach 22 Minuten implodiert erneut die Sonne und ich finde mich am heimischen Lagerfeuer wieder. Ich bin in einer Zeitschleife gefangen.

Spoiler 5/10: Leben heißt Lernen

Was tun, wenn mich alle 22 Minuten der sichere Tod ereilt? Ich entscheide mich dafür, die ungewöhnliche Chance zu nutzen und so viel wie möglich über das Sonnensystem zu lernen in dem ich lebe und sterbe. Schließlich bin ich nicht umsonst Raumfahrer! Schnell entdecke ich weitere Ruinen, Aufzeichnungen und Technologien der Nomai. Ich erfahre zunehmend mehr über ihre Forschungen mit Schwarzen Löchern, ihre Philosophie, sogar ihr Privatleben und ihre mysteriöse Suche nach dem Auge des Universums.

Spoiler 6/10: Jeder stirbt allein

Besonders vielversprechend scheinen die Ash Twins für meine Forschungen zu sein. Zwischen den beiden Zwillingsplaneten wandert ein steter Strahl Asche hin und her. Während Ember Twin zu Beginn der Zeitschleife noch kahl und felsig ist, liegt sein Zwilling Ash Twin mit Asche bedeckt. Mit voranschreitender Zeit wandert die Asche hinüber zu Ember Twin, während auf Ash Twin eine Reihe beeindruckender Ruinen freigelegt werden.

Bei meinen Erkundungen auf Ember Twin entdecke ich einen Höhlensystem. Wissbegierig eile ich hinein, erkunde die verwinkelten Gänge und weiche lebensgefährlicher Dunkler Materie aus. Einen Weg hinaus aus der Höhle finde ich jedoch nicht: Die Asche hat den Höhleneingang unter sich begraben und einen zweiten Weg hinaus gibt es nicht. Einen „Zeitschleife neu starten“-Knopf allerdings auch nicht. Ich kann nichts weiter tun, als auf meinen unvermeidbaren Tod zu warten. Sekunden fühlen sich wie Stunden an. Mir rasen Gedanken durch den Kopf. Was, wenn ich in der Realität auf einem fremden Planeten verschüttet wäre, tausende Lichtjahre von meiner Heimat entfernt? Seit ich Videospiele kenne, bin ich tausende und abertausende virtuelle Tode gestorben. Über meinen eigenen Tod habe ich mir hingegen noch nie ernsthafte Gedanken gemacht. Bis jetzt.

Spoiler 7/10: Die verborgenen Geheimnisse des Universums

Einer ganzen Reihe Geheimnisse der Nomai bin ich bereits auf die Schliche gekommen, dennoch fehlen mir noch immer zahlreiche Antworten. Das liegt vor allem daran, dass mir einige Areale scheinbar versperrt sind. Wie erklimme ich bloß den Tower of Quantum Knowledge, wenn doch der Weg nach oben offenbar schon seit Jahren kaputt ist? Wie kann ich auf der Sun Station landen, wenn mich die Gravitation der Sonne bei jedem Landeversuch in den sicheren Tod reißt? Fehlt mir ein bestimmter Gegenstand, ein Upgrade? Gibt es einen Skill, den ich erst lernen muss?

Spoiler 8/10: Raum und Zeit

In Outer Wilds gibt es keine Erfahrungspunkte, keine Upgrades und kein Skill-System. Jede Form von Fortschritt in Outer Wilds ist mein eigenes Wissen. Wissen über die Nomai, die einzelnen Himmelskörper aber vor allem auch ein Verständnis der Welt, in der ich mich befinde. Denn viele der vermeintlichen Rätsel in Outer Wilds sind gar keine Rätsel, sondern nur ein Beleg dafür, dass ich bestimmte Naturgesetze oder außerirdische Technologien noch nicht verstanden habe. Vor allem aber muss ich lernen vierdimensional zu denken und den Faktor Zeit mit einzuberechnen. Schließlich bin ich in einer Zeitschleife gefangen. Ist mir möglicherweise der Zugang zum Tower of Quantom Knowledge nur deshalb versperrt, weil ich ihn zur falschen Zeit besuche … ?

Spoiler 9/10: Die Angst vor dem Unbekannten

Outer Wilds ist kein Horrorspiel. Verdammt gruselig kann es trotzdem sein. Vor allem dann, wenn ich einem Bruchstück des Quantum-Monds begegne. Sobald ich meinen Blick von ihnen abwende verschwinden sie, nur um anderer Stelle wieder aufzutauchen. Kaum vorstellbar, dass es es einen ganzen Mond aus diesem absurden Material geben soll. Auch um die bedrohlichen Wirbelstürme auf Giant’s Deep mache ich lieber einen großen Bogen. Aber Angst machen mir diese Phänomene nur, weil ich sie nicht verstehe. Die Quantum-Steine etwa unterliegen strengen Gesetzen, die ich erst lernen und verinnerlichen muss. Sobald ich das getan habe, ist sogar eine Reise zum unerreichbar scheinenden Quantum-Mond möglich.

Spoiler 10/10: Noch eine Runde

Kann ich die Zeitschleife brechen? Meine Heimat vor der Supernova bewahren? Was hat es mit dem mysteriösen Auge des Universums auf sich und warum kann nur ich mich an meine zahlreichen Tode erinnern? Outer Wilds ist ein Spiel über die eigene Neugier. Es gibt keine Wegweiser, keine Levelaufstiege, keine Hauptquest. Alles was mich voran treibt, ist meine eigene Suche nach Antworten. Und das packt mich mehr als jedes Unlock, jede Ingame-Währung und jeder Item-Drop. „Nur noch ein oder zwei Loops“, dachte ich mir mehrfach, bevor ich mich früh halb zwei dazu zwingen musste, doch ins Bett zu gehen. Outer Wilds motiviert, fordert, unterhält, überrascht und regt zum Nachdenken und Philosophieren an. Darüber – sowie über das Ende von Outer Wilds – habe ich auch mit Christian Eichler gesprochen:

RUSH – Der Gaming-Podcast: Outer Wilds - Das beste Spiel des Jahres?

Mein Test-Fazit zu Outer Wilds

Alle paar Jahre erscheint ein Spiel, dass mich zwar nur wenige Stunden kostet, dafür aber über Jahre bei mir bleibt. Solche Spiele heißen zum Beispiel Portal, The Stanley Parable oder The Witness. Spiele, bei denen ich mich Frage, warum nur vorher niemand auf so eine geniale Idee gekommen ist beziehungsweise es niemandem gelungen ist, das Konzept so gelungen umzusetzen. Auch Outer Wilds ist so ein Spiel. Und das obwohl ich die Veröffentlichung des Spiels im Mai 2019 komplett verpasst habe. So wie die meisten. Outer Wilds ist womöglich das beste Spiel des Jahres – und kaum jemand kennt es. Ich hoffe, dass das nicht lange so bleiben wird.

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